Montagshybride

Stell Dir vor, die Arcade Fires, Broken Social Scenes und Postal Services dieser Welt würden zusammen Musik machen. Nur noch viel nerdiger. Dann hiessen sie bestimmt The Most Serene Republic und klängen so.

Stell Dir vor, die Arcade Fires, Broken Social Scenes und Postal Services dieser Welt würden zusammen Musik machen. Nur noch viel nerdiger. Dann hiessen sie bestimmt The Most Serene Republic und klängen so.
Alle Nichtbetroffenen: Gezz bitt mal kurz weglesen!
Liebe Strategen von Kiss the Frog, allen voran K.H. aka “Vollprofi”,
schade, daß Ihr Euer super passwortgeschütztes “Intranet”-Forum dicht gemacht habt. Ich hatte in den letzten Wochen wirklich einen Heidenspaß, klammheimlich Euer neidzerfressenes, waschweibermässiges Gebashe in unsere/meine und diverse mir bekannte Richtungen mitzuverfolgen – ohne daß Ihr etwas davon mitbekommt. Und mich regelmässig Einzunässen, über so viel geballte Überheblichkeit, bescherte mir so manch heitere Stunde zwischen der ganzen Nasepopelei im tristen, erfolglosen Provinzalltag. Zwischenzeitlich hatte ich sogar überlegt, bei Euch zu posten. Vielleicht sowas wie “Buuuh!”, oder “Erwischt!” oder “K., willst Du in Deiner Funktion als betagter Erfolgsproduzent nicht unsere nächste Platte machen?”. Aber das hätte mir dann doch den Spaß verdorben, den ich beim Lesen hatte. Den hatten viele andere übrigens auch, denn ich hab unverschämterweise den Link zu Eurem super passwortgeschützen Forum an ganz viele Menschen weitergeleitet – auch an die, über die Ihr so viel zu mosern hattet. Ja, ich weiß, das ist so ein teeniemässiges Ding, so’n bißschen Intrigant, und normalerweise macht man sowas nicht, keine feine Art und so. Aber irgendwie war da in mir plötzlich so eine diffuse Waschweiberlaune, so eine Mischung aus Falling Downscher Rachsucht und intriganter Schulhofmentalität, mit der Ihr mich angesteckt habt. Ich musste es einfach tun, so wie ich Morgens zum Beispiel auch immer Pinkeln muß, oder generell nie auf eines Euerer Konzerte gehen würde. Oder eben auch wachweibermässiges “Bandbashing” nicht hinter vorgehaltener Hand betreiben würde. Das lässt man entweder ganz, und quittiert seinen Unmut mit einem freundlichen Lächeln, oder macht es vorne raus, direkt ins Gesicht, ohne Passwort – und nicht hinterum, und dann so tun als wenn nix wär. Ich weiß, dafür braucht man Eier, die habt ihr vielleicht nicht, aber ich kann Euch da gerne Nachhilfe geben: deshalb an dieser Stelle, mal ganz offen raus und aus vollem Herzen, und vor allem unbekannterweise, denn wirklich kennen tun wir uns nicht die Bohne: K.H., Du 180BPM-Balladenmeister, viel Erfolg für die Zukunft, auch an Deine Kollegen! Mit der Einstellung kommt man garantiert weiter, echt gezz!
Oder kurz gesagt: Fuck you!
Alles Liebe,
“Der Keyboader, oder wie man das nennt, was der da macht.”
jetzt auch mit Nebensätzen!
Ernsthaft, den Mann sollte man nur knieend lesen, der muß mehr schreiben.

I want your soul | I will eat your soul | I want your soul | I will eat your soul | I want your soul | I will eat your soul | I want your soul | I will eat your soul | come to daddy | come to daddy | come to daddy | come to daddy | come to daddy | come to daddy | come to daddy | come to daddy

