Monatsarchiv für Februar 2005

 
 

Blog Party.

Das Leben birgt hohe Frustrationspotentiale. Zum Beispiel wenn man Samstag noch ein grauenhaft gutes Party-Debüt erlebt, und kaum 24 Stunden später wieder mit Heftigkeit in die eigene Welt zurückkatapultiert wird. Oder so ähnlich. Aber man kommt dennoch oder gerade deshalb zu dem Schluß, daß es mit Sicherheit keine Kriege mehr geben würde, wenn alles so gut wäre wie die FUTURA BOLD 1.0 im Spreeblick . Ach quatsch, wenn alles so wäre wie Spreeblick !

Und ich behaupte das, obwohl eigentlich alle Faktoren unseres Wochenendes gegen einen guten Verlauf der ganzen Veranstaltung sprachen. Und ich rede hier nicht von der latenten Käsespätzle-Vergiftung, die ich mir in Lehmanns Markthalle zugezogen habe. Überhaupt, mit Ende 29 in Lehmanns Markthalle sitzen, da muß man ja depressiv werden…

Nein, es war vielmehr der mangelnde Schlaf gepaart mit den Strapazen der vorangegangenen Tage, die uns ein wenig unsicher machten. Und wenn man dann Freitags um 1 Uhr Nachts die letzte Probe hinter sich gebracht hat, noch ein paar Biere trinkt, vom Herrn Bassisten noch zu hören bekommt, daß man doch ein wenig früher aufstehen solle, um ja pünktlich in Berlin zu sein, dann um 7 Uhr aufsteht, irgendwann am Proberaum ankommt, und alles vor findet, ausser einem Bassisten, dann hat man irgendwie keinen Bock mehr. Vor allem, wenn Herr Bassist noch seelig schlummernd im Bettchen liegt. Vor allem, wenn Herr Bassist auch eine Stunde nach dem ersten Ermahn- und Weckanruf immer noch seelig schlummernd im Bettchen liegt.

Aber egal, wir sind ja doch vom Fleck weggekommen, und mit 3 Flaschen Energiedrink aus dem Lidl, (der übrigens 10mg mehr Koffein enthält, als die Clubmate im Hause Spreeblick!) hält man auch 5 anstrengende Stunden Autobahn locker durch. Zum Beispiel mit Diskussionen über das Verhalten einer Taschenlampe bei Lichtgeschwindigkeit.

Das Eintreffen in Berlin entpuppte sich als weiterer Beleg dafür, daß unsereins den Orientierungssinn einer besoffenen Nacktschnecke besitzt. Zumindest meint man das, wenn man aus der Provinz kommend den Eindruck hat, die Fahrt durch Berlin Richtung Kreuzberg dauere länger als die Autobahnfahrt. Aber irgendwie kamen wir dann doch noch an, wurden von Johnny und Tanja Spreeblick aufs herzlichste begrüsst - und dann war auch schon Soundcheck.

Nach dem Soundcheck ab in die Markthalle. Lecker Essen essen. Tanja Spreeblick suchte unter Fragmenten von roter Beete Matjes-Partikel, wo keine waren. Johnny amüsierte sich bei Gesprächen über unflätige Briten mit gebackener Weißwurst, Herr Bassist verdrückte mit stoischer Ruhe lappenweise Schnitzel, Herr Sportraucher einen Salat und ich besagte Käsespätzle, von denen man wesentlich länger und mehr hat, als man glaubt. Vor allem, wenn man die Tage vorher wesentlich weniger gegessen hat, als man glaubt.

Ab da ging alles irgendwie rasend schnell. Ganz Blog’n'Roll-like hatten uns Spreeblicks eine nette Pension direkt gegenüber des Veranstaltungsortes zur Verfügung gestellt, die wir dann auch umgehend aufsuchten, um die üblichen Dinge zu verrichten, die Boybands nunmal so verrichten, wenn sie einen Auftritt haben. TV an, Spochtschau gucken. Danach Dusche, Rückenepilation, noch mal die überlangen Augenbrauen auszupfen, Gel in die Haare, Bühnenklamotten an, Duftwasser und Deo drauf, und ab dafür ins superschnuckelige Spreeblick-Headoffice.

