Unsereins hat sich über 2/3 der Osterfeiertage hinweg eingebunkert, tief im zum Studio umgebauten Lithokeller einer alten, den Wehen der New Economy zum Opfer gefallenen Werbeagentur, mit Zigaretten, Bier, und einer Kiste voll Ideen. Was kam rausgekrochen? Vertonte Vergangenheitsbewältigung (Demo), sowas von haarscharf am Schlager vorbeigeschrammelt, aber immer noch mit den drei Rettungsringen gewappnet, die uns vor dem erstickenden Untergang in silbermondsche Popgewässer bewahren: Atonale Gitarrenspuren, eine wildgewordene Menge kaputter Synthies und eine “Besser das, als wie Du”-Referenz im Refrain. Who needs Optimisten, anyway?
Abschluss der Session auf einer Party am Sonntag Abend, merkwürdige Menschen, keine Getränke, Wohnzimmeratmo, und immer irgendwer irgendwas am Computer vorführend. Solche Partys sind ermüdend, aber wenn man sowieso schon dabei ist, innerlich abzuschalten, ist es völlig egal. Gut, daß Dr. Bassist und ich noch lange geblieben sind, denn so hatten wir die Chance, auf einer Wohnzimmerpartyanlage in den oben verlinkten Song reinzuhören. Probehören. Interpretationsansätze des Gastgebers, die nah am Kompliment dran waren, und richtig gut taten. Dennoch war seine Sichtweise eine andere, als die eigentliche Intention des Songs. Er hörte genau dort “Freiheit” raus, wo es um “Niederlage” ging. Frappierend im ersten Moment. Verständlich im zweiten.
Und überhaupt: Gerade beim Songwriting wieder die Feststellung gemacht, daß bei otimistisch angehauchten Songs die Ausbrennphase, also der Moment des Vergessens, viel schneller Eintritt. Melancholie bleibt länger hängen, selbst wenn sie in angedeutete Dur-Klänge verpackt ist. Noch besser sind jedoch Wut, Haß, Abscheu und Weltekel, hübsch eingeschnürt in zuckersüßen Pop. Eine Formel, die immer wieder zu funktionieren scheint, irgendwie am meisten Spaß macht, und zumindest in der Entstehungsphase den wildgewordenen Gefühlsteufel kurzzeitig vertreibt.
Wildgewordene Gefühlsteufel. Dieses stete Schwanken zwischen goodbye und hello. Ich fühle mich mittlerweile vergessen. Und je länger die Tage werden, desto eher wird mir bewusst, daß ich anscheinend auch vergessen soll. Ohne Halt kaum aushaltbar. Aber es gibt ihn, den Halt, tief in mir, irgendwo, plötzlich aufgetaucht, nicht unbedingt aus dem nichts, aber irgendwie doch. Nicht wirklich greifbar, eine unbekannte Größe, aber sehr deutlich spürbar, ein schönes Gefühl.