Monatsarchiv für Oktober 2005

 
 

Kurze Rückmeldung…

…für die sexy Leserschaft: Ich lebe noch, wenn auch nur unter Notstrom. Kurz zusammengefasst bestanden die letzten 5 Tage aus Serverexplosionen (ernsthaft – was ein verstopfter Lüfter alles anrichten kann…), Kollision mit Abgabeterminen, 2 durchgearbeiteten Nächten, diversem privatem Streß, einem halben Nervenzusammenbruch, 2 halben Ohrfeigen wegen Sozio-Inkompatibilität, Rückmeldungen aus Emo-Land, verspatzen Köln und Berlinterminen, Hitler-Kebab, frisurenschaulaufenden Medienplanern, Dart unter 16jährigen Vollspaten, Koma. Jetzt gerade etwas Licht am Ende des Tunnels, wobei noch nicht klar ist, ob das nicht doch der ICE Obersalzberg ist, der mir da entgegenkommt. Mehr später.

p.s. Schönster Satz der letzten 48 Stunden: “Durch den Monsun!? DANN GEH DOCH!”

Wer repariert sowas?

Diese inneren Regungen, dieses Aufzucken, dieses, wie nennt man es gleich noch, dieses Verliebtsein, die Sache mit den Schmetterlingen oder Ratten oder Planeten im Bauch – das hab ich nicht mehr. In jemanden verlieben? Nein. Ich kann nicht sagen, warum das bei mir so ist, ich kann höchstens vage andeuten, wann da was auf der Strecke geblieben ist.

Ich bin nicht emotionslos. Ich kann mich in Dinge verlieben, in Momente, in Musik, in die herausgekotzten Emotionen anderer. Ich hab bei Barfuss geheult, so peinlich das sein mag, weil ich die Idee einer völlig unschuldigen, unvorbelasteten Liebe einfach rührend fand. Aber auf mich selbst kann ich das nicht mehr ummünzen, dafür bin ich zu ramponiert, dafür hab ich schon zu sehr geliebt, aufrichtig und unaufrichtig, dafür weiß ich zumindest für mich selbst, daß das Dinge sind, die so nicht noch mal passieren, und die auch nur passiert sind, weil es keine echten Emotionen, sondern Emotions-Essenzen waren. Konzentrierte Gefühle. Das was übrig bleibt, wenn man die Realität ausschaltet. Wenn man mit dem Verkehrschaos im Bauch völlig vergisst, das drumherum auch noch was ist. Mein Drumherum ist mir in den letzten Jahren bitterlich bewusst geworden. Ein üppiges Drumherum, manchmal buntgefiedert, faszinierend, schrill und laut, manchmal einfach nur morbide und niederschmetternd. Auch Ekelerregend. Deshalb die Sache mit dem Weltekel.

Ich hab mich von diesem Drumherum nicht einwickeln lassen. Ich bin hingestossen worden. Das letzte mal, als ich noch so richtig verliebt war, mit allem drum und dran. Da hab ich mich fast selbst in die Realität prügeln lassen, weil ich bis auf diese idiotischen Schmetterlinge oder Ratten oder Planeten nichts anderes mehr im Bauch hatte. Und erst recht nichts im Kopf. Vielleicht war das einfach zu viel. Zu viel Verliebtsein. Emotional überfressen – so wie die Jungs um Michel Piccoli in “Das große Fressen”. Aber mit mehr Gefühl, nicht mit Essen. Zu viel Burger oder Apfelkuchen mit Sahne oder Mayonnaise, da hat man dann doch irgendwann auch die Schnauze voll von. So ähnlich ist das bei diesen Herzensdingen, bei diesen Sachen, die in der Seele weh tun, auch wenn sie noch so schön sind. Kann ich nicht. Will ich nicht. Mag ich nicht. Keine bewusste Abkehr. Eher ein reflexartigiges Zucken, so wie man bei unvorbereiteren Bauchpieksern zusammenzuckt. Oder bei dem Anblick meiner im Bademantel durch das Treppenhaus tapernden, 87jährigen Nachbarin. Kein richtiger Ekel, eher ein “ich will das nicht sehen”-Gefühl.

Ich hab einen funktionsuntüchtigen Gebrauchtwagen im Bauch. Macht mich das zu einem schlechten Menschen?

Premium Sekretärinnen-Blogger-Content:

Die Podkatz:

Neues aus dem Neurosenbaukasten.

Unterdrückte-Rufnummer-Phobie: Dieses unglaublich ungute Gefühl, daß sich nur dann einstellt, wenn jemand (Satan? Stoiber? Sportfreunde Siegen?) seine Rufnummer unterdrückt. Es können nur unlautere Absichten dahinter stecken, und allein deshalb kann ich den Anruf nicht annehmen.

Buntgetränke-Phobie: Dickflüssige, offensichtlich chemisch gefärbte, alkoholhaltige Getränke lösen bei mmir schon beim Aanblick einen Brechreiz aus. Liköre sind das Crack unter den Volksdrogen.

Snaredrum-Phobie: Dieser wie auch immer begründete Drang, bei zu lauten Snaredrumschlägen die Augenlider reflexartig zusammenzukneifen. Verschwindet grundsätzlich, wenn der Rest der Musikinstrumente einsetzt.