Erste Nervosität stellt sich ein, die kann man auch nur mit Zigarettenrauch besänftigen, und das wiederum ist die Krux an Kreuzberg: Alle 10 Meter ein Kaugummiautomat, aber auf kilometerlangen Wegen nicht ein einziger Zigarettenautomat. Sicher, man ahnt, warum das wohl so ist, aber dennoch kommt einem das befremdlich vor. Zum Glück gibt’s aber in Berlin noch sowas wie eine Kiosk-Kultur, und dementsprechend dann doch noch Zigaretten. Zwar beim übervorsichtigen Inder, der mich vor abgeschlossener Kiosktüre bediente, aber immerhin besser als gar kein Tabak, und immerhin auch besser als beispielsweise die Kiosk-Kultur in Köln. Denn Köln ist gay. Oder so.

Wieder zurück, den hypnotisierenden Fischfilmen folgend, die Johnny im Nebenraum an die Wand beamt, und dann kurz vorm Auftritt noch mal Chaos fabrizieren. Die Käsespätzle melden sich bei mir wieder an, unhöflich und bestimmt, und ich verabschiede mich noch mal Richtung Pension mit den Worten “Ich geh kotzen!”. Was natürlich nur ein Spaß war, denn ich wollte einfach nicht die Spreeblick-Toilette wegen einer Käsespätzle-Vergiftung besetzen. Der Spaß kam jedoch nicht als solcher an, und löste während meiner Abwesenheit eine kleine Panik aus. So kam mir das zumindest vor, als ich knapp 20 Minuten später erleichtert wieder auftauchte, und mit besorgten Blicken empfangen wurde.

Und kurze Zeit später ging’s dann irgendwie los. Ich weiß nicht mehr so genau wie, denn man verschliesst sich relativ schnell in einer Art Performance-Schüchternheits-Blase, wenn man so lange nicht mehr live gespielt hat, und dann auch noch ohne Mischpultmann vor wildfremden, sehr coolen und schicken Menschen aus Berlin auftritt. Die weder uns noch unsere Songs kennen.

Aber vielleicht ist das ja gerade die Einstellung, mit der wir die spreeblickschen Hörfrösche dann doch gekriegt haben. Ich weiß nicht, wann und wo der Knoten geplatzt ist, aber als ich beim zweiten oder dritten Song das erste Mal den Mut hatte, ins Publikum zu blicken, sah ich grinsende Gesichter, große Augen, wippende Füße und vereinzelte Versuche, das völlig unbekannte Songmaterial mitzusingen. Und das war bestimmt nicht leicht, denn wir haben’s mit den Texten zwischenzeitlich selbst nicht mehr so ganz auf die Reihe bekommen. Da war alles drin: Strophenvertauscher, Strophenvergesser, völlig neue Strophen. Aber egal, ausser uns hat das keiner gemerkt, und das ist ja der große Vorteil, wenn man unbekannt ist. Der große Nachteil, wenn man unbekannt ist, ist ein Veranstaltungstechniker im Publikum, der dann ab dem zweiten Song immer mal wieder neben mir auftauchte, um irgendwas am Mischpult rumzufummeln, und mir zärtlich ins Ohr zu flüstern, daß die Synthies zu laut seien. Generell finde ich solche Äusserungen ja OK, aber bei einer Elektronik-Band muß man sowas auch in Kauf nehmen. Ich steh ja nicht zum Spaß da. However, ich weiß nicht, an welchen Knöpfen der Mann gedreht hat, aber es muß wohl OK gewesen sein, denn man konnte Herrn Sportraucher klar und deutlich singen hören, und das gelingt uns nur höchst selten.

Nach 45 Minuten waren wir mit unserem Set durch. Nach 45 Minuten war das Publikum jedoch noch nicht mit uns durch, und so gab’s dann neben liebenswerten Ansprachen von Johnny satte 3 Zugaben, mit denen wir nicht gerechnet hatten. Was bei denen schief gelaufen ist, will ich hier nicht auch noch anmerken, aber es war furios schief und kam anscheinend trotzdem an.

Herzliche Umarmungen, kurze Gespräche mit fremden Menschen, Abbau, Party. Sie hätte viel, viel, viel mehr Publikum verdient, die Spreeblick-Party, denn die Musik war übergut (Hallo? Add N To X, Throbbing Gristle, Elvis Costello, Ted Leo, etc. pp., wie geil ist das denn?!?), die Leute waren allesamt übernett, Herr Stackenblochen überdurchschnittlich bekloppt, und das gastgebende Paar überdurchschnittlich beneidenswert.

