Nur noch einen ganz kleinen zum Thema Klingelton

So sehen Marketingideen aus, die eine neue Ära einleiten. Hier am Beispiel Sweetie: In den nächsten Monaten werden uns noch etliche andere verfickte kleine Mistviecher mit nervtötenden Songs die Klingeltöne um die Ohren hauen, und es ist nur noch eine Frage von Tagen, bis Sweetie in den Charts auftaucht. Danke, liebe Medien!
und Musik, dann reicht’s aber auch für diese Woche: Gestern Nacht, zwischen lähmenden Holocausterzählungen im Qualitätsfernsehen, der viel zu langen Branagh-Hamlet-Fassung und dem längst verdrängten Schund der Privaten dann Slut aufgeschnappt. Die Ingoldstädter Krachmacher, die sich ja eigentlich auflösen, anscheinend aber trotzdem noch für Bayern in Raabs Bundesvision-Song-Contest antreten. Schön und gut, denkt man da, Slut, auch noch live bei Pro 7, das gönne ich den Jungs von ganzem Herzen, auch wenn ich erwartet hätte, daß sie einen Auftritt beim Jacketkronenclown ablehnen würden. Und auch wenn sie eigentlich nie so richtig mein Fall gewesen sind, machen Slut dennoch verdammt gute Musik. Das muss man ihnen lassen. Zum ersten Mal rockt jemand bei Raab.

Und dann, urplötzlich, in einer kurzen Sekunden, die ich damit verbrachte, einen Bauchnabelflusen näher zu untersuchen, während die Herren Slut immer noch rockten und rotzten, blendete der TV-Total-Praktikant das ein, was ich im Leben nicht erwartet hätte: BESTELLE DEN AKTUELLEN SLUT-HIT “WHY POURQOIS” ALS KLINGELTON AUF DEIN HANDY! Schrecksekunde! Der Bauchnabelflusen schwob sanft zu Boden, ich begann leise vor mich hin zu sabbern, und war vermutlich den Rest der Nacht paralysiert.

Ich nehme es Slut nicht übel. Wäre ich einer von diesen Indie-Polizisten, müsste ich jetzt rummeckern, irgendwas mit “Sellout!” schreien, und alle meine Slut-Vinyls als Brotmesser benutzen. Da ich jedoch keine einzige Langspielplatte der Band Slut besitze, und mich auch nicht berufen fühle, die geschmacklich korrekt orienitierte Exekutive zu spielen, rege ich mich eher über die Industrie auf, die auf solche Ideen kommt. Kein Vorwurf an Slut: Denn ganz ehrlich gesprochen, würde ich den Zerbel mit Raab-Live-Auftritt und Klingelton auch mitmachen, solange denn wirklich “live” gespielt werden dürfte, und ich mich garantiert in meinem musikalischen Kontext frei und ohne Einschränkungen bewegen könnte. Ich weiß nicht, ob das meine Bandkollegen ähnlich sehen, aber ich denke schon.

Traurig und schlimm ist eben nur, daß sogar im Falle Slut, die jetzt dank Raab vielleicht einen kleinen Durchbruch verbuchen könnten, eher ein Klingelton als ein physikalischer Tonträger beworben wird. Daß es wahrscheinlich sogar Menschen gibt, die sich den Klingelton gezogen haben. Daß der Klingelton wohl mittlerweile zum vermeintlich guten Ton gehört, wenn man denn die breiten Massen erreichen will. Und daß er im Falle Slut seit gestern wahrscheinlich erfolgreicher sein wird, als die aktuelle MCD. (Ach, was war eigentlich noch mal eine MCD!?!)

So sehr ich Herrn Briegmann und die Universal gestern noch verflucht habe: Heute empfinde ich Abscheu gegenüber denjenigen, die ihm die Millionen Euro mit dem Download von Klingeltönen eingebrockt haben. Denjenigen, die Jamba mit jedem Anruf das Geld in den gelbgefiederten Rachen werfen. Tötet Sweetie! Kinder, auch ihr macht die Musik kaputt!


