Monatsarchiv für März 2005

 
 

I’m afraid of americans.

Du merkst, daß Du mit Freundschaften in den letzten Monaten zu nachlässig warst, wenn Dein Ex-Bandkollege und guter Freund aus Denver mittlerweile schon Beschimpfungen in Großbuchstaben in die Betreffzeile schreibt, um Deine Aufmerksamkeit zu erregen.

FUCKTARD. Whatever.

Der rechte Dresscode.

Liebes Weinstadt in Schwaben,

lieber ein offensichtlicher Nazidoofkopp mit Alpha-Bomberjacke (die übrigens die Lieblingsjacke der alliierten Bomberpiloten war, aber hey, wer erwartet von bestimmten Gruppierungen schon sowas wie historisches Wissen), als 10 solcher Schwachmaten, die sich aufgrund eines schulischen Dresscodes nicht zu erkennen geben dürfen. Ich will doch schließlich auch in Zukunft noch wissen, wen ich nicht leiden kann.

Kutter abgesoffen?

Immer, wenn man gerade den hochgeschätzten Kollegen Kutter wiederentdeckt, sich dann ein bißschen schämt, weil man ihn so lange aus den Augen verloren hat, und dann beschliesst, wieder regelmässiger bei ihm zu lesen, verschwindet er plötzlich. Ich glaube, da steckt Methode hinter.

Weiß jemand, warum das zweitbeste Blog der Welt nicht erreichbar ist!?!

Diverses 4.

“Wald ist schön. Wenn er nicht stinkt.”

-
Gestern das erste Mal Shisha mit Kirschtabak geraucht. Für mich selbst beschlossen, Wasserpfeifen und aromatisierte Tabaksorten als neumodischen “ich-möcht-ja-soooooo-gern-mal-was-orientalisches-machen”-Tand abzutun. Rauchend mit den werten Arbeitskollegen meine Existenz hinterleuchtet. Gute Freunde am Telefon nach Roh-Opium gefragt, weil mir vom Denken irgendwie langweilig war. Danach beschlossen, daß das einzige wahre Experiment die Billigzigaretten vom Discounter sind.

-
Joining the world of missing persons (and she was)

-
Zu viel Bill Hicks im Kopf ist, wenn man den Wecker mit den Worten “Suck Satan’s Cock!” begrüsst.

-
Ich hab lange gebraucht
um zu verstehen,
daß immer nur Zeichen
und nie Wunder geschehen.

-
Sentimentalitätsanfall um 2 Uhr Nachts. Depeche Mode 101. Plötzlich die erschreckende Feststellung, daß die Herren Wilder und Gore hinter den zwei mal 88 Tasten wesentlich weniger arbeiten, als ich auf meinem drei Oktaven Minisynthesizer. 30 Minuten später beschlossen, mich von meiner Jugendliebe endgültig zu verabschieden.

Schön.


We can see the stars
from where the birds make their homes
staring back at us
staring back at us
Indifferent
but distanced perfectly
projected endlessly
it’s so fucking beautiful…

Liebe vs. Mathe.

Gestern Nacht schlecht eingeschlafen, weil ich mir Gedanken darüber gemacht habe, ob man Liebe wirklich einfach so analysieren kann. So mit Variable a und Faktor b, und einer Menge schlauer Expertenmeinungen. Ich weigere mich dagegen, Liebe in Formeln zu packen. Natürlich, Erlebnisse kann man in Waagschalen werfen, Erfahrungen kann man aufwiegen, aber auch die Vergangenheit kann niemandem erklären, warum Gefühle so sind, wie sie sind, warum Herzen gebrochen werden, warum bestimmte Konstellationen hier funktionieren und dort nicht. Ich glaube, wenn man Liebe und ihre Parameter einfach erklären könnte, würden nicht so viele geplagte Geister Liebeslieder komponieren, Liebesromane schreiben oder FrauenLiebesfilme drehen.

Andererseits: Ich war und bin in Mathe scheiße. Vielleicht verstehe ich deshalb nichts.

Ratio is an option, not an answer.

Und Du bist nicht dabei.

Unsereins hat sich über 2/3 der Osterfeiertage hinweg eingebunkert, tief im zum Studio umgebauten Lithokeller einer alten, den Wehen der New Economy zum Opfer gefallenen Werbeagentur, mit Zigaretten, Bier, und einer Kiste voll Ideen. Was kam rausgekrochen? Vertonte Vergangenheitsbewältigung (Demo), sowas von haarscharf am Schlager vorbeigeschrammelt, aber immer noch mit den drei Rettungsringen gewappnet, die uns vor dem erstickenden Untergang in silbermondsche Popgewässer bewahren: Atonale Gitarrenspuren, eine wildgewordene Menge kaputter Synthies und eine “Besser das, als wie Du”-Referenz im Refrain. Who needs Optimisten, anyway?