Ich bin auf 26 geschätzt worden, das weiß ich noch. Mehr weiß ich nicht. Um 5 war’s vorbei, das hab ich irgendwo gelesen. Ich bin mit den Worten “Wo ist mein Handy?” geweckt worden. Ich hab im Halbschlaf irgendwas mit “Keine Ahnung, aber kann ich Dir stattdessen ein Kreuzworträtsel lösen?” geantwortet. Ich hab die Spreeblickwand vollgeschmiert. Ich war erst bei Bielefeld wieder wach. Ich hab selten so nette und liebenswerte und fürsorgliche Gastgeber erlebt, und so ein cooles Konzert gegeben, und so viel Spaß auf einer mir wildfremden Party gehabt. Und ich bin leider wieder hier…

Es war mir eine Ehre!

p.s. Fotocontent bei Herrn Alphonso, der uns die Ehre gab.
p.p.s. Es wurde mitgeschnitten, Bootleg dann demnächst bei Spreeblick !

Herzallerliebstes Blog,

Es tut mir schrecklich leid, daß ich im Moment einfach nicht dazu komme, meine abstrusen, verqueren, monströsen, pervertierten, alkoholgeschwängerten, dementen, lähmenden Gedankengänge bei Dir abzuladen. Es passiert so schrecklich viel in mir und um mich herum, daß ich einfach nicht dazu komme.

Anfang der Woche hab ich der diplomierenden Frau Eriador beim Umzug geholfen, und das war verdammt anstrengend, weil Frau Eriador in ihrer alten Behausung, die nicht größer als ein Mauseloch ist, anscheinend den kompletten Hausrat des britischen Königshauses gehortet hat. Da ich ja Bürostuhlpupser bin, hat das eben auch ein Stückchen mehr Arbeit gemacht, und jetzt leide ich dementsprechend an einem Muskelkater deluxe.

Dann hat sich noch kurzfristig ergeben, daß meine lieben Bandkollegen und ich am Samstag beim Herrn Spreeblick zu Hause ein kleines Wohnzimmerkonzert geben, und da wir das letzte Mal vor ca. 20 Jahren live Krach gemacht haben, und ich dementsprechend noch keine neuen Songs vorbereitet habe, war die Woche zusätzlich noch mit Bandarbeit ud Bandarbeit und Bandarbeit gespickt.

Desweiteren werde ich in ein paar Monaten 30, und das macht mir dementsprechend zu schaffen, denn ich komme jetzt langsam in diese Phase, wo man auf die letzten 30 Jahre zurückblickt, und sich fragt, was man eigentlich erreicht hat. Und wenn man wie ich gerne zu Untertreibungen neigt, kommt man am Schluß eher auf deprimierende Feststellungen: Da war zwar viel, aber es hat alles nichts gebracht. Oder um es mit Bernd Begemann zu sagen: Ich hab nichts erreicht ausser Dir!

Und ich hätte damals nicht dieses eine salmonellenverseuchte Softeis essen sollen, da muß ich rückblickend immer wieder dran denken, obwohl das ja nichts mit Lebensleistung zu tun hat.

Ausserdem ist diese Woche in der Welt, die mich interessiert, nichts weltbewegendes passiert. Also nichts, worüber ich mich hätte aufregen können. Selbst die Attacken der Hilbert-Fans lassen nach, und das blockiert mich irgendwie.

Aber ich denke, ich werde Dich bald doch wieder häufiger aufsuchen. Montag zum Beispiel, wenn ich was über den Hausbesuch bei Spreeblicks zu erzählen habe. Oder Dienstag, wenn ich wieder nüchtern bin und Frau Eriador ihre jetzt schon hervorrangend aussehende Diplomarbeit abgegeben hat…

Hunter…

Fuck the clutter of the past and everyone in it.

Netzfanatismus.

Ja, ich geb’s ja zu, mein Nine Inch Nails-Fanatismus nimmt im Moment pervers manische Züge an. Ich kann mich jedoch immer wieder darauf berufen, daß diese unsägliche Vorfreude auf bestimmte Album-Releases vor 15 Jahren noch völlig normal war. Damals, als es noch kein Internetz gab. Da hat man tatsächlich eine fast schon weihnachtliche Vorfreude emfpunden, wenn man irgendwo las, daß eine bestimmte Schallplatte herauskommen wird. Und ja, ich hab als Teenanger bei manchen Veröffentlichungen einiger anderer Bands noch eine genaue Erinnerung daran, wie ich am Veröffentlichungstag um Punkt 9 Uhr vor der Eingangstür des lokalen Plattenhändlers stand, nur um schnellstmöglich und am besten als allerallerallererster das Objekt der Begierde zu ergattern. Das waren noch die Zeiten, als Musik einen Wert hatte.

