Ein offener Brief an den chemischen Prozess in meinem Körper, der durch übermässigem Verzehr von fleischlichem Grillgut und schlechttemperiertem Bier in den späten Nachtstunden eingeleitet wird.

Lieber chemische Prozess in meinem Körper, der durch übermässigem Verzehr von fleischlichem Grillgut und schlechttemperiertem Bier in den späten Nachtstunden eingeleitet wird,

ich find Dich zum kotzen. Das meine ich ernst. Ich kann trinken wie ein Specht und rauchen wie ein Schlot, und es ist nichts von Dir zu spüren. Aber wenn ich als bekennender Carnivore dann wegen dringender Überstunden in einer absoluten Stressituation völlig ausgehungert auf die Kombination von frisch zubereitetem Grillgut und warmem Bier zurückgreifen muß, tauchst Du nachts auf, und raubst mir den Schlaf. So wie gestern. Ja, ich gebe ja zu, daß es nicht gerade vernünftig von mir ist, in knapp 14 Stunden Arbeitszeit nur eine Birne, ein bisschen Knäckebrot mit Käse, eine Nuss-Frucht-Mischung und ein paar Kekse zu mir zu nehmen. Und ja, dann um 22 Uhr beim im Garten grillenden Kollegen einen prall gefüllten Teller mit Grillwaren (Wurst und Huhn) abzugreifen, das ganze relativ hastig runterzuschlingen und mit 2 oder 3, oder vielleicht auch 4 Bieren wegzuspülen ist natürlich auch nicht gerade die feine Art mit seinem Körper umzugehen. Aber ich bin der festen Überzeugung, daß ich das darf, wenn ich den ganzen Tag auf einen Monitor starre, und mich um Jobs kümmern muß, die ich vor ein paar Jahren nichtmal mit der Kneifzange angefasst hätte. Wie sang man damals so schön: Ein bisschen Spaß muß sein! Aber Deine blosse Existenz ist kein Spaß: nicht nur, daß ich mich heute wie ein drei mal gemangelter Biber auf Valium fühle, nein, ich hatte auch noch eine wirklich ekelerregende Nacht, die ich allein Dir zu verdanken habe. Die Sache mit dem Albtraum, in dem meine Eltern an einem Pokertisch sitzend mit Wolfgang Clement erst um meine Seele, und dann um mein Musikequipment zocken, und beide Partien haushoch verlieren, während dessen ich quasi mit dem Kopf aus der Tischplatte ragend einfach nur anteilnahmslos zuschauen darf, nehme ich Dir wirklich übel. Daß ich allein deshalb heute früh 2 mal aus dem Bett fiel, als mein Vater im Traum aus Wut über die Niederlage den Tisch umtrat, auch!

Allein deshalb möchte ich folgendes loswerden: Du bist ein mieser, übler, stinkender Zeitgenosse, und ich kann Dich überhaupt nicht leiden, Du Drecksau. Laß Dich hier ja nicht wieder blicken, sonst bewerfe ich Dich mit glühende Kohlen und Bohre Dir mit einem rostigen Nagel Löcher ins Knie, Du alte Scheißschnappe!

Liebe Grüße,

Herr Shhhh.

p.s. Bis nachher!


 
 
 

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