Ein Großteil meines Haupthaares ergraute 2004. Vorwiegend kurz vor dem Einschlafen.

Oder: So war 2004.

Letztes Jahr, im alten Domizil: Ich erinnere mich daran, das Jahr 2003 ordentlich verflucht zu haben. Ich erinnere mich daran, mir fest gewünscht zu haben, daß 2004 besser würde. Zu weiten Teilen wurde es das auch, aber mit großen, bissigen, selbstverursachten Einschränkungen. Die jetzt dazu führen, daß ich 2004 wohlwollend verabschiede, und mich unter den gegenwärtigen Umständen nicht unbedingt auf 2005 freue. Aber dennoch hoffe, daß alles ein wenig besser wird.

2004 war für mich das Jahr der Berg- und Talfahrten. Alles wurde gut, alles wurde schlecht, und immer gab es am Schluß kleine Lichtblicke, die die Hoffnung nicht sterben liessen. Ob Liebe, Leben, Musik, Job oder sogar Blog - immer ging es schnurstracks nach oben, um just im glücklichsten Moment wieder ganz nach unten zu kippen. Nicht gerade angenehm, ziemlich stressig sogar. In vielen Fällen vermeidbarer Stress, wäre ich verantwortungsbewusster, erwachsener, ehrlicher zu mir und anderen und meiner Liebe gewesen.

Aber das lässt sich jetzt in der Nachbetrachtung nicht mehr ändern. Ich muß dazu stehen. Ich muß 2004 als das Jahr akzeptieren, in welchem ich mich von Tag zu Tag vor mir selbst versteckte, in welchem ich viel schlechtes und nur wenig gutes erreicht habe, in dem ich mich selbst irgendwo im Alltag verloren habe, in dem ich meine große Liebe mit Füßen getreten habe, in dem ich schlichtweg vergessen habe, daß ich ich bin, und nicht nur irgend so ein dahergelaufener Fuzzi mit nix als im Kopp.

Und in dieser Selbstreflektion wird mir auch bewusst, warum 2004 für mich so schnell verging: Wenn man die meisten Tage damit verbringt, sie irgendwie rumzukriegen, wenn man sich dann letztlich nur noch auf die Wochenenden konzentriert, dann kann von 365 Tagen nicht mehr so viel übrig bleiben, ausser vielleicht 52 Wochenenden mit ein paar wunderschönen Momenten.

Die schönen Momente sind glücklicherweise noch da. Sie kommen immer dann, wenn ich die Augen schliesse, mich an Ereignissen und bestimmten Gegenständen festhalte, sie einatme, und dann da bin, wo ich gerne sein möchte - unter anderen Vorraussetzungen. Aber ich muß im neuen Jahr eine ganze Menge dafür tun, damit dieses Gefühl sich nicht nur auf den Moment des Augenschliessens nebst schnuppern und woanders sein beschränkt.

Ein Anfang ist auch diese kleine Reflektion, die ich hier eigentlich nicht bloggen wollte. Es aber dennoch tue, quasi als Gedanken-Post-It, quasi als Ermahnung, 2005 als Herr Shhhh zu dem zu stehen, was ich bin. Und mich unter bestimmten Umständen von dem zu verabschieden, was ich oftmals aus Angst vorgebe zu sein.

Ich habe 2004 bestimmten, mir sehr wichtigen Menschen sehr weh getan. Oft. Und auch an dieser Stelle möchte ich noch mal sagen, daß mir das sehr, sehr leid tut, und das ich alles darum geben würde, einen Rückspulknopf zu betätigen, um vieles anders zu machen, vieles ungeschehen zu machen, und bestimmten Menschen das Vertrauen zu schenken, daß sie verdient hatten, aber nicht bekamen. Aber das geht leider nicht so einfach.