Heute gibt’s das auch noch. Manchmal. Bei mir im Moment eben angesichts der bereits erwähnten Nine Inch Nails-Platte, die am 3. Mai in den Läden stehen wird. Damit geb ich mich zufrieden, da freue ich mich tierisch drauf, nicht ganz so extrem wie auf das erste Ted Leo-Konzert meines Lebens, aber fast genauso doll. Und dennoch gibt es gerade im Internetz Zeitgenossen, die mit ihrer Vorfreude fast schon einen Schritt zu weit gehen. Das ist mir gerade eben bewusst geworden, als ich in diversen NIN-Foren die Geschehnisse der gestrigen Nacht nachlesen durfte. Und Hilbert-Fans sind im Vergleich dazu fast schon brave, kleine, harmlose Pupsengelchen…

Was war geschehen? Die neue Nine Inch Nails-Single “The hand that feeds”, angeblich ein Anti-Bush-Song, soll ab 21.März in den Radios gespielt, und dann irgendwann im April als CD erhältlich sein. Bereits letzte Woche postete jemand in einem Forum, er wäre beim Videodreh dabei gewesen, hätte den Song gehört, und so wie es aussieht, würden sowohl Video als auch Song ein absoluter Knaller. Der anonyme Poster wartete mit zahlreichen Details auf, inklusive einem Scan eines Production-Sheets, auf dem diverse Namen und Fakten zu lesen waren, sowie einer ungenauen Transkription der Lyrics. Es handelte sich also nicht um einen Fake. Merkwürdigerweise verschwanden diese detailreichen Postings binnen weniger Stunden wieder aus dem Internet, kommentarlos, und so wie es aussah, hatte wohl irgendeine einflussreiche Person ein Problem mit diesem Informations-Loch. Wahrscheinlich wegen der Ungenauigkeit der Angaben - das ist jedoch nur Spekulation.

Kaum eine Woche später, also gestern Abend, meldete das Zentralorgan aller bekloppten NIN-Fans den Supergau: Irgendein kleiner Radiosender in Kentucky hätte angeblich die Single gespielt, in voller länge, und irgendein junges Mädchen aus diesem Bundeststaat hätte die ganze Sache auf Tape aufgezeichnet, jedoch keinerlei Schimmer, wie sie das Ergebnis in den Rechner bekommen sollte. Als Beweis dafür, daß das kein blöder Spaß sei, postete das Mädchen eine Transkription der Lyrics - die tatsächlich wesentlich genauer waren. Die Foren überschlugen sich angesichts der Meldung, einige brachen unter der Last zusammen, überall wurden Anleitungen reingestellt, wie man wohl am besten eine Tape-Aufzeichnung in den Rechner bekommen konnte. Es gelang ihr jedoch nicht.

Ein Großteil der amerikanischen Fans flippte daraufhin völlig aus, ergoß sich in Beschimpfungen, daß man im Redenck-Land wohl noch nie was von Computern gehört hätte, und daß es ja klar sei, daß ein Anti-Bush-Song jemanden in Kentucky überfordern würde. Auch das brachte jedoch nicht den gewünschten Effekt, und so bombardierte man plötzlich den Radiosender mit E-Mails und Anrufen. Die Jungs bei dem kleinen Sender müssen ziemlich blöd aus der Wäsche geguckt haben, als sie plötzlich Fans von der Ostküste und sogar aus Europa an der Strippe hatten. Und verwiesen clevererweise darauf, daß auch andere Sender in anderen Staaten “The hand that feeds” heute spielen würden. Tatsächlich sprangen diverse Stationen auf den Zug auf, und vertrösteten die quängelnde Fanmasse damit, daß man den Song in den nächsten Stunden spielen würde.

