Ted Leo UltraFanboism, Les Mercredis Radioninterviews, stinkende Emokinder, und warum man sich bei Koelncampus die Klinke in den Schwanz gibt.

Kurzform, für alle, deren Deutsch kaputt ist, oder die es nicht so mit langen Texten haben:

Ach Du scheiße war das gut! Oder wie Hilde Kneef sagen würde: Ich wollte nie mehr auseinander gehn.

Zweiteilige Langform, für alle, die an so einem schönen Tag nichts besseres zu tun haben, als hier rumzulesen:

Der Radiopart:

Fangen wir vorne an. Die Fahrt nach Köln. Zum Radiointerview im heiligen Kölncampus-Dachgeschoß-WG-Studio. Es gibt ja Zeitgenossen, die die Strecke Siegen/Köln in unter 40 Minuten abhandeln. Generell machbar, selbst bei zähfliessendem Autobahnverkehr, und trotz eines burgerfutternden Herrn Shhhhs an der Seite, der eine Orientierung wie ein Komposthaufen hat. Spätestens in Köln stellt man jedoch fest, daß die Fahrt von “Köln a” nach “Köln b” die Hölle in Asphalt ist. Weder darf man in dieser Stadt links abbiegen, obwohl man eigentlich ständig links abbiegen muß, noch gibt es dort sowas wie leicht erkennbare Straßenschilder. Köln ist eben gay, sag ich ja immer wieder, und Herr Sportraucher gibt mir da Feedback, weil er letztlich derjenige war, der die nervliche Belastung des Kölner Innenstadtverkehrs am Lenkrad rauslassen musste. Wie auch immer, nach dem wir um 17.45 Uhr die Kölner-Stadgrenze erreicht hatten, dauerte es noch satte 30 Minuten und 300 Flüche, bis wir endlich die Dachgeschosstürklinke des Radiosenders in den Händen hielten. Und dabei wollten wir ja eigentlich um 17.45 Uhr da sein…

Die Leute bei Kölncampus-Radio sind sehr lustig. Wenn man den Laden betritt, zeigen sie einem sofort, wo Bier und Aschenbecher stehen. Sogesehen ist man dann auch sofort beschäftigt, und kommt gar nicht erst dazu, nervös zu werden, oder Blödsinn zu machen.

Nachdem wir nervös wurden, und kurzzeitig drüber nachdachten, Blödsinn zu machen, tauchte tatsächlich auch mal Herr Waldar auf, und wäre ich eine kleine, biestige Zicke, hätte ich ihm sofort die Augen ausgekratzt, da er bizarrerweise mein T-Shirt anhatte, oder ich seins, oder umgekehrt - eben diese klassischen Overdressed-Mädels-Situation. Da wir beide jedoch sehr nette Menschen und keine Mädels sind, gab’s direkt freundliche Worte, kleine Einstiegswitzeleien, und den Hinweis, das wir gleich 25 Minuten Les Mercredis-Werbung machen dürften. Was wir dann auch gemacht haben. Oder zumindest versucht haben. So genau kann ich mich auch nicht mehr erinnern, dafür waren die Eindrücke zu massive. Ich weiß nur, daß Herr Bassist nichts gesagt hat, da er offensichtlich übernächtigt war, und daß ich die ganze Zeit Müll gesabbelt habe, wie man das so schön ausdrückt, und daß der Herr Sportraucher in seinem lindgrünen Hemd sehr entzückend aussah. Apropos: Köln ist gay. Aber das hatten wir ja schon. Nach vier Songs und diversen Anekdoten wurden wir dann wieder zu unseren Bieren und Aschenbechern befördert, und durften dann Waldars Kollegin B. (ich glaube, sie hieß B., aber ich weiß es nicht mehr so genau, weil das Bier schon wirkte) beim archivieren von CDs zuschauen. Was ich persönlich als Traumjob empfand: Briefumschlag aufmachen, maximal zwei Tracks hören, im Falle von akuter Unhörbarkeit des Materials den Kram mit “Scheisse” kommentieren und schnellstmöglich entsorgen, andernfalls in irgendeine Liste eintragen und in die Tasche stecken, oder so ähnlich. So ganz habe ich es nicht verstanden, aber es sah interessant aus. B. verschwand dann auch irgendwann zu Waldar ins Studio, weil sie dort Veranstaltungstipps vortragen musste, und da brachte sie einen schönen Versprecher, der zumindest ansatzweise darauf schliessen läßt, daß wir ihr beim zuschauen auf den Sack gegangen sind. Ungefährer Wortlaut im Zusammenhang mit unserem Studiobesuch: “…es ist schon toll wie sich hier die Stars die Klinke in den Schwanz geben…”. Brüller des Abends, Sendung vorbei, kurze Bestandsaufnahme, Verabschiedung, und dann mit SuperWaldar nebst SuperFreundin im Gepäck ab in Richtung Stollwerck. Auch da dann wieder die Sache mit dem Kölner Innenstadtverkehr, aber ich will jetzt nicht wieder von vorne anfangen. Nur so viel: Köln ist gay. Und 10.000 Dank an Waldar für die Einladung und den tollen Support!