Keine Ahnung, woher dieser Fanboyismus, also die überschwängliche, bisweilen auch hysterisch anmutende Schwärmerei für Dinge-und-Diverses-mit-Musik-drin herkommt, aber ich bin nunmal so, mein Umfeld muß damit klarkommen, und wäre ich/es/dem nicht so, wäre ich wahrscheinlich tot oder taub oder jemand anders. Oder alles drei zusammen.
Die mitunter extremsten Fanboymomente stellen sich bei mir immer dann ein, wenn es um Bands mit Frauen hinter kleinen Keyboards geht. Was wahrscheinlich daran liegt, daß ich eine Art Bands-mit-Frauen-hinter-kleinen-Keyboards-Fetisch habe. Was jedoch nicht heißt, daß mich Bands mit Frauen hinter kleinen Keyboards sexuell erregen. Vielleicht, wenn man das Wort “heiß” irgendwo einfügen würde, aber generell nicht. Mit einer Ausnahme: Metric. Was jetzt nicht der Name der Frau hinter dem kleinen Keyboard, sondern der Name der Band ist, die mich jedesmal auf’s neue in den persönlichen Überfanboy-Modus versetzt.
Den kanadischen Vierer mit extrem heisser Frontfrau am zu kleinen Keyboard entdeckte ich vor rund zwei Jahren durch einen zufälligen Fehlklick, in einer Situation akuter Netzblindheit. Ich glaube zumindest, daß ich nicht explizit bei Google nach Bands mit Frauen hinter zu kleinen Keyboards gesucht habe, sondern stattdessen Bilder mit Sommerblumen und sowas herausgoogeln wollte, um meine romatische Seite zu fördern. Und da stieß ich dann auf Emily Haines, die Frontfrau mit der Stimme wie warmer Waffelteig, auf ihre im Hintergrund verständlicherweise verblassende Band Metric und auf den heimlichen Clubhit “Dead Disco”, der mich von da an nicht mehr losließ, und auch heute noch dazu taugt, mich innerhalb weniger Sekunden vom lethargischen Bürosesselwarmhalter zum wild rumhopsenden Partyrüpel zu verwandeln. Wie würde man das heute so schön sagen: “Dead Disco” geht immer! Und wer den in gutturale Untiefen hinabfallenden “Lalalalala”-Part am Ende des Refrains mal lauthals, kehlig und tumb mitgegröhlt hat, kann vielleicht verstehen, was ich meine.
Die dazugehörige, mittlerweile 2 Jahre alte Platte “Old World Underground, Where Are You Now” zählt zu meinen Lieblingsdingern, und rattert trotz anfänglicher Startschwierigkeiten – die darin begründet lagen, daß Frau Haines nunmal keine einfachen Popsongs schreiben kann – immer noch in regelmässigen Abständen durch meinen akustischen Hormonhaushalt. Und unabhängig von den für mich immer größer werdenden Songs ist es auch Emily Haines selbst, die mich jedesmal aufs neue erschüttert, zum Schwitzen bringt, pheromonell überfordert, und regelrecht anmacht. Andere Kinder reagieren auf Porneux oder Süssigkeiten oder Sachen mit Füssen, ich reagiere auf Emily, ihre muppethaften Bewegungen in zu knappen, schwarzen Kleidchen und ihren zu kleinen Roland Juno, den sie bei Konzerten bisweilen ähnlich liebevoll malträtiert, wie meine Landsmänner frischen Pizzateig. So oberflächlich das klingen mag: für dieses Stück würde ich alles stehen und liegen lassen, und damit meine ich jetzt nicht den Roland Juno.
Aber statt die überfanboyhafte Liebe eines pampeligen, schwülstig rumtippenden, in der Vollprovinz versauernden Italieners zu erwiedern, hat Frau Haines lieber ein neues Album aufgenommen – was vielleicht auch besser ist, denn was sollte ich schon mit einer Frau mit lustigen Haaren, in zu knappem schwarzem Kleidchen, die sich wie ein Muppet bewegt, den ganzen Tag an einem zu kleinen Keyboard rumdreht und zwischendurch Sachen wie “Who we are now we will always be, the best haircuts are taken” von sich gibt, anfangen? Gut, ich würde den ganzen Tag staunend und vielleicht auch sexuell vor ihr knien, aber das kann’s ja auf Dauer nicht sein. Dann doch lieber über “Live it out” freuen, den neuen Metric-Longplayer, der sich wesentlich rougher und unzugänglicher als sein Vorgänger gibt, aber unter der harten Schale wunderbar schmackhaftes Songfruchtfleisch offenbart, das man am liebsten sofort in edle Porzellanbehältnisse Einwecken und in Feinkostgeschäften teuer verkaufen würde. Wenn man nicht selbst schön längst süchtig nach der täglichen Dosis Metric wäre. My prrrrecious und so.