Das Grinsen, das die Radiomacher angesichts der für die paar Stunden ins unermessliche gestiegenen Hörerzahlen hatten, hätte ich zu gerne gesehen. Denn wie sich herausstellte, war (fast) alles nur Verarsche. So wie es aussah, hatte jemand beim Videodreh einen Mitschnitt des Songs gemacht, und diese Aufzeichnung tatsächlich ein paar Sender zukommen lassen. Tatsächlich lief in Kentucky dieser qualitativ minderwertige Mitschnitt auch über den Äther, doch kaum 5 Minuten später meldete sich jemand mit Einfluss beim Radiosender, und untersagte eine weitere Ausstrahlung - mit der Androhung rechtlicher Konsequenzen. Das verschwiegen die Radiomacher jedoch, und nutzten das Chaos im Netz zu ihren Gunsten aus. Über 10 Stunden lang, denn in dieser Zeitspanne lief auf diversen Sender der Hinweis, daß man NIN gleich spielen würde.

Die Aufklärung kam dann heute in den Mittagsstunden via einer NIN-Nachrichtenseiten. Und kaum lief das Hauptforum aller NIN-Fans wieder einwandfrei, wagte sich auch ein Trent Reznor höchstpersönlich in Messageboard, mit einem herzlichen “Fuck you!” an alle, die diese Massenhysterie ausgelöst hatten, und einer Niederschrift der echten Lyrics - nach dem Motto: Wenn schon, dann richtig!

Als ich den Verlauf heute Nachmittag las, musste ich herzlich lachen. Denn sicher, ich geb’s ja zu, ich bin auch so ein Bekloppter, ich hab ja hier sogar einen Countdown mitlaufen. Aber so bekloppt, daß ich mir 10 Stunden Radio antue und sogar das Internetz zum zusammenbrechen bringe dann doch wieder nicht. Und ich sag’s nochmal, damals, ohne Internetz, da hat es sowas nicht gegeben. Da war diese Spannung im Vorfeld irgendwie… entspannter.

Mein Kopf leckt!

Denn irgendwie haben sich in meinem mittlerweile vor Schlaflosigkeit nur so hinschnarchenden Hirn die popkulturellen Schandtaten der letzten 15 Jahre breit (…hier bitte irgendeinen einen hübschen Infinitiv einfügen, “gemacht” zum Beispiel, oder “gewurzelt”, oder “gewölbt”!). Nicht immer, aber im Moment. Nein, ich weiß, niemand wird mir erklären können, warum ich beispielsweise den gestrigen Abend damit verbrachte, die ganze Zeit irgendwas von den Venga-Boys vor mich hin zu trällern. Sehr zum Leidwesen meiner zwei hinreissend niedlich aussehenden Bandkollegen, die spätestens beim zwanzigsten “Up…. and down!” den Eindruck gehabt haben müssen, es sei jetzt endgültig vorbei in und mit meinem Kopf. Heute war’s auch nicht besser. Klar könnte ich jetzt lang und breit erklären, warum ich mich seit heute nur noch “MC Jammer” nenne, und dem werten Kollegen im Nebenbüro ständig “Stop… Jammertime!” um die Ohren trällellellere. Mach ich aber nicht. Hab ich keine Luft zu. Ja richtig, da steht Luft, nicht Lust!

Ist das beginnende Altersdemenz, oder einfach nur der Versuch, diesem momentan so abgefuckt abgewrackt auf mich dreinblickenden Lebensentwurf noch einen Rest an Charme entgegenzubringen? Oder “entgegen zu bringen” - man weiß ja heutzutage nicht mal mehr so genau, wie man sowas schreibt. Ich zumindest nicht.

Ich warte tatsächlich nur noch auf den Moment, wo alles eskaliert. Den Moment, wo ich entweder anfange als eine in einen schlumpgefiederten Schabrackenschiller gewandete Marika Röck-Parodie mit billigem Bordeaux in der Hand durch’s Leben zu torkeln, und deprimierende Karnevalslieder zu singen. Oder wie Michael Douglas in Falling Down vor einem Abbild eines Burgers zu stehen, der mein Leben hätte sein können. Und dann auf dieses andere, ranzige Ding zu blicken, das mein Leben ist. Und dann den einen Satz zu sagen: “Das ist nicht das Leben, das ich bestellt habe!” Und daraufhin Amok zu laufen. Haha, nicht witzig…

Up… and down! Was für eine Scheiße. Ich sag ja: Jammertime!

Hüpf Du Sau!

Am you? Drunk? Sure, not…I are?

