2. Ich hasse den Menschenstrom bei Ikea.
Zum Thema: Pop sind 100 Zeilen Hass.
Ich hasse Menschenströme. Die im Phantasialand zum Beispiel. Oder die in den Einkaufszentren der Vollprovinz. Oder, seit letztem Samstag, die bei Ikea.
In einem Anflug von was weiß ich was beschloß meine herzallerliebste Frau E. letzten Samstagnachmittag ganz spontan zu Ikea zu fahren. Nach Dortmund. Um einen Schreibtisch zu kaufen, an dem sie Ihre Diplomarbeit abarbeiten kann. Und generell freut man sich ja immer ein wenig, wenn man zu Ikea fährt. Wegen des Kleinkrams, den man dann später im Kofferaum hat, obwohl man ja eigentlich nur was ganz spezifisches kaufen wollte. Einen Schreibtisch zum Beispiel, aber sicherlich keinen Kleinkram. Und man freut sich wegen der Hotdog,s natürlich, aber das gehört zur Kategorie Fast-Food, und über Fast-Food freue ich mich immer. Egal wo.
Weitaus weniger freue ich mich über dich sich gegenseitig voranschiebenden Ströme voller Pärchen, Eltern mit flügge gewordenen Teenagern (denen man am liebsten wohlwollend sagen will, daß das wahrscheinlich das letzte Mal in ihrem Leben ist, daß ihnen jemand den fucking Hausrat bezahlt!), Eltern mit krakelenden Kleinkindern (die man trotz aller Kinderliebe am liebsten erwürgen würde - und die Eltern gleich mit!), und alte Ehepaare, die einfach mal gucken wollen, weil das doch immer so günstig ist da bei dem schwedischen Möbelhaus, (die dann aber doch nichts kaufen, wegen der Scheißqualität und so).
Nein, es liegt nicht an der trockenen Luft, daß mir diese durch das Press-Span-Paradies führende Karawane so missfällt. Es liegt auch nicht an den gefühlten 24 Kilometern, die man dort völlig hypnotisiert und fast schon lobotomisiert zurücklegt. Es liegt an dem Menschenstrom. An diesem Fluß aus anonymer Masse, der sich plärrend durch die werbewirksam eingerichten Einrichtungsbeispiele drückt und schiebt, der sich überall draufsetzt, überall anfasst, überall unvermittelt stehenbleibt und im Weg steht. Und der einem dann schlußendlich in der “Markthalle” zum Nachtisch den Einkaufswagen in die Haxen rammt. Und es liegt an der Tatsache, daß man letztlich auch nur ein Teil dieses Stromes ist, sich letztlich nicht anders verhält, als die zähe Masse Existenz, die einen durch die Gedärme des ach so beliebten Zimmerausstatters drückt. Hassliebe, sag ich - spätestens, wenn zu Hause mal wieder eine Schraube fehlt. In meinen Kopf.
(Randnotiz: Mich im Dortmunder Ikea dabei ertappt, die ganze Zeit zu vermuten, ob Frau Schubiak da ist, und wer sie denn sein könnte. Festgestellt, daß eigentlich jeder Frau Schubiak sein könnte. Mich auch gefragt, ob man vielleicht einfach mal laut “Arsch” rufen sollte, und ob sich dann Frau Schubiak nebst ihrem Arsch umdrehen. Doch nicht genug Mut gehabt, das auszuprobieren…)


9. November 2004 um 17:38
Unterschreib
Ich füge noch an, dass man den Laden an sich auch noch beginnt zu hassen, wenn man 500 Meter von ihm entfernt wohnt, denn nicht nur die Menschen im Laden selber bilden einen Strom, auch die Anfahrt, bzw. in meinem Fall die Vorbeifahrt hat sehr viel davon.
Als ich noch frühzeitig Feierabend machte, konnte ich regelmäßig beobachten, wie die Menschen drauf sind, die dort regelmäßig konsumieren und zwar immer dann, wenn man mit ihnen an der letzten Ampel vorher stand. Ständig hatte jemand das bedürfnis, an der Ampel schneller zu sein, denn ich könnte ja vor ihm Das Parkareal befahren.
Na ja, ich denke mal, ich sollte allen IKEA-Kunden eine gute Besserung wünschen.
9. November 2004 um 22:20
Samstags zu IKEA? Dachte, es hätte sich herumgesprochen, das man davon besser abläßt, wenn einem an der Unversehrtheit von Leib und Leben gelegen ist.
Naja, Sie haben’s überlebt, jetzt gibt es die gelb-blaue Ehrenmedaille. Kriegseinkäufer. Für das Modell am Bande müssen sie aber noch mal an einem Adventssamstag hin. Da gehts dann zu, … ohne Rücksicht auf die 10 Gebote und die Genfer Konventionen!