Klee - Jemehrdestoweniger.

Klee
jelängerjelieber
(Ministry of Sound / Irgendein verfickter Major)
FR2 >>> Kleepage

Ins Regal neben: Manchester-Ecke, oder die Karaoke-Abteilung.

Die ganz alten Musikjournalisten reden ja immer von der Bürde des zweiten Albums. Jetzt bin ich aber weder alt, noch Musikjournalist, und Musikmachen empfinde ich auch nicht unbedingt als Bürde - also fällt die Ausrede für die Atemlosigkeit des zweiten Klee-Longplayers schon mal flach. Ich mein, OK, halten wir mal positiv fest, daß Klee sich auf “jelängerjelieber” mehr als offensichtlich aus den Fängen einer von der unsäglichen 2Raumwohnung leider negativ vorbelasteten Elektronik-Belanglos-Sosse befreien können. Also nix mehr mit tuckernder Möchtegern-Clubkompatibilität. Das war für mein Empfinden sowieso das einzig große Manko des Klee-Debüts. Der Rest war süß. Manchmal sogar bewegend. Nicht zuletzt wegen Frau Kerstgens, die man ja irgendwie einfach lieb haben muß. Es sei denn man sieht sie live über ihre neuen Rollerblades oder einen schicken Ledergürtel referieren. Dann schämt man sich ein bisschen dafür.

Um jetzt dann die ungeschickte Brücke zum Eingansthema dieses wuseligen Textes zu schlagen: Ich muß mir nach dem dritten Hördurchgang von Klee Teil 2 eingestehen, daß ich mich ein wenig dafür schäme, mich auf dieses Album gefreut zu haben. Denn Klee driften auf “Jelängerjelieber” in eine Art inhaltlicher Belanglosigkeit ab, die der eines Stückes Butterkäse aus dem Pennymarkt in nichts nachsteht. Das Ding ist blaß. Angefangen bei der Musik, die zwar zum Wohle aller Humpe-Geschädigten endlich mit Gitarren aufwartet, das wiederum aber auch nur halbherzig und uninspiriert tut. Ein Großteil der neuen Kleemusik klingt nach New Order, nach Cure, nach dem ganzen Britkram, den man ja irgendwie auch gerne gehört hat. Aber eben nicht nach Klee. Mehr kopiert als adaptiert. Der Gipfel ist “Unser Film”, bei dem man, wenn man denn ein besonders lustiger Zeitgenosse ist, The Cures “Just like a dream” von vorne bis hinten durchsingen kann, ohne auch nur eine nicht passende Stelle zu entdecken. Dann doch lieber gleich: Klee presents R. Smith’s greatest Hits! Oder gleich lieber: Wir sind hier nicht in Manchester, Susie!

Die Texte? Typisch Kerstgens halt. Aus dem Leben, über die Liebe, über Mut, über Eigensinnigkeiten, über Stolz. Unter’m Strich aber nichts neues in Köln. Auch da ein wenig Wehmut bei mir, denn die emotionale Stärke eines “Wenn es so wär” vom Erstling “unverwundbar” erreicht uns Susie leider in keinem der 12 neuen Songs. Gut, das ist natürlich unfair meinerseits, so hohe Maßstäbe anzusetzen, denn schöne Texte schreiben erfordert nun mal auch besondere Momente - und die sind ja leider nicht so häufig.

Und bevor dieser Text hier jetzt in eine ähnliche Belanglosigkeit abdriftet wie Klee 2, breche ich lieber abrupt ab, und verbleibe mit dem Fazit, daß man “Jelängerjelieber” nicht unbedingt haben muß. Vielleicht in 10 Jahren mal, wenn Klee dann die wichtigste deutschsprachige Band sind, und man seinen Back-Katalog komplettieren muss. Aber im Moment könnte man das Geld auch in Butterkäse aus dem Penny investieren.


 
 
 

14 Kommentare zu “Klee - Jemehrdestoweniger.”

  1. Lennart
    5. November 2004 um 21:50

    Na toll. Da wollte ich gerade reinhören. iPod lag schon neben mir. Ich geb’ der Armen aber trotzdem mal ‘ne Chance…

  2. Herr Shhhh
    5. November 2004 um 21:57

    Autsch, wollt ich Ihnen natürlich nicht vermiesen. Is ja auch nur meine Meinung…

  3. Lennart
    6. November 2004 um 04:56

    Also: Ja, besser ist das erste Album, finde ich. Trotz der fast schon anstrengenden Gutlaunigkeit die da verbreitet wird. Und beim Hören der Neuen stach auch kein Lied heraus.

  4. leteil
    6. November 2004 um 23:26

    haha, ist jetzt seit gestern mein dritter anlauf, was zu sagen: also kurzform, braucht man nicht, aber sie haben recht: die gitarren. 2raumwohnung ist auch langweilig gefällig, die texte zum weglaufen, aber die sind eben sexy, sind die.

  5. emily
    8. November 2004 um 09:51

    Die Klees waren neulich bei Frau Kuttner. Und ich fand das Ganze irgendwie nicht rund, sondern langweilig.
    Und die Sängerin machte einen auf sexy, indem sie sich die Haare pseudozufällig ins Gesicht strubbelte und dann stand sie beim Singen auch noch breitbeinig rum, als sie sie ein uralter Gitarrenmosher. Also ich fands schlimm und bin jetzt ganz schön froh, dass ich zu faul war, vor kurzem aufs Konzert zu gehen.