Und danke für den Fisch…

Obwohl ich das Buch drei oder vier mal gelesen habe, hätte ich im Leben nicht gedacht, daß Vogonen so potthäßlich sind, und Marvin so einen dicken Kopp hat.

Feststellung am Rande: Die richtig coolen Sachen für die richtig coolen Kinder gibt’s dieses Jahr anscheinend im Mai.

Anfälle, Brüche, und noch so Zeugs.

Nervenzusammenbruch ist: Um 19.40 Uhr zum noch geöffneten Penny-Markt zu hasten, weil man noch dringend Brot braucht. Sich noch eine Flasche vom billigen Bordeux zwecks abendlicher Sinnesbetäubung gönnen. Mit den Einkäufen in der Hand noch mal ins Büro zu tingeln, weil man dort noch seinen Schlüssel liegen hat. Auf dem Weg dorthin die Hauptstrasse ordnungsgemäß bei Grün überqueren, sich in Sicherheit wähnen, und dann für einen kurzen Moment sein Leben vorbei- und die Flasche Wein zu Boden rauschen sehen, weil irgend ein Vollasi einen Auffahrunfall baut, und sein Vordermann sich laut quitschend vor meine Schienenbeine schiebt.

Wutanfall ist: Im weltweiten P2P-Netzwerk 3 Monate vor Veröffentlichung “Nine Inch Nails: With Teeth” zu finden, sih den Arsch abzufreuen, 8 Tage dran rumzuladen, und am Schluß festzustellen, daß sich eine beschissene Pseudo-Metal-Drum’n'Bass-Band einen Riesenspaß erlaubt hat.

Schadenfreude ist: Beim Super-Trend-Friseur zu sitzen, von einer strunzdoofen Super-Trend-Friseurin, die sich bei der Kopfmassage sichtlich Mühe gibt, leise gefragt zu werden, ob man eine Freundin hat. Die Frage fast schon hämisch mit “ja” beantworten, und dann in ein strunzdoofes, sonnenbankverbranntes Gesicht blicken. Den Rest des Haarschneideprogramms innerlich amüsiert und schadenfroh über Menschen nachdenken, die von sich behaupten, eine Super-Trend-Friseurin als Freundin zu haben. Sich am Ende wundern, warum der Schnitt scheiße aussieht…

Verzweiflung ist: Früh zu Bett gehen, weil man denkt, man bräuchte langsam mal wieder etwas Schlaf. Nicht schlafen können, dann beschliessen, doch noch etwas Fernsehen zu gucken. Um 4 Uhr völlig übermüdet feststellen, daß man gerade innerhalb ein und derselben Woche die Wiederholung der Wiederholung der Wiederholung zum wiederholten Male gesehen, und es zum wiederholten Male erst am Schluß bemerkt hat. Das Programm täglich durchziehen.

Hoffnung ist: Das alles immer noch mit einem kllitzkleinen Funken Humor ertragen zu können. Und wenn es nur die Belustigung darüber ist, daß Popstar-Sandy am Samstag keinen Punkt geholt hat.

Nochmal Nine Inch und so.

Update auf der offiziellen Homepage. Das Tracklisting der kommenden nine inch nails-Platte “With Teeth” enthält zwei Mal das Wort “Love”. Geht man jetzt mal alle seit 1989 veröffentlichten nin-Songs durch, wird man merken, daß das Wort “Love” wesentlich selterner vorkommt, als beispielsweise Vokabeln wie “Fuck”, “Shit”, “Death”, “Decay”, “Hate”, “Smash” oder “Pig”. Soweit ich mich erinnern kann, kommt das Wort “Love” im Back-Katalog sogar gar nicht vor. In Bezug auf die neue Platte kann das nur folgendes heißen: Entweder hat Trent Reznor Enrique Iglesias für sich entdeckt, und “With Teeth” wird eine schmalzige Pop-Platte in Carpenters-Manier, oder der Mann hat in den letzten 5 Jahren tatsächlich auch mal was anderes empfunden, als nut Wut.

Und während ich diese Zeilen tippte, lud schleppend langsam ein kleiner Quicktime-Trailer zu “with teeth”, den ich auf der Seite ganz oben gefunden hatte, in einem seperaten Fenster. So schleppend langsam, daß ich völlig vergessen hatte, was da gerade geladen wird. Und dann hörte ich ein Geräusch, bekam Gänsehaut, und beschloß, meinen Sarkasmus komplett durchzustreichen. Ich glaube, “with teeth” wird eine ganz große Platte.