Rolltreppen- und sonstige stromschlagerzeugende Geländer-Phobie: Dieser fast schon übervorsichtige Kontrollgriff, weil man befürchtet, eine “gewischt” zu bekommen. Meistens bekommt man dann auch eine gewischt. Kommt manchmal auch bei Autotüren vor.

Blaue Briefumschläge-Phobie: Die Deutsche Bank ist Satans Zweigstelle auf Erden. Die Musikindustrie auch, aber die verschicken keine Kontoauszüge und Rückbuchungen.

Das eigene Alter vergeht nicht mit den Jahren, sondern mit den Erstsemester-Jahrgängen, denen man plötzlich begegnet.

Leben in einer friedlichen neuen Welt.

Was vom Wochenende übrig blieb…

Skandinavien: Immer wieder. Dank Herrn Waldar El Video und Epo-555 gesehen. Gerade letztere entpuppten sich als würdige My Bloody Valentine-Nachfolger. Auch gut: Fotos aus I can’t relax in Du bist Deutschland. Scheiße zu googlen, aber wunderbar zu belauschen.

Wortekel: Menschen die Relaunch wie “relohnsch” aussprechen.

Hausnummern in Köln: Zwischen 30 und 127 liegen gerade mal 50 Meter. Ich dachte zuerst, ich hätte ein paar Kilometer gepennt, aber in Köln ist das wohl so.

Indie-Party-Phänomene: Ab einer gewissen Uhrzeit springt plötzlich immer mindestens eine Nase hinter’m Mischpult rum, die Techno auflegt. Immer.

Premium Cola: Schmeckt wie in Sprudelwasser aufgelöste Haribo-Colaflaschen. Und deshalb gar nicht mal so schlecht.

Bands mit Kindern: Ich reg mich gar nicht mehr so sehr über den Teenie-Hype um TH auf, ich hab eher Angst vor den drohenden Klonen. Die kommen. Bald. Bestimmt.

Zeugen Jehovas: Heute Früh auf dem Weg zur Arbeit die liebevoll illustrierte Publikation “Leben in einer friedlichen neuen Welt” in die Hand gedrückt bekommen. Zuerst angewidert reagiert, mich dann aber über die wirklich hübsch gezeichnete kunterbunte Herbstlandschaft gefreut, mit Rehlein und Waldsee drauf, und glücklichen Famielen, die allen ernstes Löwen, Tiger und Bären streicheln.

File under:

Shhhhurveillance | Big Brother is watching you | I can’t relax in the Dorfdisko | Wann zur Hölle war das denn bitte?

Wieso…

…sollte man andere so behandeln, wie man gerne selber behandelt werden möchte, wenn man zum Beispiel Sadist oder Masochist ist?

Dialog zweier 14jähriger, Bravo- oder Popcorn-lesender, weiblicher Popmusikfans,

(früher auch Backfische genannt), die sich eben beim chinesischen Schnellimbiss einen Tisch mit mir teilten.

(Nicht gefaked, tatsächlich so aufgeschnappt, während ich versuchte, einen Teller gebratene Nudeln zügig zu verschlingen, und gleichzeitig mit einem Kollegen über Diversifikation im darbenden Tonträgereinzelhandel sinnierte. Bandnamen abgekürzt, da Angst vor Google!)

Backfisch 1: Ach. wie geil, da guck mal, TH, die sind ja so geil.
Backfisch 2: Ja, find ich auch, der Bill und der Tom und der Gustav und der andere.
Backfisch 1: Ja, beim Comet waren die auch so geil.
Backfisch 2: Ja, mit den Preisen, Supercomet.
Backfisch 1: Und bei TV Total auch, richtig geil.
Backfisch 2: Ja, geil. Richtig gerockt.
Backfisch 1: Ja, wie beim Comet. Hast Du das gesehen, wie böse US 5 gekuckt haben, als TH den Newcomer-Cometen gekriegt haben? Geil, oder?
Backfisch 2: Ja, ist doch gut wenn die böse gucken. Zurecht. Die haben den ja auch verdient. Und US 5 eh scheisse, mit den Frisuren. Die sind doch schwul.
(…)
Backfisch 1: Du, guck mal der Typ da drüben, mit den langen Haaren, ist das ein Junge oder ein Mädchen?
Backfisch 2: Das ist ein Junge. Aber mit den langen Haaren… der versucht doch nur den Bill nachzumachen.
Backfisch 1: Den kann keiner nachmachen, der ist zu geil.
Backfisch 2: Ja, aber der find den bestimmt auch geil.
Backfisch 1: Ja, das sieht aber bestimmt schwul aus, wenn der sich schminkt.
Backfisch 2: Ja, ausser bei Bill, da ist das geil.
(…)

Nachtrag: Kurz danach das Bedürfnis verspürt, mich als Vorbeugemaßnahme sterilisieren zu lassen.

5 Dinge, die ich eher tun würde, als mir eine Preisverleihung der deutschen Musikindustrie anzuschauen:

Ausprobieren, wieviel Legosteine ich schlucken kann, ohne kotzen zu müssen.

Einen 5 Euro-Schein in drei ungleiche Teile zerreissen.

Früh Aufstehen und Joggen gehen.

Eine Darmspiegelung machen.

Von einem Balkon stürzen.