Monatsarchiv für Mai 2005

 
 

Die Horrorputze.

Sie ist geschätzte 1.50 Meter klein, geschätzte 57 Jahre alt, und könnte einem dieser billigen Carpenter-Filme aus den späten 80ern entsprungen sein, in denen zum Beispiel auch Alice Cooper als taubenfressender Penner mitspielte. Sie platzt hier rein, mit Respekt vor nichts und niemand. Stört Gespräche mit Kunden durch unqualifizierte Äusserungen oder Themevorschläge, mischt sich in Diskussionen ein, bewertet herumliegende Layouts mit süffisanten Äusserunge, spricht ab und an sogar über ihre sexuell geprägte Vita im Alter, weiß alles über CGI und USB und Color-Management und Pantone-Farbfächer und SPD und Oberschlesien. Und über’s putzen sowieso, denn sie ist ja die oebrschlesische Horrorputze, die Rächerin verschmutzter Tischplatten, übervoller Mülleimer und urinbenetzter Pissoirs…

Noch nie habe ich erlebt, daß ein Mensch sich so penetrant über offensichtliches Sozialverhalten in Großraumbüros hinwegsetzt. Sie sieht alles, weiß alles, und macht keinen Hehl daraus, es allen kund zu tun - egal ob man in ein wichtiges Telefonat vertieft ist oder den harten Klang von Atari Teenage Riot verströmende Kopfhörer aufsetzt. Sie spricht trotzdem, unerbittlich, unbarmherzig.

Doch das alleine wäre ncht unbedingt ein Grund, sie zu hassen. Was insbesondere mir die Zornesröte in die Ohrläppchen treibt, ist dieser eine Satz, der fast schon murmletiertaghaft jedes mal die gleiche Ereigniskette nach sich zieht: “Ist diese Steckdose noch frei?”.

Das “Brrrrzl” danach ist ein Indiz dafür, daß sie wieder meinen Rechner gekillt hat, um ihren Staubsuager einzustöpseln. Anfangs hielt ich es noch für ein Mißgeschick, einen dummen Zufall vielleicht, aber nach nunmehr 1 1/2 Jahren, in denen sie es geschafft hat, wirklich alle 14 Tage meinen Rechner - und tatsächlich nur diesen - entweder über die Steckdosenleiste oder die Hauptsteckdose an der Wand zu killen, glaube ich, daß da Kalkül hintersteckt. Daß sie tatsächlich vorhat, mich in den Wahnsinn zu treiben. So wie John Carpenter damals Sam Neill in einem seiner Filme wahnsinnig werden lies.

Selbst heute, wo ich mich in Sicherheit wähnte, weil ich einfach an die Festigkeit von Gaffa-Tape an und um Steckdosen glaubte, hat mich das Schicksal, oder vielmehr die Horrorputze, eines besseren belehrt. Denn irgendwo gibt es für sie unter einem Schreibtisch immer noch mindestens einen Stecker, an dem man ziehen kann. Und dessen “Brzzzl”-Geräusch dann zur Folge hat, daß ich wieder ein paar Stunden umsonst gearbeitet habe.

Himmel, hilf. Mach, das ich im Schmutz ersticke…

Ohne Titel.

Die Bewegungsunschärfe der Landschaft da draussen entschleunigt alle Verarbeitungsprozesse in meinem Hirn. Leider nicht die der 17jährigen, leicht schwachsinnig anmutenden Person neben mir. Sie erzählt vom Feiertag, vom Alkohol, den sie nicht verträgt, vom vorgezogenen Abitur, von ihren strengen Eltern, die sie dazu nötigen, auf eine Privatschule zu gehen. Sie trägt eine rosa Kinderbrille, hat einen Damenbart, raucht Gauloises, die gelben, nicht die roten. Ich nicke nur, will gar nicht zuhören, empfinde irgendwas zwischen Mitleid und help me I’m in hell. Ich versinke in der Sonderbeilage Architektur, um auf höflichem Wege Desinteresse zu signalisieren. Doch auch das bringt nichts, sie redet weiter, unterhält sich fast 2 Stunden mit mir und sich selbst, auf dem Weg zurück nach Siegen. Ich wünsche mich an einen anderen Ort. In ein Flugzeug nach irgendwo hin, in die Anonymität eines Taxis, oder noch besser, auf eine Bühne, nicht groß, eher bescheiden, siffig, so wie dieses dreieckige Mistding in der Tanzhalle in Hamburg, wo wir damals bei ähnlichen Temperaturen die Monitorboxen kaputt spielten, dem Hauptact die Show stahlen, und den Backstagemann in Verzweiflung trieben, weil das Bier schon vor dem Soundcheck alle war. Dort oben hat man trotz aller Lautstärke seine Ruhe, ist für eine Dreiviertelstunde unantastbar, steht über den Dingen und macht sein Ding. Aber die Zeiten kommen nicht wieder, sie rauschen vorbei, so wie die Worte des kleinen Mädchens mit dem Damenbart, so wie die Landschaft da draussen, die in der Bewegungsunschärfe verschwimmt, und meine Verarbeitungsprozesse entschleunigt.

