Auf und ab und hin und rückblickend.
Dieses völlig undifferenzierte Gefühl von Neid überfällt mich jedes Mal, wenn ich die Räumlichkeiten hier verlasse, um meine Lungen mit Frischluft und Nikotin zu füllen. Der Garten der Agentur, viel mehr das, was der Winter von ihm übrig gelassen hat, lässt über einen kleinen Fluß hinweg tief in die Schulhofebene des angrenzenden Gymnasiums blicken. Und während ich inhaliere, erinnere ich mich; ich denke an die frühen Morgenstunden zurück, in denen mich der blanke Horror packte, weil ich meine Hausaufgaben nicht gemacht hatte. An den Terror, der von unserer Lateinlehrerin ausging, wenn man den Genitiv-Plural von turris nicht wusste (I- mit U-Deklination verwechselt = 6, setzen!). An das lautstarke Organ der Chemielehrerin Matzchka, die mit Vorliebe “Jungä, knall nischt!” schrie, wenn jemand von den Strebern mit den Fingern schnippste, um schneller zum Zuge zu kommen - und in einer ähnlichen Lautstärke auch mal ein markerschütterndes “Ich klatsch Disch an den Wand” von sich gab, wenn man wie Eingangs erwähnt, die Hausaufgaben nicht gemacht hatte. Es war Terror.
Ich hasste jene Zeiten, als ich noch Teil ihres Verlaufs war. Aber jetzt, wo ich Dekaden später hier auf der anderen Seite stehe und rauche, um wenigstens 5 Minuten vom Alltag fern zu bleiben, bin ich neidische. Weil ich denke: Damals, da war das Leben noch einfach. So schwer es einem auch vorkam.
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Natürlich kann man sich ärgern, wenn man nach 7 Jahren Grafikarbeit in ein und demselben Agenturgefüge immer noch nicht ernst genommen wird, schlußendlich aber dann doch (mal wieder) Recht hatte. Man kann sich auch darüber grämen, daß die Grenzen zwischen Freundschaft und Arbeit mittlerweile so schwindend geworden sind, daß eigentlich beides in den sozialen Routinen keinen Spaß mehr macht. Man kann sich dann fest entschlossen beruhigen. Hiermit zum Beispiel.
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Der heutige Blick in den Lokalteil meiner bevorzugten Tageszeitung entpuppte sich mal wieder als Lachnummer. Da stand doch tatsächlich was davon, daß das erste Adventswochenende in den Augen des Einkaufszentrumbesitzers dieser Stadt nicht an seine Erwartungen herangereicht hätte. “Der Ansturm ist ausgeblieben!”, sagt er. Wenn ich mich recht entsinne, habe ich genau an jenem Samstag mit meiner geliebten Frau E. fast eine Stunde nach einem Parkplatz gesucht, mich durch elede Menschenmassen gequält, um einen Adventskalender umzutauschen und auch sonst noch nie so viele Menschen in den genormten Kommerztempelhallen gesehen. Aber klar, wenn man dann auf Umsätze blickt, und nicht auf den fast schon gesundheitsgefährdenden Andrang, dann sieht das wohl nach wenig aus. Allerdings frage ich mich: Wenn diese Horden von einkaufswütigen Vorortbarbaren nicht zum Einkaufen in die Innenstadt gekommen sind, was genau haben sie dann dort gemacht?
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Monophobie: Spät Sonntag Nachts eine von meiner Seite aus recht müde geführte Diskussion zum Thema Monogamie geführt. Müde. Man kann dran glauben, daß es sowas wie Monogamie in langen Beziehungen gibt. Aber in einer zeit, wo Beziehungen nicht länger halten, als ein Liter fettarme Milch im Tetrapack, fällt es auch zunehmend schwerer. Dennoch denke ich, wenn man jemanden sehr liebt, sich dann aber abrupt in einer “neuverliebt”-Situation befindet, ist das wohl ein Grund, abzuwägen, was wichtiger ist: Die gute, langjährige Beziehung aufs Spiel setzen, oder das kurze Auflodern am Nebenschauplatz ausloten.