  6. eMBe
    9. November 2004 um 09:41

    “Eingansthema” - Das wollen wir mal nicht als Freud’schen Verschreiber sehen, obwohl ich Frau Suzie so genau nun auch nicht kenne. :-)

    Ach ja, Anfang der 90er als Einslive noch WDR1 war und Klee noch Ralley hieß und auf deren Album die Magnum-Synchronstimme zu hören war - da habe ich das Album nicht gekauft, weil “Zelten” mir der einzig ordentliche Track auf dem Album erschien.

  7. John Barkley
    9. November 2004 um 17:08

    …die Klee’s tun doch keinem weh und sind in natura echt sympathisch - der Verriss ist etwas übersteuert, und wie jede Kritik nur eine Frage der Sichtweise und ein Abgleich von persönlichen Erwartungen. Das Album ist genau das was es sein will - nette Popmusik, die weder den Regenwald rettet noch den Weltfrieden herstellt. Aber einen unbedarft mitwippen und lächeln lässt. Und für alle anderen gibt’s tschechische Indifilme über kleine Jungs und ihr kaputtes Fahrrad, oder Avantgardeklangforschung aus Oberetzelswenden. Das rückt dann auch die Anspruchsverhältnisse wieder zurecht. Und alle anderen staunen auch wieder ehrfürchtig über einen ;-).

  8. Herr Shhhh
    9. November 2004 um 17:32

    Och ne, Herr Barkley, ich darf ja wohl auch meckern, wenn’s mir nicht gefällt. Ich sach ja nicht: Hier, hömma, Klee = Scheisse. Die sind nett, auf jeden Fall, und die tun der deutschsprachigen Popmusik ja auch gut, deshalb glaube ich auch fest daran, daß aus denen mal was wird (Siehe Schlussabsatz). Aber das neue Album isses nich. Bei so Sachen hat man dann immer das Gefühl, daß da die Mühe dahinter fehlt. Und wenn wir jetzt mal davon ausgehen, daß unsereins tatsächlich 14.99 für die Geschichte ausgeben würde, dann darf man auch meckern…

  9. whocares
    13. November 2004 um 02:12

    Sollte Mr. Robert Smith jemals “UNSER FILM” zu Ohren bekommen, der “gute Mann” steht aus dem Grabe wieder auf und wird sich für die Bass-Riffs rächen.

  10. Herr Shhhh
    15. November 2004 um 09:17

    Ach, da bestätigen Sie endlich mal meine Idee. Ich bin nämlich auch der Meinung, daß der gute Herr Smith schon lange tot ist, und das Cure-Comeback in wirklichkeit von einem Klon (oder von Klee in Masken) und so. Sie wissen, was ich meine…

  11. Hyper
    19. November 2004 um 11:39

    Ach - ich finde auch das zweite Album eigentlich ganz nett. Live rocken sie auch ordentlich. Aber Suzie sollte vielleicht nur singen und nicht zwischendurch reden, da gebe ich dem Rezensenten durchaus recht.
    Das mit Cure muss ich heute gleich mal versuchen rauszuhören. Ich halte es jedoch mit: Besser gut geklaut als schlecht selber verbockt :)

  12. Herr Shhhh
    19. November 2004 um 15:42

    Ne, da geh ich nich mit Ihnen. Klee2 is scheiße. 2 mal gehört, schon staubt es weg. Vielleicht falsche Jahreszeit dafür.

  13. sascha
    19. Dezember 2004 um 17:44

    also cure leben zum glueck noch, und wer die richtig gut kennt (sprich auch die die alten home demos vom dicken smith) stellt fest, dass “unser film” nicht nur der finalen version von “just like heaven” geklaut oder “zitiert”, sondern eben fats ne 1:1 umsetzung der DemoVersion ist (zB das E im Riff ne oktave hoeher anstatt ein tiefes is, auch der etwas abgehacktere ryhtmus kommt vom demo). wurde gern mal ein statement von klee zum dem fall hoern. ansonsten find cih 3 bis 4 songs recht gut, den rest dagegen irgendwie unertraeglich. grueziwoll frau stirnima!

  14. Herr Shhhh
    20. Dezember 2004 um 09:29

    Ich find das generell immer schwer, mit so Plagiatssachen Ich kann das manchmal gut nachvollziehen, und hab für zwei unserer Tracks auch schon mal hier und da eine Sequenz benutzt, die fast 1 zu 1 geklaut war. Ich hab sie dann aber immer in einen anderen oder erweiterten Kontext gepackt, sodaß am Schluß vielleicht nur mit ganz, ganz viel gutem Willen rauszuhören war, wo ich mich da bedient hab. In dem Kontext find ich das dann aus 2 Gründen auch nicht so schlimm: 1. Sind das in der Regel Stücke von Bands gewesen, die kein Schwein kennt, und 2. benutze ich das bei uns eher als “Sampling”, und nicht als Vorlage für ein ganzes Stück.

    Was Klee da gemacht haben ist nicht so doll. Das ist so, als würde man die “Enjoy The Silence”-Karaoke-Version mit einem Angleika Milster Text singen, und dann sagen, man hätte das selbst geschrieben, und sei halt mit Depeche Mode sozialisiert worden.

Kommentar abgeben:

Sie müssen angemeldet sein um Kommentare abgeben zu können.