Motto.

Sprengt die Brückentage!

only

I wish I could be much better.

(Benjamin Diamond. I Wish.)

I’m looking for a pill,
something to ease my will,
a kick in the teeth.

(Fischerspooner. A kick in the teeth.)

I just made you up
to hurt myself.
And it worked.

(NIN. Only.)

Zustände sind das.

Referrer fragen…

Google-Suche: was ist wenn man taub ist?

Dann stünde hier kein Text, sonder nur: (…)

Google-Suche: Frank Briegmann Frau

Frau Briegmann traf ich vorgestern Nacht am wermelskirchener Bahnhof. Sie saß auf einer Bank, schluchzte leise das Wort “Ausverkauf” vor sich hin, und klang wie ein mit Haaren verstopfter Abfluss, der die letzten Schlucke lauwarmen Duschwassers zu sich nimmt. Ich gesellte mich zu ihr und reichte ihr mit leicht mitleidigem Blick mein “Lukas”-Fan-Taschentuch, das ich am Tag zuvor in einem Lukas-Devotionalienshop in Walmenroth erstanden hatte. Der Gedanke, daß die Gattin des Universal-Bosses den gestickten Namen des kleinen bremeraner Wichtigtuers Popstarmachers mit Tränen und Rotz benetzte, erfüllte mich mit zynischem Kribbeln in der Darmgegend. “Sie sind doch Frau Briegemann, oder? Ist alles ok bei Ihnen?” fragte ich mit sanfter Stimme, die in solchen Momenten immer ein wenig nach Kermit auf Methadon klingt. Frau Briegemann gurgelte in schweren Worten: “Wissen Sie, ich kenne Sie ja nicht, aber ich erzähl Ihnen das trotz…”. Sie schnäuzte noch mal beherzt ins Hilbert-Tuch. Mein Verdauungstrakt zog sich ruckartig zusammen, als wolle er signalisieren, daß er die Situation ziemlich scheiße findet. “…dem. Mein Frank hat gestern in einem Wutanfall mein Laptop zertrümmert. Er war der Meinung, ich würde diese komischen Dinger da, wie heißen die noch mal, diese Dinger, mit denen er Geld verdienen will…” - “MP3!?”, vervollständigte ich. - “…ja, genau, diese MP3-Dinger für’s Handy, diese Klingeltöne. Er meinte, ich würde die kostenlos ins Netz stellen, um ihn zu ruinieren. Er meinte, ich wäre schuld daran, daß die Verkaufszahlen für Klingeltöne wieder rückläufig wären. Und dann hat er ein frisches Filetsteak aus dem Kühlschrank genommen, es zwischen mein Ibook geklemmt, und Günther zugeworfen! Wissen Sie, wie sich das anhört, wenn ein hormonbehandelter Mastino auf ein Laptop beisst?” Ich verzog ungläubig mein Gesicht, und für einen Moment fühlte es sich an, als wollten meine Augenbrauen meine Nasenspitze berühren. “Wissen Sie, ich finde das so undankbar von diesem Tier. Ich meine jetzt nicht den Hund. Ich hab damals diesen wichtigtuer Renner dazu bewogen, den Laden zu schmeissen, Ich habe meinem Mann die ganzen Tipps gegeben, ich hab ihn auf Schnappi und so gebracht, ich hab ihn darauf gebracht, daß man mit sowas ganz schnell ganz viel Geld verdienen kann, ich hab ihn auch immer beraten, wenn es um seine Klamotten ging. Früher hat der immer bei C&A eingekauft, das müssen Sie sich mal vorstellen. Und dann werde ich mit Undank bestraft, nur weil ich ein wenig im I-Tunes-Shop rumgestöbert hab, um an die neue Judas Priest-Platte zu kommen. Wissen Sie, wie man sich da als Ehefrau fühlt, wenn man so abserviert wird? Deshalb bin ich jetzt hier, durchgebrannt, auf dem Weg nach Köln Vingst, wo meine Schwester Klaus wohnt.” Ich schüttelte leise den Kopf, während mein Verdauungstrakt mittels eines Blubbergeräusches kurzzeitig an der Identität von Frau Briegmann und an der Realität dieser ganzen Situation zweifelte. Die Gedanken prallten wie Hagelkörner gegen die Innenseite meiner Schädeldecke: Wieso vertrage ich keine Burger mehr? Sind Mastinos in Deutschland nicht verboten? Wieviel Millionen wird das Taschentuch bei Ebay wert sein? Und wer ist eigentlich Klaus? Ich spannte meinen inneren Regenschirm auf, legte meine Hand auf Frau Briegemanns Schulter, und sagte bedächtig: “Frau Briegemann, behalten Sie das Taschentuch. Sie werden es noch gut gebrauchen können.”