Der TED LEO + PHARMACISTS-Part:

Schnitt, Stollwerck, Eingang, tonnenweise leere Bierflaschen neben vollen Kindern. Warum? Weil samiam der Act des Abends sind. Ausverkauftes Stollwerck wegen ein paar Typen, die so weit ich das verstanden habe die besten Tage bereits hinter sich haben. Absolut nicht mein Fall, die Band, und ich fand es auch schade, daß in Anbetracht dieses Kontextes Ted Leo völlig unterging. Keinerlei Hinweis, daß Mr. Leo heute Abend spielen würde, und überall nur diese komischen Emo-Fans, die ich seit gestern defintiv gefressen habe. Überhaupt: Emo-Kids. Ich hab nix gegen Randgruppen. Aber diese kleinen, stinkenden, pseudo-gewaltbereiten, bis unter die Achselhöhle tätowierten, unter 22jährigen Baseball-Cap-Kiddies mit Körpergefühl wie Amboß und kiloweise Metall in der Fresse habe ich seit gestern nicht mehr gern. Ich hab nichts gegen nach aussen gelebten Fanatismus, aber während des Konzertes “Nickelback” schreien, die ganze Zeit nach “samiam” gröhlen, und überhaupt so pseudoböse durch die Gegend schlingern ohne Rücksicht auf Verluste oder alte Säcke wie mich, das ist einfach nicht mein Fall. Da bin ich Spiesser, da verstehe ich keinen Spaß, da sage ich einfach klipp und klar: Diese Jugendkultur stinkt. Oder Emo is the new gay.

Wo waren wir? Ach ja, Ted Leo. Der betrat dann die Bühne, und ich hatte indirekt das Gefühl, daß wir die einzigen waren, die wussten was jetzt kommt. Und trotz des Berliner Debakels kam auch genau das, was ich erwartet hatte: Herr Leo, der mich irgendwie an einen gealterten Ben Stiller erinnerte, bewegte sich wie ein entkoffeinierter Derwisch über die Bühne, sang, schrie, schwitzte, gab alles, trotz einer Halserkrankung. Spätestens beim zweiten Song (Rude Boys!) war klar: Das ist Gänsehaut, das ist jetzt schon das beste Konzert des Jahres. Und selbst die Emo-Kids liessen sich irgendwann von dem kleinen Mann mit der lauten (scheiße abgemischten) Gitarre mitreissen. Die beiden Bartträger an seiner Seite waren tatsächlich Nebenschauplätze, auch wenn ich den Drummer gerade wegen seiner Bewegungslosigkeit richtig gut fand. Der Bassist? Gay! Nein, der war schlecht, da kann man sagen was man will, dünne, junge Männer mit Vollbart an zu goßen Bassgitarren ist einfach zu viel 70er. Da lobe ich mir unseren Heavy-Metal-Bassisten, der das Konzert (sowie eigentlich den ganzen Abend) völlig sprach- und fassungslos genoss. Wo waren wir? Ach ja, Ted Leo. Der versuchte zwischendurch sogar mal Ansagen auf Deutsch, gab sich aber ansonsten eher sprachlos, was ich in dem Kontext nicht verkehrt fand, da die stinkenden Emo-Kids neben mir die Zeit zwischen den Songs sowieso nur mit Pseudoprovokationen zugröhlten. Da hätte auch der netteste Witz nicht funktioniert - ausser vielleicht “Köln is gay”, aber der funktoniert nur als Running-Gag in diesem Text. Also beschränkte sich Leo tatsächlich auf’s rocken, und was der da oben brachte war phänomenal, mitreissend, einfach unglaublich. Höhepunkte waren “Where have all the Rude Boys gone”, eine phantastische Version von “Timorous me” (die den Sportraucher fast zum weinen brachte), die schier unglaubliche it’salright-it’salright-it’salright-it’salright-it’salright-it’salright-it’salright-it’salright-it’salright-Orgie bei “Little Dawn”. Und dann…