Dieses Bundesvision-Song-Dingens…

war ja gar nicht so verkehrt. Also im Vergleich zu dem Rest, den uns das Privatfernsehen ja sonst so im musikalischen Bereich andrehen will. Auch wenn natürlich mehr als offensichtlich ist, was der Raab da genau im Schilde führt: Der kleine, unsympathische Schlawiner will sich ein großes Denkmal in der deutschen Fernsehgeschichte setzen. Noch zwei oder drei Veranstaltungen dieser Art, und Stefan Raab wird der Karl Moik der deutschen Popindustrie, da bin ich mir ziemlich sicher.

Was mich wiederum ein wenig gestört hat war die Auswahl der Künstler. Jeder halbwegs normal denkende Mensch hätte sich auch im Vorfeld ausrechnen können, das ein Projekt wie Deichkind (deren Auftritt ich wirklich grandios fand) oder eine liebe Band wie Klee die Hintere-Platz-Garantiekarte bereits bei der Nominierung in der Tasche hatte. Ebenso war ja eigentlich auch völlig klar, daß die Generation Jamba via SMS-Voting natürlich nur ihre Top-Klingelton-Charts-Favoriten in die oberen Punkteränge tippen würden. Juli auf Platz eins - und nichts neues aus Oberhausen. Sogesehen müsste man sich vielleicht mal überlegen, ob das Konzept nicht dahingehend geändert wird, daß man eh schon erfolgreiche Topseller einfach ausschliesst, oder eben nur noch Bürger mit Festnetz voten lässt, oder vielleicht ganz auf Kümstler verzichtet, und stattdessen nur Klingeltöne spielt. Der gute alte TED, der hat mir gefehlt, sag ich mal so.

Und überhaupt: Wenn es nur nach Spielfreude gegangen wäre, hätten Slut eigentlich gewinnen müssen! Oder Hilbert, aber nicht wegen der Musik, sondern weil er in Bezug auf die Buh-Rufe, die ihm da entgegen schallten, einen wirklich wunderbaren Satz gesagt hat. Einen Satz, den ich wohl nie vergessen werde:

“Wenn das nicht polarisiert, dann ist man auch ein Stück Scheiße!”

Wobei mir jetzt nicht ganz klar ist, ob er das “Scheiße” als Adjektiv oder als Substantiv benutzt hat. Das müsste man dann vielleicht noch mal erörtern…

Ak(k)zeptieren?

In Anbetracht dieses Kommentars bezüglich meines Anti-Casting-Show-Eintrags möchte ich mal explizit die Frage in den Raum werfen, ob schlechter Musikgeschmack zwangsläufig zu einer Degeneration der sprachlichen Fähigkeiten führt, oder ob man im Umkehrschluß keine sprachlichen Fähigkeiten besitzt, wenn man jemanden wie Lukas Hilbert vergöttert (ich rede nich von mögen, ich rede von “vergöttern”!).

Ich möchte hier noch mal anmerken: Wer den Text, um den es da geht, aufmerksam gelesen und auch verstanden hat, wird festgestellt haben, daß ich prinzipiell nichts gegen Hilbert oder sonst wen habe, sondern lediglich die vermeintlichen Konzepte, Strategien und Absichten hinter diesen Shows ankreide. Und die daraus resultierenden Konsequenzen für die Popkultur.

Anscheinend gibt es aber Millionen von klingeltongeschädigten Jungspunden, die ihre flammenden, leidenschaftlichen Kommentare auch Wochen später noch bei mir absondern, in der Annahme, hier hätte sich die die Anti-Hilbert-Front formiert. Und es liest sich immer so, als erwarte man eine Stellungnahme von mir, also will ich dieser Erwartungshaltung ausnahmsweise mal entgegen kommen, und anhand des heutigen Kommentars eines gewissen “Fan” Stellung zum Thema beziehen…

Fan schreibt:

Auch ich muss Lukas in Schutz nehmen:Ihr solltet euch eim Beispiel an ihm nehmen und nicht auf ihm rumhacken.Denner hat alle Höhen und Tiefen erlebt und ist jetzt wieder an der Spietze!