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Termin vergessen, Termin verschoben. Heute steht wichtigeres an, als sich in 2 Nächten den Kopf über einen Albumpremix zu zerbrechen. Und mit wichtig meine ich nicht die Sat1-Sensation mit Benno-Siechfried und dem Computer-Drachen, mit der mir seit Tagen schon das Fernsehprogramm vermiest wird, sondern einen Höhlenwechsel, der jetzt finanziell bedingt leider ansteht. Und auch sonst: Wenn ich derzeit auf meinen Kontostand blicke, komme ich nicht umhin, noch mal zu betonen: Selbstständigkeit macht sowas von Arm. Da trösten auch die Schuldenstatistiken in der Tageszeitung nicht. Es ist und bleibt ein Scheißgefühl, wenn man sich nichtmal mehr H&M leisten kann…
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Auch extrem: Die Sichtweisen auf Abende. Ja, wir haben am Freitag auf einem 50. Geburtstag gespielt. Ja, es waren nur ganz alte Menschen da. Ja, sogar den Holzmichl als Zugabe wurde gegeben. Ja, sie haben zu Elektropunkpop geklatscht, im Rhythmus, ganz Karl Moik like. Nein, ich fand den Abend dennoch nicht schlimm. Im Gegenteil: Ich hab mich drüber gefreut, daß dieser Generationen-Clash den zu clashenden Generationen so eine Freude bereitet hat. Und ja, ich würde sowas noch mal tun.
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Randnotiz: Nicht nur im völligen Montags-Wahn das Handy zu Hause liegen gelassen. Nein, sich dann auch noch auf dem Weg zum Zahnarzt darüber gewundert, daß die Zähne sich so ungewohnt rau anfühlen. Dann bemerkt, daß ich glatt das Zähneputzen vergessen habe. Gedacht: “Sein Problem, nicht meins!” Autsch.


30. November 2004 um 16:25
Hat euch die coole Nichte des Geburtstagskindes gebucht oder wie kommt diese Kombi zustande?
30. November 2004 um 17:45
Nein, der Sohnemann des Geburtstagskindes spielt Bass. Bei uns.
30. November 2004 um 22:14
wenn sie authentisch, unverbogen bleiben wollen, können sie sich nicht darauf verlassen, dass man sie ernst nimmt. sichergehen würden sie eher, wenn sie angepasst, stereotyp (auch für bestimmte subkulturen) sind und primitive autoritätsheischende impulse aussenden, in der hoffnung, dass die anderen neandertaler sich auf dieses reiz-reaktions-schema einlassen. ja doch. damit hat man ganz gute chancen.
oder man macht sein ding, ehrlich, menschlich, interessiert. und dann ist das so eine glückssache mit der anerkennung.
naja, ich red so zeugs daher - nehmses einfach nicht ernst.
30. November 2004 um 23:38
oder man macht sein ding, ehrlich, menschlich, interessiert. und dann ist das so eine glückssache mit der anerkennung. ==> sehr treffend formuliert
1. Dezember 2004 um 00:43
Was ich Ihnen ja echt empfehlen würde mal zu lesen:
“Fleisch ist mein Gemüse” Heinz Strunck.
Ist erst erschienen und handelt von einem der in einer Band spielt und sein Geld mit solchen Auftritten verdient. Etwas melancholisch, aber sehr geiles Buch.
1. Dezember 2004 um 10:44
Die Grenzen zwischen Freundschaft und Arbeit müssen Grenzen bleiben. Ich bin bereits mehrmals damit auf die Nase gefallen, weil wir ja alle so gute Kumpels sind, ne? Sind wir nicht. Wirklich nicht. Seitdem ich nicht mehr mit Freunden arbeite bzw. meine Kollegen (und vor allem meine Chefs) nicht zu meinen Freunden mache, lebe ich eindeutig stressfreier.
1. Dezember 2004 um 11:31
Herr Teil. Ne, nehm ich sehr ernst, wennse mir jetzt noch erläutern, auf welchen Passus das bezogen war…
Anke, genau da hab ich im Moment mein größtest Problem. Die Loyalität, die aus persönlichen gefügen heraus entstanden ist, treibt mich in den wirtschaftlichen Ruin. Ich muß mich wirklich abbeissen, um wieder auf die Beine zu kommen, und das geht auf keinen Fall in den alten Gefügen.
Catch, hab schon Ausschnitte aus den Lesungen vom Strunck gehört und wollte mir das auf jeden Fall zulegen.