…war leider schon Schluß. Es ging alles viel zu schnell, es war vielleicht eine halbe Stunde, gefühlt vielleicht fünf Minuten, einfach zu wenig. Ach doch, mein persönliches Überhighlight gab es noch: Die Zugabe! “Dirty Old Town”. Denkste, Vollstop mitten im Song, kurzer Blick zum bärtigen Drummer, “Play this one really FAST!!!”, und dann “Ballad of the sin eater”, mein erstes Ted Leo-Erlebnis von vor zwei Jahren, der Song mit dem bei mir der Fanatismus begann, die 6Minuten mit den nicht enden wollenden Lyrics, die unsereins schon im Schlaf mitsprechen kann - I need to get the devil out! Unglaublich schnell runtergerotzt, fast schon wie ein musikalischer Schlag in den Magen. Und weg war er, und wir raus, und naß, und erschöpft und sprachlos. Fuck samiam, wer will die denn jetzt noch sehen, nach so einem Konzert! Selbst der Sportraucher, der sich wirklich auf die Emo-Legende gefraut hatte, wollte jetzt einfach nicht mehr, konnte nicht mehr. Also Bier geholt, Vorraum, Treppe, und Witze über Emo-Kids gemacht. Oder so ähnlich. Und dann…

(Jep, es ist eine scheiß Überleitung, die sich zu allem Überfluss wiederholt, aber ich hab auch nie gesagt, das ich gut schreiben kann!)

…dann tauchte plötzlich Ben Stiller Ted Leo auf, unterhielt sich mit Fans aus Boston. Bei sowas kenn ich ja nix, also aufgestanden, Sportraucher mitgeschleppt und hin zu Leo, der einem kleiner vorkommt, als er eigentlich ist. Und sowas von zum Erbrechen nett, das es fast weh tut, sich mit ihm nicht zu unterhalten, wenn man sich schon mal mit ihm unterhalten hat. Wir haben über alles mögliche gesprochen, auch darüber, daß Tomte-Thees ihm in Hamburg ein Angebot für eine mögliche Zukunft im Grand Hotel van Cleef gemacht hat, und wie cool wir das doch fänden, und wie anstrengend die Tour gerade sei, und daß der Herr Sportraucher lieber Whiskey trinken sollte, damit ihm die hübschen Ted Leo-Longsleeves auch besser passen. Es war unglaublich, ich hab mich am Schluß noch völlig peinlich mit einer “I’m not worth it!”-Geste bei Ben… äh, Ted verabschiedet, die er prompt erwiederte, und ja, ich hab ihn auch auf unsere Ted-Leo-Ultrafanblog-Initiative hingewiesen, was dazu führte, daß er sich auch noch die URL von dem Kram hier in sein handydanday-PDA getippt hat. Oder so.

Ja und dann? Dann war schluß, noch ein herzlicher Abschied von Waldar und Anhang, nebst Releasepartyverabredung im Mai, und dann auf die Autobahn, wo ich tatsächlich noch eine kuriose Feststellung machen durfte: Auf Autobahnraststätten darf man auch als Beifahrer zwischen 0 Uhr und 7 Uhr keinen Alkohol kaufen. Nein, ich rege mich nicht darüber auf, daß ich mir stattdessen eine überteuerte Caprisonne gegeben habe, und daß der Typ am Counter auch noch meinte, daß das eh gesünder für mich sei. Nein, ich rege mich über die Unverständlichkeit dieses Gesetztes auf. Wer und warum beschliesst so ein bescheuertes Gesetz? Hat man Angst davor, daß sich ein Autofahrer um 0.02 Uhr noch die Kante geben könnte? Und ist es nicht wesentlich irritierender, wenn ich als Beifahrer um 7.05 Uhr Bier kaufe? Deutschland, ich versteh Dich auch nüchtern nicht immer…

Ach ja, Ted Leo war super! Und Köln ist immer noch gay. So viel dazu.


 
 
 

21 Kommentare zu “Ted Leo UltraFanboism, Les Mercredis Radioninterviews, stinkende Emokinder, und warum man sich bei Koelncampus die Klinke in den Schwanz gibt.”

  1. johnny
    18. März 2005 um 12:44

    Ihr Schweine. Ich hasse euch alle.

    Habt ihr ihn wenigstens von mir gegrüßt?

  2. Herr Shhhh
    18. März 2005 um 12:48

    Ich hab auch Deine Blogpromoarbeit erwähnt!

