Monatsarchiv für November 2004

 
 

Blogging for Gewinnartikel.

Der geschätzte Kollege Pop-Waldar macht eine schicke Jahres-Pop-Top-5 mit Gewinnspiel. Kann man mitmachen.

Scheißfried.

Es ging einfach nicht. Als Benno Führmann dann den doofen Computerdrachen erledigte und im anschliessenden Blutbad grunzte wie ein kettenrauchender Pornostar, war meine Geduld endgültig am Ende. Ich schaltete ab und spülte die Reste vom Wochenende weg. Nibelungen auf Sat1. Was hätte ich anderes erwarten können!?!

Blogunterschlupf für Ex-Viva-Stars.

Heute: Der Sarah Kutter-Show.

Auf und ab und hin und rückblickend.

Dieses völlig undifferenzierte Gefühl von Neid überfällt mich jedes Mal, wenn ich die Räumlichkeiten hier verlasse, um meine Lungen mit Frischluft und Nikotin zu füllen. Der Garten der Agentur, viel mehr das, was der Winter von ihm übrig gelassen hat, lässt über einen kleinen Fluß hinweg tief in die Schulhofebene des angrenzenden Gymnasiums blicken. Und während ich inhaliere, erinnere ich mich; ich denke an die frühen Morgenstunden zurück, in denen mich der blanke Horror packte, weil ich meine Hausaufgaben nicht gemacht hatte. An den Terror, der von unserer Lateinlehrerin ausging, wenn man den Genitiv-Plural von turris nicht wusste (I- mit U-Deklination verwechselt = 6, setzen!). An das lautstarke Organ der Chemielehrerin Matzchka, die mit Vorliebe “Jungä, knall nischt!” schrie, wenn jemand von den Strebern mit den Fingern schnippste, um schneller zum Zuge zu kommen - und in einer ähnlichen Lautstärke auch mal ein markerschütterndes “Ich klatsch Disch an den Wand” von sich gab, wenn man wie Eingangs erwähnt, die Hausaufgaben nicht gemacht hatte. Es war Terror.

Ich hasste jene Zeiten, als ich noch Teil ihres Verlaufs war. Aber jetzt, wo ich Dekaden später hier auf der anderen Seite stehe und rauche, um wenigstens 5 Minuten vom Alltag fern zu bleiben, bin ich neidische. Weil ich denke: Damals, da war das Leben noch einfach. So schwer es einem auch vorkam.

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Natürlich kann man sich ärgern, wenn man nach 7 Jahren Grafikarbeit in ein und demselben Agenturgefüge immer noch nicht ernst genommen wird, schlußendlich aber dann doch (mal wieder) Recht hatte. Man kann sich auch darüber grämen, daß die Grenzen zwischen Freundschaft und Arbeit mittlerweile so schwindend geworden sind, daß eigentlich beides in den sozialen Routinen keinen Spaß mehr macht. Man kann sich dann fest entschlossen beruhigen. Hiermit zum Beispiel.

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Der heutige Blick in den Lokalteil meiner bevorzugten Tageszeitung entpuppte sich mal wieder als Lachnummer. Da stand doch tatsächlich was davon, daß das erste Adventswochenende in den Augen des Einkaufszentrumbesitzers dieser Stadt nicht an seine Erwartungen herangereicht hätte. “Der Ansturm ist ausgeblieben!”, sagt er. Wenn ich mich recht entsinne, habe ich genau an jenem Samstag mit meiner geliebten Frau E. fast eine Stunde nach einem Parkplatz gesucht, mich durch elede Menschenmassen gequält, um einen Adventskalender umzutauschen und auch sonst noch nie so viele Menschen in den genormten Kommerztempelhallen gesehen. Aber klar, wenn man dann auf Umsätze blickt, und nicht auf den fast schon gesundheitsgefährdenden Andrang, dann sieht das wohl nach wenig aus. Allerdings frage ich mich: Wenn diese Horden von einkaufswütigen Vorortbarbaren nicht zum Einkaufen in die Innenstadt gekommen sind, was genau haben sie dann dort gemacht?

