Aus dem Tagebuch eines Rehbocks.
Und zwar dem da seins.
Montag
Ich bin seit heute Nachmittag sowas von dicht, das geht auf keine Kuhhaut! Gerda, meine liebste Ricke, hatte mir eben noch eine leckere Futterstelle gezeigt, und ab da flogen dann die Federn aus der Kiste. Gut, vielleicht hätte ich meine Hufen von diesen komischen Pilzen lassen sollen. Aber Gerda meinte, die würden hammermässig reinknallen. Und jetzt fahre ich hier einen Trip nach dem anderen. Irgendwie gar nicht mal so übel. Hab dann gerade eben noch Streß mit Ludwig dem Keiler bekommen, weil ich ihn dumme Sau genannt hab. Aber auf Droge sehen nun mal alle Schweine gleich aus.
Dienstag
Verkatert aufgewacht, erstmal an den Waldrand gedackelt und bei diesen komischen Öko-Typen aus der Siedlung das ganze Dope weggefressen. Jetzt geht’s mir wesentlich besser. Nachmittags dann überlegt, ob ich mit Gernot noch mal einen Ausflug zur Autobahn mache. Der Unfall, den wir da letztens provoziert haben, war schon ziemlich klasse. Aber Gernot wollte nicht, hatte wohl zu viel Schiss. Vielleicht sollte ich mal alleine einen Ausflug machen, oder gleich Urlaub - die ganzen Niederwild-Spiesser gehen mir mittlerweile sowieso nur noch auf die Nüsse, da kann ich vielleicht auch mal gucken, was in der Stadt so abgeht. Zumal die Drogen da auch wesentlich besser sind als diese Scheißpilze hier im Wald.
Mittwoch
Heute ganz früh losgezogen, damit meine Ricke nix mitbekommt. Hab auf halber Strecke an der alten Grillhütte eine Kiste Oettinger gefunden. Erstmal leergemacht, danach war zumindest das Zittern weg. Nachmittags dann das erste mal bis zum Stadtrand gelaufen, dort über den kleinen Fluß gehüpft. Bin dann in einem Garten gelandet, wo so ein Idiot anscheinend Kunst mit Rehen macht, und das ganze “Rehinkarnation” nennt. Ziemlich abgefahrenes Zeug, ich glaub, der ist auch auf Drogen. Der kam dann gleich rausgerannt, und hat Fotos von mir gemacht, und irgendwas mit Gott gefaselt. Ich hab dann einen auf Model gemacht, mich ein bisschen in der Sonne geräkelt. Hat mächtig Eindruck geschunden. Später dann, bei Nachteinbruch, hab ich noch ein paar Landstreichern den Dornkaat weggesoffen, das haben die gar nicht gerafft. Der eine faselte nur was von wegen “Ich glaub ich trink zu viel. Sieht Du den Bock auch?”. Menschen sind ja so doof. Ich bleib hier erstmal für länger. Scheint ein amüsanter Urlaub zu werden.
Donnerstag
Ich glaube, das war kein Dornkaat, sondern irgendwas härteres. Ich hab nämlich die Orientierung verloren. Bin erstmal den ganzen Tag liegen geblieben, hab mich dann Nachmittags in so einem komischen Kleingarten verlaufen, wo ein Grill stand. Hatte zuerst gehofft, daß da auch was mit Bier geht, weil die Typen vom angrenzenden Büro schon ziemlichversoffen aussahen, aber war wohl nix. Irgendwie vermisse ich die Pilze aus’m Wald. Abends dann nochmal bei dem Künstlertypen vorbeigeschaut, und ihm vor die Tür gepinkelt. Wahrscheinlich denkt der jetzt, daß sei göttliche Fügung. Vielleicht verstecke ich mich im Müllcontainer vor seiner Haustür, mal schauen, ob die Pumpe von dem Alten so einen Schrecken abkann.