 
 
 

22 Kommentare zu “Nur noch einen ganz kleinen zum Thema Klingelton”

  1. MC Winkel
    25. Januar 2005 um 11:01

    … ich dachte immer, ich wüsste, wie die Welt so geht. Aber mit dieser Klingelton Massenhysterie hätte ich niemals gerechnet. Ich kann einfach nicht glauben, dass das Gros so dämlich ist! Ich habe den “Nokia Tune”-Klingelton eingestellt und zwinge hiermit jeden, den Standard-Klingelton seines Handy´s zu nutzen. Ansonsten gibt´s Jambaschelle!

  2. Herr Shhhh
    25. Januar 2005 um 11:08

    2004 waren’s 183 Millionen Euro Umsatz mit Klingeltönen in Deutschland. Wenn man sich mal den Preis pro Klingelton vor Augen führt, hat man eine konkrete Vorstellung, wie viel das ist…

  3. Clavain
    25. Januar 2005 um 13:44

    Noch ist es nicht wirklich schlimm mit den Klingeltönen, erst wenn am Anfang der Tagesschau eingeblendet wird: “Bestelle dir jetzt die aktuelle Tageschautitelmusik als Klingelton auf dein Handy”, erst dann ist es wirklich schlimm!

  4. ker0zene
    25. Januar 2005 um 15:50

    Sweetie und das Telefonkabel:
    Lethal ringtones.

  5. herr matena
    25. Januar 2005 um 15:59

    http://votenow.cell5.com/

  6. krowsnest.twoday.net
    25. Januar 2005 um 16:17

    Sweetie

    Es gibt eine Kreatur, die mich zutiefst beunruhigt. Und das obwohl ich ihr noch nie begegnet bin. Ich hab’ sie ein paar Mal im Fernsehen gesehen. Sie sind irgendein ziemlich beklopptes Lied und bewegt sich dabei wie ein tollpatschiges K

  7. tobo
    25. Januar 2005 um 16:53

    zu dem ganzen klingelton-irrsinn kommt noch hinzu, dass die eben nicht mal live gespielt haben, sondern einzig der sänger live drübergelegt wurde, was erkennbar an diesen trommelfellauflagendingens und ganz deutlich beim kinderchor wurde. doppelt schade, das.

  8. tobo
    25. Januar 2005 um 17:00

    zu dem ganzen klingelton-irrsinn kommt noch hinzu, dass die eben nicht mal live gespielt haben, sondern einzig der sänger live drübergelegt wurde, was erkennbar an diesen trommelfellauflagendingens und ganz deutlich beim kinderchor wurde. doppelt schade, das.

  9. Herr Shhhh
    25. Januar 2005 um 17:20

    Ne, die haben schon live gespielt, das Trommelauflegedingens ist nur zum Abdämpfen der Snare geacht, damit die klanglich nicht so weit vorne ist - das macht man auch bei manchen Konzerten so. Es war aber scheiße abgemischt, man hat gemerkt, daß der Typ am Mischpult Slut nicht kannte, und deshalb den Gesang ganz unangenehm weit nach vorne geholt hat.

  10. herr waldar
    25. Januar 2005 um 19:19

    lustig war ja noch, dass ich mich samstag noch mit wem über den klee-auftritt unterhalten hab, über absprachen mit raab und gleichzeitiges reinlocken ins fettnäpfchen (”wir sind die guten” –> schon verloren), spekulationen über profitable radioverträge und die bedeutung von tvtotal auf die amazon-verkaufscharts.

    förderlich ist der mann irgendwo, aber der zweck heiligt nicht immer die mittel… irgendwie muss man als popmensch mitmachen. aber hier leben…

  11. Herr Shhhh
    25. Januar 2005 um 19:46

    Nein, Danke.