Google-Suche: Wie heisst George W. Bush mit vornamen

Parabolantenne.

Google-Suche: pinkeln draussen

Kann man machen. Es hängt aber immer davon ab, wo man es macht. In U-Bahnen ist es nicht so gut, denn das ist nicht draussen, sondern drinnen. Man kann aber aussteigen, und dann an der U-Bahnhaltestelle auf die Gleise pinkeln. Ein unheimlich spannendes Gefühl.

Google-Suche: welche songs sind am besten von lukas-hilbert

Hier die zehn Lukas Hilbert-Essentials:

Tree Wave - “Sleep”
Q and not U - “LAX”
Pavement - “Spit on a stranger”
Les Georges Leningrad - “Supa Doopa”
Cubanate - “Isolation”
Alec Empire - “Vertigo”
Von Spar - “Eine Herde von Sparschweinen will gefüttert werden”
Gustav - “Da am Monopol”
Ellen Allien - “Magma”
Turbonegro - “Stay Free”
Maximo Park - “I want you to stay”
Shivaree - “I got all black”

(Komischerwiese Deckungsgleich mit meiner “Fuck die Sonntage im Büro”-Playlist. Bin ich ein Hilbert-Fanboi?).

Google-Suche: kochen mit sperma

Kann man machen, bringt aber nix. Ich spreche da nicht aus Erfahrung, vermute aber, das Sperma wegen des hohen Wasseranteils einfach verdampft, wenn es in den Kochtopf kommt. Dennoch, ein 5-Sterne-Koch wird sicherlich Anregungen und Rezepte zum Thema haben. Ich denke da an kulinarische Raffinessen wie “Cock au vin” oder “Pochiertes Ei auf Toast mit Kraeutersabayon”.

Google-Suche: mein penis mich “lukas hilbert”

Mein Penis was? Erinnert mich an? Hilbert? Sicher, mir schwirren gerade ein Dutzend Assoziationen in meiner blechernen Abteilung zwischen linkem und rechtem Ohr rum, aber ich will jetzt nicht wieder auf Kleinwuchs und solchen Sachen rumreiten. Kleiner Tipp: Trina fragen.

Google-Suche: tiere sehen gleich aus wie popstars

Hmmmm? Stimmt!

Google-Suche: vom hund hart gefickt worden

Das ist das falsche Blog für solche Anfragen. Ich hab von sowas keine Ahnung. Aber die werte Frau Lu hat da mal was mit einer Fellfratze namens Walter gehabt. In aller Öffentlichkeit. Disgusting und so.

Parallelen entdecken.

Diese Irrungen und Wirrungen in und um Bloghausen geben mir allmählich zu denken. Die Tatsache, daß mich irgendein Witzbold im “Volle Pulle Mallorca”-Newsletter angemeldet hat, auch.

Rehlein.

Vorgestern hier im Agenturgarten, Herr Rehbock, anscheinend völlig verwirrtes Tier, mitten in der Innenstadt, bei mir vor’m Fenster. Ich hatte kurzzeitig überlegt, den Grill anzuschmeissen, aber irgendwie war es dann doch noch ein wenig zu kalt für lecker Wild vom Grill. Stattdessen den Förster angerufen, der das Tier jedoch nicht fangen konnte, weil es er entweder zu alt, oder Kollege Reh zu schnell war.

Mittlerweile hat Rehbock die anliegende Hauptstrasse überquert, und sich im Garten eines benachbarten Ateliers niedergelassen. Was eine ziemlich skurrile Geschichte nach sich zog: Der derzeitig dort arbeitende Künstler, ein alter Herr mit grauem Bart, massivem Alkoholproblem und furchtbarer Ehefrau, bereitet gerade eine Ausstellung mit dem Titel “Rehinkarnation” vor, was jetzt kein schlechter Freakshow-Witz ist. Die Arbeiten sehen mehrere Rehköpfe vor, die warholesque eingefärbt sind, und von einem Portrait irgend eines verstorbenen Prominenten flankiert werden. Oder so ähnlich.

So oder so: Seit gestern Frage ich mich, wer hier den größeren Dachschaden hat. Ein Rehbock, der sich ausgerechnet in der Woche der Siegener Ikea-Eröffnung in die Innenstadt verirrt, oder ein rehinkarnierender Künstler, der jetzt seit vorgestern irgendwas von Schicksal, Fügung, Schicksal, Gott, Fügung und Reh faselt. Verkehrte Welt…

Apopos: Herr Schmerles, wie alt mag das Tier sein?

So.

“na also, irgendwann is a friedn, is a ruah.” (Herr le teil)

Herrn Schmerles

hat’s böse erwischt.