Jürgen von der Lippe hat kürzlich im Fernsehen erzählt, daß er als kleiner Junge 14 Tage lang zu Gott gebetet hätte, weil er unbedingt ein Fahrrad haben wollte. Nach 14 Tagen hätte er es aufgegeben, weil das mit dem Beten nicht funktionierte, und einfach eines geklaut. Und dann 14 Tage dafür um Vergebung gebetet. Was wiederum wunderbar funktioniert hat. Ich kann mir das im Moment leider nicht so leicht machen, denn ich bete nicht erst seit 14 Tagen um Vergebung, und genauso wenig bete ich nicht erst seit 14 Tagen darum, daß bestimmte Dinge, die ich selbst zetrümmert habe, wieder strahlend dastehen. Womit sich auch meine These bestätigt, daß man meistens erst dann mit dem Beten anfängt, wenn es wirklich düster aussieht. Aber auch da begegne ich wieder einem meiner typischen, kardinalen Denk- und Lebensfehler: Auch wenn’s düster aussieht, heißt es noch lange nicht, daß es einfach so wieder besser wird. Man muß was dafür tun. Ich muß was dafür tun. Dafür ist 2005 erfunden worden. Glaube ich zumindest. Und Jürgen von der Lippe kann mich mal kreuzweise. Wen interessieren schon Kinderfahrräder?!?

Ja, wie in der Headline angemerkt, die grauen Haare haben sich vermehrt. Sie werden auch 2005 nicht weniger. Aber heute hatte ich für einen kurzen Moment das Gefühl, das (Er)grauen verlangsamt zu haben. Und ich hoffe, daß mir das 2005 noch ein paar mal öfter gelingt. Das vieles (an und in mir) besser wird. Das Frau E. ihre Diplomarbeit packt. Das ich Sylvester 2005 nicht so viel Nachdenken muß. Und das mir in den kommenden 365 Tagen nicht die Luft ausgeht.

Apropos Luft: Es ist unmöglich, durch Luftanhalten Selbstmord zu begehen.

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Damit’s nicht all zu trist ist >>
Blogger listen gerne Listen:

2004 für mich…

Beste Platte: Ted Leo - Shake The Sheets
Flop: Klee
Bester Song: Angelika Express “Zeit zu gehn”
Flop: Klee
Bester Film: Dawn of the Dead / Lost in Translation (immer wieder)
Flop: Elephant (nach 15 Min. eingepennt)
Bestes Konzert: Von Spar / Les Mercredis auf’m Geburtstag
Flop: Klee
(Ungewöhnlichstes Konzert: Simon & Garfunkel)
Bestes Buch: Astrid Vilts “Du und viele von Deinen Freunden” / Blogs!
Flop: Stuckrad-Barre “Remix 2″
Bestes Essen: Tortilla von E.
Flop: Muscheln aus’m Penny (I survived)
Bestes Blog: it&w
Flop: Frau Schubiak / Nothing, beide weg.
Schönster Moment: Heiligabend
Flop: N8schicht im Regen

Und am Rande…
Google-Suchanfragen Top Ten in der Freakshow 2004:
1. Lukas Hilbert
2. Freakshow
3. Heinz Strunck
4. Uwe Fahrenkrog
5. Fuegner
6. chikinki
7. bloggender Penis
8. arsch blog
9. Willst Du ein Bier? Nein. Etwas Äther? Was?
10. fugger blog waldar

Ausser Konkurrenz im Ranking:

- mein erster feuchter traum
- Fgner Penis
- Alfred der Sammler aus Schopfloch
- sarah kuttner nass
- ich hasse lukas
- what is Menscheit
- lumma+pornostar
- bescheuert OR idiot “lukas hilbert”
- schulmädchenuniform
- Lukas Hilbert scheiße
- schweiss im bauchnabel
- elektronischer klodeckel

So long, einen guten Rutsch, und ein gesundes erfolgreiches, hoffnungsvolles 2005 wünscht…

Herr Shhhh.


 
 
 

5 Kommentare zu “Ein Großteil meines Haupthaares ergraute 2004. Vorwiegend kurz vor dem Einschlafen.”

  1. eria
    30. Dezember 2004 um 23:39

    aber herr shhh, nothing ist doch schon wieder on air…

  2. Herr Shhhh
    31. Dezember 2004 um 09:42

    Huch.

    Naja, aber es war ärgerlich, als es weg war.

  3. eria
    31. Dezember 2004 um 09:45

    wo sie recht haben….
    ebenfalls einen guten rutsch und alles… eh schon wissen.

  4. waldar
    31. Dezember 2004 um 16:37

    ich wünsche ihnen und ihren liebsten ein gesegnetes fest und einen erfreulichen start 2005. hochachtungsvoll
    waldar ;-)

  5. Herr Shhhh
    1. Januar 2005 um 13:51

    Herr Waldar, das wünsche ich Ihnen auch. Auf das wir 2005 endlich mal ein Bier kippen.

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