  3. Wolfgang
    18. März 2005 um 13:01

    Na, das freut mich ja nun doch sehr, dass das Kaptitel “TL in Germany” noch einen versöhnlichen Abschluss gefunden hat …

  4. tanja
    18. März 2005 um 13:08

    Ich kann´s nicht ab, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein!
    Kann ich einfach micht ab!
    Jetzt muss ich heute abend beim Yoga zwecks Ärgerverklappung einen Sonnengruß extra turnen!
    Ich persönlich versuche übrigens immerzu die Ähnlichkeit Ted Leos mit Chris de Burg zu verdrängen.
    Schlimmi, schlimmi!

  5. Herr Shhhh
    18. März 2005 um 13:27

    Autsch, der Vergleich ist ja noch schlimmer. Stimmt, ein wenig schwingt da auch die Ladyinred-Miene mit. Und Segelohren. Ted hat Segelohren. Aber hallo. Da hilft auch kein Yoga mehr…

  6. Wolfgang
    18. März 2005 um 13:31

    @tanja: Argh, pass doch bitte auf mit solchen Äußerungen. Jetzt kriege ich diese Assotiation wahrscheinlich nie mehr aus dem Hirn …

  7. umleiter
    18. März 2005 um 13:35

    na denn muss ich wohl auch hin ;)

  8. Wolfgang
    18. März 2005 um 13:40

    “Assoziation” muss es natürlich heißen. Nicht, dass ich mir von tanja ‘ne Retourkutsche einfange. Die dann auch noch berechtigt wäre.

  9. Herr Shhhh
    18. März 2005 um 13:43

    Lassen Sie mal. Hier geht alles mit Fehlern. Das hier ist das Blog eines Gastarbeiterkindes, da können sie auch gerne mal verdrehen Wörter oder flasche Buchtsbane benutzen.

  10. zoso
    18. März 2005 um 14:03

    Kurzer Einwurf zu Chris de Burgh.
    Laut einem Musikkritiker des Musikexpress der “größte Fickfehler der Popgeschichte”.

    Musste ich einfach loswerden.

  11. waldar.twoday.net
    18. März 2005 um 16:00

    k

    der tag musste nat

  12. holgi
    18. März 2005 um 18:42

    Meine Freundin meinte, Leute aus Siegen… naja… Leute aus Siegen eben - was ich selbstverständlich aus blankem Neid behaupte. Ausserdem habe ich noch nie von “samiam” gehört, was ich irgendwie lustig finde und was daran liegen mag, dass ich kein Werkzeug im Gesicht habe und ausserdem finde ich, dass Herr Waldar es am besten ausgedrückt hat, als er sagte, “k der tag musste nat”.

  13. waldar
    21. März 2005 um 19:51

    herr holgi. ich habe soviel zu herrn leo & co zusagen, dass “k” und “der tag musste nat” nicht ausreichen. das liegt eher in dem umstand begründet, dass entweder mein hoster oder wordpress trackbacks mit umlaut nicht verstehen. ist aber prinzipiell nebensächlich…

  14. Herr Jimmy
    22. März 2005 um 00:31

    BOING! Danke Waldar für die Erklärung, jetzt erst versteh ich das. Ich hab auch schon überlegt: Was will der damit wohl sagen?? (Obwohl ich den Artikel bei Ihnen natürlich schon gelesen hatte…) Ferien machen halt dumm.

  15. holgi
    22. März 2005 um 13:49

    Soll das jetzt etwa bedeuten, dass k der tag gar nicht nat musste? Da wäre ich dann doch etwas enttäuscht.

  16. Kunar
    22. März 2005 um 18:26

    samiam ist doch zu was gut… ich habe nämlich mal spaßeshalber “samiam” und “ted leo” bei google eingegeben und bin so auf die Seiten des Konzertveranstalters gekommen. Der verwies wiederum auf eine Seite mit MP3s von Ted Leo & The Pharmacists!

    http://www.epitonic.com/artists/tedleopharmacists.html
    - “Where have all the rude boys gone?” - in besserer Qualität als auf tedleo.com
    - “zwei weitere Lieder von den Alben, die es auf tedleo.com ebenfalls nicht gibt
    - “Come Baby Come” ein Lied von der “Treble Trouble”-EP

    Na, ist das was?

  17. Adrian
    6. Juni 2006 um 20:40

    business

  18. Carl
    10. Juni 2006 um 06:07

    business

  19. Chris
    12. Juni 2006 um 19:26

    business

  20. Bob
    14. Juni 2006 um 19:36

    business

  21. Seth
    9. Dezember 2006 um 12:05

    sex

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