Freitag
Hab in der Mülltonne gepennt. Der Typ hat dann tatsächlich die Klappe aufgemacht, und ich dann so “Buh!”, und anstatt daß der Typ umfällt, zieht der doch glatt sein Handy, und ruft bei der Lokalpresse an. Bin dann sofort abgehauen, wieder zu diesen komischen Alkis mit dem Großraumbüro. Die hatten diesen Grill immer noch draussen stehen, da gab’s aber nix zu essen. Langsam geht bei mir der Entzug los. Hab dann aber zum Glück eine Dose Sprühkleber in der Nähe des Grills gefunden, und mir das ganze Zeug erstmal reingezogen. Danach waren zumindest die Kopfschmerzen weg. Hab mich dann zum sonnen in den anliegenden Garten der Caritas gelegt. Irgendwann war’s jedoch nur noch Stress: So komische Öko-Vollhorste vom Tierheim tauchten auf, und wollten Fangen spielen. Aber bevor die mich kriegen, erschiess ich mich lieber selbst - ich hab nämlich gelesen, daß es bei denen nur vegetarischen Mist zu fressen gibt, und da mach ich garantiert nicht mit. Was für ein verkackter Urlaub: Kein Sex, nur schlechte Drogen, und dann auch noch sowas.
Samstag
Ich hab die Tierheimfuzzis erfolgreich ausgetrickst: Bin in den Garten von diesem bekloppten Künstler gesprungen, und hab mich dort tot gestellt. Der Typ bekam daraufhin endlich den erwünschten Schreck und hat dann angefangen, mit der Schrotflinte auf die Tierheimfuzzis loszugehen, weil der denen die Schuld dafür gibt, daß ich “von Gott gesandter Bock” jetzt nicht mehr bin. Das war vielleicht ein Spaß. Nachmittags dann einen kleinen Ausfluf Richtung Stadtkrankenhaus gemacht, und dort einen alten Müllbehälter mit abgelaufenen Medikamenten gefunden. Knallte zuerst ganz gut, hab ich aber erst gemerkt, als ich mich an eine Bushaltestelle gestellt habe, weil ich mit der Linie 7 zurück in den Wald wollte. Die Aktion war wohl nicht so cool: Drei Unfälle mit Totalschaden. Bin dann schnell weg, zurück zu diesem Großraumbürogarten, und hab da in den Grill gekotzt. Vielleicht sollte ich wieder nach Hause - das schockt hier nicht mehr so, und morgen is ja auch Skatabend.
Sonntag
Auf dem Rückweg nach Hause noch mal bei den Ökohippies vorbei, und da noch was von dem Dope gefressen. Herrlich, endlich wieder richtiges Gras. Unterwegs ein Eichhörnchen getroffen, das mir erzählt hat, daß die Siegener Lokalpresse völlig durchdrehen würde, weil ein Rehbock in der Innenstadt aufgetaucht wäre. Kann mich nicht dran erinnern, einen gesehen zu haben. Is aber auch egal. Später dann noch ein paar Pilze reingeknallt und mit Gerda eine Nummer geschoben, war ziemlich langweilig, aber besser als nix. Skatabend war auch dröge, die Jungs sind halt eben alles Spiesser. Nieder mit dem Niederwild! Vielleicht sollte ich überlegen, in die Stadt umzusiedeln….


22. Juni 2005 um 09:48
Tagebuch eines Rehbocks
Herr Shhhh schreibt von den Erlebnissen eines Rehbocks:
Montag
Ich bin seit heute Nachmittag sowas von dicht, das geht auf keine Kuhhaut! Gerda, meine liebste Ricke, hatte mir eben noch eine leckere Futterstelle gezeigt, und ab da flogen dann die Fed…
22. Juni 2005 um 10:10
Rehinkarnation
Zugegeben, da ich aus der gleichen Stadt wie Herr Shhhh komme, kann ich
22. Juni 2005 um 10:13
[...] se im Profil und Österreich ist ganz normal faschistoid, oder so… Jedenfalls: Das da hat mich aber doch zum lachen gebracht und ist aus deutscher Fed [...]
22. Juni 2005 um 11:42
[...] ratur. popkultur. ich.
und sonst so?
Herr Shhh in Topform: “Aus dem Tagebuch eines Rehbocks.” Unbedingt lesen!
Poste [...]
23. Juni 2005 um 17:41
mehr lachen war diesen monat nicht … und wenn der ösi das gut findet hab ich normalerweise nen spontanantireflex … diesmal nicht. der bock macht bock auf mehr.