
Weihnachtszeit, Listenzeit - oder umgekehrt, ist ja auch egal. Weil dieses Jahr ja irgendwie das Jahr der Neuentdeckungen war (für mich zumindest), und ich gerade im Moment auch nicht weiß, ob das jetzt der innere Jauch ist, der aus mir raus will, oder das abgelaufene Grippostad C in meinem Körper einfach nur ganz bescheuerte Nebenwirkungen verursacht, versuche ich mich ab heute mal dazu zu zwingen, in den kommenden Wochen jeweils Freitags eine Art subjektive Jahres-Charts zu posten. Gut, die anderen Kollegen machen das garantiert auch, aber Internet is ja eh nix individuelles, sondern alles nur so geklauter Kram. Und Apropos geklaut:
“10 Songs, die mir 2005 irgendwie länger hängen geblieben sind” – hier als Download.
1. NMFarner - Was wollen
Das war für mich eine ziemlich große Überraschung – zum einen sind mir NMFarner 2004 völlig entgangen, obwohl ich die CD hier die ganze Zeit rumliegen hatte, zum anderen habe ich erst nach 180fachem Hördurchgang entdeckt, wie großartig der Track “Was wollen” ist. Mal ernsthaft, das Teil hat diesen wunderbaren Spannungsbogen, und wenn man erstmal nach 3 Minuten “Was wollen diese Leute hier”-Genöhle so weichgekocht ist, daß man am liebsten Amok laufen würde, kommt ja erst der große Gag. Funktioniert bei mir wahrscheinlich in 10 Jahren noch, ja, da bin ich einfach gestrickt.
2. Roman - I found love
Dem Herrn Waldar sei da mal herzlichst gedankt, denn ohne ihn hätte ich diese kleine Songperle gar nicht entdeckt. Ist irgendwie Überkitsch, und ich könnte wohl auch nie einen Song schreiben, in dem die Zeile “I found love down my balls” vorkommt, aber wenn ich das höre, muß ich immer Grinsen, und mit immer meine ich auch immer, und ich bin ja gerade wieder in diesem Verknallt-Modus, und da passt das halt r…. Ach, komm, egal, die Nummer ist super.
3. Ted Leo R/X - Little Dawn
Der kleine Ben Stiller für den Punk in Dir liegt mir ja schon seit ein paar Jahren ganz doll am Herzen, und wenn mich mein Zeitempfinden nicht trügt, hatt ioch ja dieses Jahr die große Gelegenheit, Herrn Leo live zu sehen und ihm sogar die kleinen Gitarristenhändchen zu schütteln. Und ja, wenn es jemanden gibt, der Dich – egal ob Du Baggypants, Emo-Frisur, Scooter-Puschen oder P&C-Plusterware trägst – einnimmt, rumwirbelt und angefixt wieder ausspuckt, dann ist das Ted Leo. Mit egal welchem Song von egal welcher Platte. Nur der hier, der eine, der hat diesen Refrain, dieses Schlagbohrerhafte, diese Hymne für alle Überdrehten dieser Welt. Deshalb lieb ich diesen Song. Auch 2005.
4. The Rakes - Retreat (Phones Remix)
The Rakes fand ich eher schwach. Das war sicherlich eines der verzichtbarsten Debüts des Jahres, und ich weiß, daß ich mit dieser Aussage sicherlich ein paar Indie-Kindern auf die Deichmann-Beschuhten Füßschen trete. Ist mir aber egal. Trotzdem kam aus der Ecke ein persönliches Highlight: Der Phones Remix zu “Retreat” bescherte mir auf meinem mp3-Dings so manch amüsanten Einkauf beim Discounter, und wenn man den Text hört, und in der Kassenschlange zwischen den ganzen ehrlichen Menschen steht, weiß man auch, warum so ein Mix, den eigentlich keiner braucht, so wunderbar funktioniert.
5. Broken Social Scene - 7/4 (Shoreline)
Ich las heute irgendwo, daß man BSC jetzt als Neo-Psychedelica kategorisiert, weil das ja nach Musik von Drogenkonsumenten für Drogenkonsumenten klingt. Find ich nicht. Wenn man die erste Auskopplung aus einem meiner Lieblings-Alben 2005 hört, denkt man nicht an Drogen, sondern an das, was man 2005 ganz oft gedacht hat: Scheisse, was sind die Kanadier immer gut. Ich will auch Kanadier sein.
6. The Yeah Yeah Yeahs - Down Boy (Live at Filmore)
Ja, ja, die anderen Kinder haben die Band schon 2003 in ihr Herz geschlossen, ich erst 2004, und dann noch mal so richtig, so fanboy-mässig 2005, obwohl da ja nix neues veröffentlich wurde. Aber da hat man eben noch den Back-Katalog durchgestöbert, und da stiess ich irgendwann auf die YYY-DVD und auf die zauberhaft trashige Live-Version von “Down Boy” und seither ist das einer meiner absoluten Lieblingssongs. Einer von diesen Songs, die man 100 mal am Stück hört, und dann noch mal so oft, und dann immer wieder ergriffen ist, wenn man sie noch mal und noch mal hört. Und dann diese Orgel (obwohl ich Orgeln nicht mag), und dieses Riff, und Karen O., und überhaupt, das muß man einfach mögen, das ist so ein Ding, daß sich irgendwo für immer in in die Gehörgänge tätowiert.
7. Juliet - Would you mind
Eine kleine Peinlichkeit muß ja in solchen Listen immer dabei sein, und Juliet war 2005 sicherlich eine meiner kleinen persönlichen Peinlichkeiten, weil das Ding ja Dancefloor und House und sowas ist. Aber ich mag die Art wie das schlaksige Etwas in diesem Song lasziv verstörend vor sich hinhaucht, ich mag diese zerschnippelte Bassgitarre, ich mag das Gefühl hinter der Nummer, ich mag den Gedanken, wenn jemand schmutzige Sex in meinem Kopf haben will, und Juliet will das definitiv – das weiß ich einfach, wenn ich den Song höre.
8. Hund am Strand - Erklär mir die Welt
Die drei entzückenden Hunde waren bei mir ein Spätzünder, aber ich hab sie zum Glück nicht verpasst, und das ist gut so. Gut ist auch, daß “Erklär mir die Welt” mich inhaltlich berührt hat, weil mir die Haltung dahinter sehr vertraut ist, von wegen Verzweifelt verliebt oder nicht oder doch oder was. Definitiv einer der Songs, die man seiner Liebe auf die Compilation packen sollte. Nur so als Tipp.
9. Metric - Patriarch on a Vespa
Keine überflüssigen Erklärungen hier. Ich hab Metric vor zwei Jahren entdeckt, vor einem Jahr gerne gemocht, und 2005 geliebt. Und das hier, trotz der klar femministischen Perspektive, mit ich mich als ausgewiesener Gockel ja nicht unbedingt identifizieren kann, ganz besonders. Weil: “Aha-ahaha…”
10. Morrissey - There’s a light that never goes out (Live at Earl’s Court)
Ich weiß nicht, in welcher musikalischen Teergrube mein Kopf steckte, als die Smiths gerade groß waren, aber ich hab definitiv was verpasst – und glücklicherweise 2005 die Möglichkeit gehabt, Musikhistorie aufzuarbeiten, weil mich liebe Menschen sachte an Morrisseys Live-DVD ranführten. Der erste Song, der mich sofort berührte, war dieser hier – wohl die größte Liebeserklärung, die man einem Menschen machen kann. Und mmittlerweile ist das ab einer gewissen Uhrzeit mit ganz bestimmten Menschen der Gröhl-Song schlechthin. Doubledeckerbus und so…