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Monophobie: Spät Sonntag Nachts eine von meiner Seite aus recht müde geführte Diskussion zum Thema Monogamie geführt. Müde. Man kann dran glauben, daß es sowas wie Monogamie in langen Beziehungen gibt. Aber in einer zeit, wo Beziehungen nicht länger halten, als ein Liter fettarme Milch im Tetrapack, fällt es auch zunehmend schwerer. Dennoch denke ich, wenn man jemanden sehr liebt, sich dann aber abrupt in einer “neuverliebt”-Situation befindet, ist das wohl ein Grund, abzuwägen, was wichtiger ist: Die gute, langjährige Beziehung aufs Spiel setzen, oder das kurze Auflodern am Nebenschauplatz ausloten.

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Termin vergessen, Termin verschoben. Heute steht wichtigeres an, als sich in 2 Nächten den Kopf über einen Albumpremix zu zerbrechen. Und mit wichtig meine ich nicht die Sat1-Sensation mit Benno-Siechfried und dem Computer-Drachen, mit der mir seit Tagen schon das Fernsehprogramm vermiest wird, sondern einen Höhlenwechsel, der jetzt finanziell bedingt leider ansteht. Und auch sonst: Wenn ich derzeit auf meinen Kontostand blicke, komme ich nicht umhin, noch mal zu betonen: Selbstständigkeit macht sowas von Arm. Da trösten auch die Schuldenstatistiken in der Tageszeitung nicht. Es ist und bleibt ein Scheißgefühl, wenn man sich nichtmal mehr H&M leisten kann…

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Auch extrem: Die Sichtweisen auf Abende. Ja, wir haben am Freitag auf einem 50. Geburtstag gespielt. Ja, es waren nur ganz alte Menschen da. Ja, sogar den Holzmichl als Zugabe wurde gegeben. Ja, sie haben zu Elektropunkpop geklatscht, im Rhythmus, ganz Karl Moik like. Nein, ich fand den Abend dennoch nicht schlimm. Im Gegenteil: Ich hab mich drüber gefreut, daß dieser Generationen-Clash den zu clashenden Generationen so eine Freude bereitet hat. Und ja, ich würde sowas noch mal tun.

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Randnotiz: Nicht nur im völligen Montags-Wahn das Handy zu Hause liegen gelassen. Nein, sich dann auch noch auf dem Weg zum Zahnarzt darüber gewundert, daß die Zähne sich so ungewohnt rau anfühlen. Dann bemerkt, daß ich glatt das Zähneputzen vergessen habe. Gedacht: “Sein Problem, nicht meins!” Autsch.

An.

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Ruine.

Als ich gestern Abend von der Bandprobe zurückkehrte, fühlte ich mich ausgelaugt. Nicht wegen der Bandprobe. Ich machte es mir bequem, sah zu, wie Sarah Kuttner den Milkamola erfand, und verabschiedete sie und mich nach einem kurzen Ausflug mit der Dortmunder Polizei ins Badezimmer. Zähne putzen. Ich setzte mit der Bürste an, blickte in den Spiegel, um auch ja meinen Mund und nicht etwa meine Nase zu treffen. Und sah plötzlich jedoch nicht mich, sondern Horst Seehofer. Und Horst setzte die Zahnbürste ab, und sprach mit leisen und weisen Worten: “Ich liebe dieses Land!”. Und ich antwortete: “Hotte, ich ja auch, aber anders als Du. Du liebst das Land so mit anpacken, und machen, und hier und da und so. Ich zwar auch. Aber ich liebe in erster Linie mit Herzenswärme. So mit Schwermut, und Wehmut und im Moment auch viel Wermuth.” Er zögerte, blickte mich dann mit scharfen, stechenden Augen an: “Ja, das ist im ersten Moment vielleicht besser, als meine Art zu lieben, aber sieh doch, was es aus Dir gemacht hat. Du bist weich geworden. Wie Nougatschokolade in Wüstensonne. Dein Herz schlägt Wellen. Wellen, die Dich oft Naß machen, so Naß, daß Du gar nicht mehr trocknest. Und, ist das gut!?! Bringt Dich das weiter? Nimmt man Dich ernst, mit Deiner Liebe zu diesem Land?” Ich blickte abrupt weg, nahm die Zahnpastatube, drückte sie auf der glatten Oberfläche des Spiegels ganz aus, verteilte die Paste großzügig über die schmierige Fläche, und zog mit meinem Zeigefinger die Form eines Herzens in die klebrige Substanz. Dann schmiß ich die leere Tube weg, ging ins Bett, und wurde kalt.