    Ich hab’s aber gerade eben noch mal mit Frau E. erörtert, wegen der Klingeltöne. Respektive auch noch mal in ein altes Plattenfirmen-Vetragswerk reingeguckt, daß bei mir als Mahnmal abgeheftet ist: Gegen Klingeltöne kann man sich nicht wirklich wehren, wenn man einen ausgefuchsten Bandübernahmevetrag unterschieben hat. Dann wird man nicht mal gefragt, ob der Song als solcher verwertet werden darf. Ist zumindest meistens so.

    Was Klee und Raab und den Bundesnasencontest angeht: Ach, ist doch eigentlich auch mal nett, daß der Underground-Pop ins Privatfernsehen kommt. Sag ich ma so.

  12. herr waldar
    25. Januar 2005 um 20:22

    ich sag ja auch. die geschichte drumrum ist ja eher das lustige, weil klee ja echt nix mit dem saarland zu tun ham.
    und ich find die indies da ja auch gut, so isses auch nicht. muss man nur vorsichtig sein.

    and concerning the ringtones: ab april offizielle deutsche ringtone-top-20!

  13. Herr Shhhh
    25. Januar 2005 um 20:37

    Jep, und auch da wieder nur Schrott auf Platz 1. Haha…

  14. tobo
    26. Januar 2005 um 10:53

    na dann muss ich mich bei slut entschuldigen. bin schon ne weile live unterwegs, aber diese snareauflage ist mir bei konzerten noch nie untergekommen, nur unter die augen bei “live”-shows im tv. egal, schlimmer sound war’s trotzdem.

  15. Herr Shhhh
    26. Januar 2005 um 10:57

    Bei unserm letzten Gig mit Mon(tag hab ich das noch mal gesehen. Da hat der Drummer aber ein Frottee-Handtuch benutzt…

  16. ker0zene
    26. Januar 2005 um 11:17

    Es war mal ein kleiner dicker gelber Vogel, der war ein wenig anders als seine Geschwister. Sicher, ganz toll singen konnte der kleine gelbe Vogel, sogar verschiedene Sprachen beherrschte er. Nokianisch zum Beispiel, und auch siemensisch und einige motorolianische Dialekte. Trotz seines sprachlichen Talents, zuletzt versuchte er sich sogar an mehrstimmigen Gezwitscher mit Kopf und Bruststimme, »Poly« nannte er das,…

  17. 3.14a weblog
    27. Januar 2005 um 00:17

    Küken Blues..

    Nach dem es uns pausenlos die Ohren vollgedudelt hat und auf einen längst verpufften “jö”-Effekt hofft, erhebt sich ein Protestschrei unter den Gequälten. Somit ist es Zeit das kleine U…

  18. er3z0r
    30. Januar 2005 um 23:07

    Sweetie nervt.
    …und zwar ziemlich.

    http://mambaprojects.blogspot.com/

  19. Sven
    31. Januar 2005 um 13:44

    Esst Sweetie!

  20. Marcel
    1. Februar 2005 um 19:36

    Ich hasse alle Sweetie Logos, Klingewltöne oder sonstigen Kaggsachen

  21. Patrick
    2. Februar 2005 um 21:07

    Hi

    ICH BIN DAFÜR !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! TÖTET SWEETY !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    der …. vogel soll verecken der geht mir auf den geist bitte lustige bilder übers swettys tot an lord_patrick@web.de DANKE

  22. Graf Zahl
    4. Februar 2005 um 17:21

    Hurra, der Holzmichl ist tot…
    Wann stirbt Sweety? Wenn Jamba ein neues, hirntötendes Tier auf die Handy-User loslässt… die Walzer-Wanze, der rollige Strassenköter, die quengelige Qualle oder die fiepsende Filzlaus…?
    Egal, ich hab ein Mobile, womit man direkt aufnehmen kann, den eigenen Pups, Rülpser, sterbende Wellensittiche oder seinen Lieblingssong/-spruch…
    Hier noch eine site mit kleinen Sweety-Verarschungen:
    http://freetv.grenzwert.co.uk/
    Viel Spaß damit und lasst Euch nicht nerven!

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