Ach ja, erwähnte ich, daß ich Metric liebe? Share the ungeteilte love und so, deshalb mal was zum saugen, denn vielleicht gibt es ja Menschen, die verstehen, warum:
Metric - Dead Disco (aus dem Album “Old world underground, where are you now“)
Metric - Patriarch on a Vespa (aus dem Album “Live it out“)
Und ja, richtig gesehen, beide Platten gibt es nur als Import, was daran liegt, daß Deutschland in Sachen Musik sehr doof ist.
Ich bin leichtgläubig. Manchmal auch naiv. Beides zusammen ergibt eine wirklich herzzerreissend dämliche Unbedarftheit, die ich seit meiner Kindheit mit mir rumschleppe, und die ich mir glücklicherweise immer dann als solche zurecht legen kann, wenn ich mich wirklich richtig, richtig doof anstelle – frei nach dem Motto: ich kann nix dafür, ich bin so. Das war zum Beispiel damals der Fall, als ich als kleiner Knirps im Italienurlaub Ziegenköttel aß, weil mir jemand erzählte, das seien Bonbons. Oder später, als ich unsere Hausschildkröte Max in den Backofen steckte, weil ich dachte, ihr sei kalt. Warum sollte sich das Tier sich auch sonst in seinen Panzer verkriechen? Oder noch später, als meine italienische Cousine meine Hand in ihren Schlüpfer steckte, weil man das beim Mittagsschlaf angeblich so macht.
Heute, in Zeiten wo ich mir eigentlich recht sicher bin, nicht mehr ganz so doof zu sein, wundert es mich dann doch, wie doof ich tatsächlich bin. Gemessen an der Naivität, mit der ich bis einschließlich letzter Woche völlig ignoriert habe, daß meine neuen, vor ein paar Monaten eingezogenen Nachbarn next door vielleicht etwas ganz anderes sein könnten, als laute, schlaflose Asiaten mit regem Besuchsaufkommen, muß ich tatsächlich verdammt doof sein. Besonders erschreckend: mit meiner anscheinend angeborenen Doofheit kann ich mir tatsächlich alles irgendwie so zurecht legen, daß es harmlos ist. Zum Beispiel das rote, unentwegt brennende Flurlicht. Wenn man billige Chinarestaurants kennt, weiß man, daß Kitsch dort irgendwie Pop ist, und genau so kam mir das auch mit der roten Funzel vor – in China macht man das anscheinend so. Der oft omnipräsente Geruch nach Hygieneartikeln und vollgekackten Windeln? Wahrscheinlich ein kinderreicher Haushalt! Die Typen, die einem zu jeder erdenklichen Tages- und Nachtzeit im Flur begegnen, und verschämt nach unten schauen, wenn man sie höflich grüßt? Mit Sicherheit später Besuch, wahrscheinlich auch immer die selbe Person, denn ich kann mir ja nur schwer Gesichter merken.
Wie doof man wirklich ist, wird einem spätestens dann bewusst, wenn man erste Vermutungen hegt – irgendwann waren die Gesichter der Herren im Flur doch zu unterschiedlich, und stündlicher Besuch zur Nachtzeit erschien mir auf Dauer auch etwas suspekt – und vorsichtig bei seiner Vermieterin anfragt. Und siehe da, die asiatischen Nachbarn mit den vielen Kindern und den vielen Freunden und den Schlafproblemen sind tatsächlich Betreiber eines Studenhotels. Mitten in der pulsierenden Innenstadt, zwischen Bank und Bäckerei, direkt neben meiner Haustür, offen für alle, und laut meiner stets informierten Vermieterin mit monatlich wechselndem “Angebot” – das gerade Mittags heißbegehrt zu sein scheint, wenn die Herren Banker im Nebengebäude für eine Stunde den Stift zur Seite legen.
Apropos legen: Ich glaube, ich lege mir einen neuen Fotoapparat zu. Nicht das ich was gegen das älteste Gewerbe der Welt oder die dazugehörige Kundschaft hätte. Aber freundlich zurück Grüssen ist ja wohl nicht zu viel verlangt, meine Herren!

The Yeah Yeah Yeahs - Down Boy
Keine weiteren Informationen darüber, wie das Wochenende war. Nur so viel: Bestimmte Dinge NIE WIEDER!