Bauchnabelflusi.

Endlich bringt das mal jemand zur Sprache: Das Mysterium aller Männerwänste, die Geißel des behaarten Waschbärbauches, das ominöse Bauchnabel-Flusen-Rätsel. Ich hab bei mir irgendwann die zusätzliche Kuriosität entdeckt, daß die Farbe der Flusen grundsätzlich nie der Farbe meiner Wäsche entspricht.

Test, jetzt gerade in der Büronasszelle, um kein öffentliches Ärgernis zu erregen, oder einfach niemanden zu erregen: Ich trage ein rotes T-Shirt, kann aber einen grauen Flusenball in meinem Bauchnabel ausmachen. Liegt das dann am Alter der Fasern?

Vakuum.

Das sind dann so die Dinge, die einen wieder runterziehen: Fast 6 Stunden an einem mehrseitigen Artikel über Trocknungssysteme für Transformatorisolierungen geschrieben, mit nichts als einer Bedienungsanleitung in der Hand. Keinen blassen Schimmer von der Materie, aber alles so aufbereiten, daß selbst der Laie es versteht. Artikel fertig, weg damit. Stunden später ein Anruf: Zu technisch! Ich soll mal beim zuständigen Ingenieur durchklingeln, der könnte mir vielleicht noch so ein paar Rahmeninformationen geben, um den Text etwas aufzupeppen. Anrufen. Keiner da. In der Zwischenzeit den Text umgeschrieben, schicke Beispiele mit “Kaffee” und “Kaffeefilter” und sogar “warm duschen” reingebracht, zum auflockern. Dann der Rückruf vom Ingenieur. So ein Ein-Satz-Antwortengeber. “Ja, ne, ich hab den Text jetzt schon komplett umgeschrieben, da brauchen Sie da von der Agentur auch nicht dran weiterarbeiten. Der ist gerade in der Korrektur!”. Plötzlich dieses Gefühl in meinem Kopf, diese Sehnsucht nach 7.62 mm-Geschossen, dieses Verlangen danach, auf die Jagd zu gehen. Nach Truthähnen vielleicht.

Manchmal verstehe ich Sie, die Irren, die dann irgendwann durchdrehen.

Komische Katharsis.

Irgendwie gestern Nacht zusammengebrochen. Unter dem Lebens- und Leidensdruck. Aber irgendwie rumgepuzzelt, Teile zusammengefügt, Lücken geschlossen, und wieder aufgestanden. Zum Glück nicht aus Ruinen.

Feststellungen gemacht. Teils fundierte, teils banale. Die fundierten waren die wichtigen. Waren die, die das Vorwärtskommen, das “Nicht aufgeben!” sichern. Die banalen waren jene, die mich selbst überraschten. Zum Beispiel, daß der “Holzmichl” im Refrain von 4/4 auf 3/4 wechselt, und dabei in ein völlig atypisches Taktschema abdriftet. Zählt man mit, stellt man fest, daß da immer ein Takt abgeschnitten wird, und am Schluß fehlt. Ist das vielleicht der Grund, warum dieser Song bei allen Alkoholikern dieses Landes so populär ist? Oder liegt es am Wechsel von Dur auf Moll, genau an jener Stelle, wo der Holzmichl stirbt?

Um 6 Uhr Morgens, nach durchwachter Nacht, aufgestanden, abgekühlt. Den Tag mit einem dreifachen Espresso begonnen, und festgesellt, daß die Holzmichl-Katharsis in gewisser Weise geholfen hat. Bessere Laune. Aufrechtere Schulterhaltung. Gutes Gewissen. Pläne. Dann ging die Sonne auf.

Jetzt, 4 1/2 Stunden später, wieder etwas depressiver. Wegen der Truthähne, die heute sterben. Vielleicht mal was mit Truthahn-Content posten. Tiere haben keine Lobby.

Frau Schlampe von der Druckerei.

Die Headline ist nicht willkürlich. Es gbt sie tatsächlich, die Frau Schlampe von der Druckerei. Ich hatte sie heute am Telefon. Kein Witz.