Ich weiß jetzt nicht genau, was an jemandem, der seinen Mops “Rolex” nennt und mal Songs mit Titeln wie “Meine Freundin hat neongrüne Schamhaare” (kein Witz!) geschrieben hat beispielhaft sein soll? Und das mit den Höhen und Tiefen: Naja, ich sach ma so, die hat Rex Gildo beispielsweise auch erlebt, aber muß ich mir den dann zum Vorbild nehmen?!?

Klar,hat er auch Fehler gemacht,aber bestimmt nicht mehr als ihr da draußen auch!

Bezieht sich das jetzt auf Kommafehler oder auf Musik?

LUKAS ist schließlich auch nur ein Mensch!!!Ich find ihn bewundernswert. Ihr habt kein Recht so auf ihm rumzuhacken,kommt ihr erstmal soweit,bevoreuch einen ablästert !

Hmmm, immer diese Pauschalisierungen. Stoiber ist auch nur ein Mensch, der weit gekommen ist. Darf ich deshalb jetzt nicht mehr über ihn ablästern?

Und um ehrlich zu sein, warum sollte Lukas sich nicht König nennen ?Werseine Cd kennt weiß das er ein witziger Mensch ist.Wennsich einer König nennendarf dann er!

Das ist Kokolores, wie man bei uns sagt. Walter Matthau hat mal gesagt, daß Wörter mit “k” witzig sind, aber Könige sind nicht witzig. Siehe Shakespeare, da war nie ein witziger König bei, das waren alles immer nur Meuchelmörder, Despoten und notgeile Säcke. Und Hilbert ist nichts dergleichen, demnach also auch kein König.

Akkzeptiert ihn doch einfach,ihr müsst ihn ja nicht vergöttern.

Ich akkzeptiere (merke auf: Wörter mit “k”! Haha!) ihn ja auch. Schon seit Wochen. Aber mit seinen Fans hab ich langsam meine ganz eigenen Probleme. Dafür verteufle ich ihn…

Und was sein Liebesleben angeht darf nicht jeder Mensch glücklich sein?Vergönnt es ihm doch,wenn er meint ,dass das seine GROßE Liebe ist.

Hat er denn wirklich gesagt, daß er Rolex so sehr liebt? Ich kann mich nicht erinnern…

Und zweitens,geht uns das überhaupt was an?Ich glaube nicht!Außerdem singt er gut und sieht super aus !

1. Wo war erstens? 2. Ich weiß ja nicht. Ich finde, er klingt wie ein kleines zickiges Mädchen, dessen Teddybär man angezündet hat. Aber Gehör ist ja auch subjektiv. Und beim Aussehen kann ich nicht mitreden, weil ich generell nur bei einem einzigen Mann sage, daß er gut aussieht, und das ist Jude Law - und ich sag das, obwohl ich definitiv nicht schwul bin.

Und wenn er euch immer noch nicht gefällt hätten wir da ja noch Rolex …

Heißt das, ich soll jetzt meinen Frust mit den Hilbert-Fans lieber an Rolex auslassen, oder heißt das, ich soll mir eine Rolex zulegen, um glücklich zu werden? Oder erwartest Du allen ernstes, daß ich einen kleinen, häßlichen Popogesicht-Hund anhimmle, der eine 1.50 große Quäkstimme mit gefärbten Haaren, Le Roi-Tatoo und Minderwertigkeitskomplex an der Leine führt?

Wer Lukas jetzt noch nicht mag tja,der hört bitte auf ihn so durch den Dreck zu ziehen und lässt ihn in Ruhe. Lukas hat nämlich genügend Fans die ihn und Rolex vergöttern.Caio

Liebe(r) Fan, ich frag mich jetzt allen ernstes, ob Du erwartest, daß ich nach dem Genuß dieses Fanals, welches Du regelrecht in mein Blog gerammt hast, auch nur einen einzigen guten Grund haben sollte, ihn jetzt lieber zu mögen? Ich denke neuerdings eher folgendes: Selbst wenn Hilbert jetzt anfangen sollte, perfekte, qualitativ hochwertige, von kommerziellen Absichten befreite, absolut brilliante, ehrliche Popsongs zu schreiben, gibt es immer noch einen guten Grund ihn nicht zu mögen. Den nenn ich jetzt jedoch nicht, denn der ergibt sich aus Deinen Zeilen…

Liebe Grüße, auch an Papa und Mama.

Herr Shhhh, aka die Pocke am Arsch der Popkultur.

Caio!?!