Abschluss der Session auf einer Party am Sonntag Abend, merkwürdige Menschen, keine Getränke, Wohnzimmeratmo, und immer irgendwer irgendwas am Computer vorführend. Solche Partys sind ermüdend, aber wenn man sowieso schon dabei ist, innerlich abzuschalten, ist es völlig egal. Gut, daß Dr. Bassist und ich noch lange geblieben sind, denn so hatten wir die Chance, auf einer Wohnzimmerpartyanlage in den oben verlinkten Song reinzuhören. Probehören. Interpretationsansätze des Gastgebers, die nah am Kompliment dran waren, und richtig gut taten. Dennoch war seine Sichtweise eine andere, als die eigentliche Intention des Songs. Er hörte genau dort “Freiheit” raus, wo es um “Niederlage” ging. Frappierend im ersten Moment. Verständlich im zweiten.

Und überhaupt: Gerade beim Songwriting wieder die Feststellung gemacht, daß bei otimistisch angehauchten Songs die Ausbrennphase, also der Moment des Vergessens, viel schneller Eintritt. Melancholie bleibt länger hängen, selbst wenn sie in angedeutete Dur-Klänge verpackt ist. Noch besser sind jedoch Wut, Haß, Abscheu und Weltekel, hübsch eingeschnürt in zuckersüßen Pop. Eine Formel, die immer wieder zu funktionieren scheint, irgendwie am meisten Spaß macht, und zumindest in der Entstehungsphase den wildgewordenen Gefühlsteufel kurzzeitig vertreibt.

Wildgewordene Gefühlsteufel. Dieses stete Schwanken zwischen goodbye und hello. Ich fühle mich mittlerweile vergessen. Und je länger die Tage werden, desto eher wird mir bewusst, daß ich anscheinend auch vergessen soll. Ohne Halt kaum aushaltbar. Aber es gibt ihn, den Halt, tief in mir, irgendwo, plötzlich aufgetaucht, nicht unbedingt aus dem nichts, aber irgendwie doch. Nicht wirklich greifbar, eine unbekannte Größe, aber sehr deutlich spürbar, ein schönes Gefühl.

Konfusion, Schätzchen.

Konfusion mobilisiert meinen Kopf.
Zustände zwischen fiebernd euphorisch und euphorisch niedergeschlagen.
Ich hab die Zeitumstellung verpasst.

Diverses 3. Osteredition.

Rote Ohren bekommen, weil andere rote Ohren bekommen.

-

Joanna Newsom kommt nach Köln. Kleine Frau mit Kinderstimme und Harfe. Muß ich sehen.

-

Gestern und heute mit den beiden anderen Herren im “Studio” eingesperrt. Das komplette Equipment zusammengestellt, Reaktor-Rechner und Ableton Live angeschmiessen, und siehe da: Es funktioniert. Ich bin eigentlich ein Kontrollfreak. Ich will die Kontrolle über die Komposition und den Klang. Aber gestern habe ich mich belehren lassen. Es geht auch anders. So Muckermässig, mit Bier und 20Minuten-Rumgeholze auf ein und der selben musikalischen Struktur. Mit Feststellungen wie: Das könnte eine neue Hymne sein. Und mit ganz furchtbaren Lachflashs.

Ich wollte eigentlich immer der einsame Kopf hinter dem Song sein. Das wird auch noch so bleiben, da sich bestimmte Gefühle eben nun mal nur alleine am besten in Musik übersetzen lassen. Aber Band macht mehr Spaß.

-

I’ve been travelling a lot lately. I was over in Australia during Easter. It was interesting to note they celebrate Easter the same way we do —commemorating the death and resurrection of Jesus by telling our children a giant bunny rabbit . . . left chocolate eggs in the night. Gee, I wonder why we’re so messed up as a race. You know, I’ve read the Bible. Can’t find the words “bunny” or “chocolate” in the whole book.

Bill Hicks.

Schockmoment.

Angeblich hat Trent Reznor gestern Abend ein Tambourin benutzt. Bedenkt man, daß der Kerl früher mit Springerstiefeln auf Keyboardtastaturen rumgespielt hat, erscheint das merkwürdig. Ich glaube, ich habe keine Lust mehr, in 10 Jahren 40 zu werden. Tambourin. Hrmpf.

Via da.