Du erkennst mich am debilen Lächeln.
(Achtung, massivste Eigenwerbung!)
Hallo die Damen und Herren,
als Bassist Discobrede heute früh die verklebten Äuglein öffnete, spürte er tief im inneren seines Verdauungstraktes, das irgendwas anders was als sonst. Er erhob sich von seiner samtseidigen Gesundheitsmatratze, streckte und reckte sich kurz, und erschrack – seine Finger machten nicht das, was er wollte. Sie verharrten stocksteif in gichtiger Position, so als hätte man sie in der Nacht zuvor mit einer Überdosis von Omas Hemdkragenstärke eingesprüht.
Bingobrede erhob sich mit irritiert wackeligem Gang aus seinem Schlafgemach, trottete durch den aus Wettspielen und Plattenverkäufen finanzierten Flur, der die größe einer arabischen Reitsporthalle hatte, und betrat das karmesinfarbene Wohnzimmer, welches Dank seiner überdimensionierten Kristallglasfenster erleuchtet war wie die Abflughalle des JFK-Airports in New York.
Er blickte hinaus, ließ seinen lasziv verstörten Blick über die sinnlich geformten Hügellandschaften der Provinz schweifen, und wusste plötzlich, warum seine Finger heute mal nicht fingern wollten: Es war kalt in Deutschland. Verfickt arschkalt, wie man bei uns Musiker zu sagen pflegt. So kalt, daß selbst die profilierten Finger eines Dingobredes keine Abdrücke auf dem Griffbrett seiner mit Platin und Juwelen versetzen Bassgitarre hinterlassen würden.
Discobredo drehte sich vom Fenster weg, blickte in den Raum, und rief mit bebender, schroffer, dumpfer, herrschender Stimme: “Telefon! Kachelmann!”. Der von seiner letzten Gage finanzierte Bequemlichkeitscomputer setzte sich mit einem digitalen Klickern und Klackern in Bewegung, und wählte eine schweizer Nummer - unterdessen schlurfte der gefrorene Bassmann Richtung Badehalle, um seine weiche Haut mit eine wenig warmen Wasser zu benetzen.
“Kachelmann?” dröhnte es aus den Lautsprechern der Dolby Sorround 28.1 Freisprechanlage, als Discodromo gerade auf der goldenen Schüssel saß, um das zu erledigen, was ein Mann mit Talent am Bass morgens nun mal zu erledigen hat. “Jörch, bistdudas!?” hallte es aus des Bassisten Mund, und es klang wie Quellwasser, das samtweich auf den gekachelten Fußboden perlt. “Jawohl, ich!” antwortete der bärtige Schweizer Wettermann aus den Lautsprechern. Discomann holte tief Luft, und setzte mit donnernder Stimme und heruntergelassenen Hosen an: “Hömma, Du Arsch, mach sofort die Temperatur da draussen wieder auf normal. Meine Pfoten sind wegen Deiner Wetterkacke eingefroren, und ich muß heute noch üben, da ich am 14.1. mit den beiden Arschlöchern ein Konzert spiele…”
“Kann ich nicht, lieber Disco…”, antwortete der Kachelmann. “Nicht so, nicht wenn Du so schroff und böse und gemein und herrisch und mürrisch bist. Denn heute ist…”
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…heute ist nicht irgend ein Tag. So wie Bill Murray seinen Murmeltiertag oder Harry Weijnfort den Tag hatte, als er entdeckte, daß “Der Preis ist heiss!” eine Arbeitsmaßnahme der deutschen Butterfahrten-Industrie ist, haben wir heute den Tag des Lächelns. Denn ab heute ist das Les Mercredis-Debüt-Album “Lächeln kostet extra” im gutsortierten Tonträgerfachhandel erhältlich (wenn nicht im Regal unter “Bassistenpop mit Grössenwahn” dann garantiert bestellbar). Also überall und nirgendwo.
Wem der Gang zum Plattenmann zu umständlich ist, oder wer vermeintliche Versprecher vermeiden will, wenn er nach der Platte fragt, der kann auch ganz bequem online und so. Zum Beispiel bei WOM, JPC, unserer Labelseite, beim Vertrieb und vielleicht sonst wo, da kann man auch mal das Google-Orakel befragen, das hat ja immer Antwort auf alles, auch auf Wetterfragen.
Und wer auf Covergedöns und physikalischen Tonträger verzichten kann, also lieber den Spirit der Festplatte beschwören will, der darf in den kommenden Tagen auch mal bei Finetunes, Musicload und im Itunes-Shop stöbern – da gibt’s zwar im Moment noch nix, aber die entzückende Labelpraktikantin und Hauszofe André hat gesagt, daß das ab kommender Woche auch mit diesen neumodischen, digital signierten MP3-Dingern geht, und zwar für vergünstigte 8.99 Euro, was für 14 Songs irgendwie so gut wie nix ist – vorallem wenn man mal drüber nachdenkt, wie viel Strom, Kippen, Bier, BiFi und zwischenmenschliche Katastrophen in dieses Album geflossen sind.
Um das ganze Debakel abzurunden, machen wir am 14.1. die Nach-Release-Sause, und zwar gleich doppelt. Zum einen im Siegener VEB (Schleifmühlchen), bei einem Soli-Konzert zu Gunsten einer karitativen Geschichte, die nix mit dem exzessiven Lebensstil unseres Bassisten zu tun hat, und ein paar Minuten später dann in der Siegener furcht:bar, oder jetzt auch Vortex Club gennant (Weidenau, Bahnhof), wo der Herr Wied und ich, also der Herr Shhhh, also ich, getreu dem Motto “Es gibt keine Scheissmusik, es gibt nur Leute, die nicht mipm Ahsch dazu wackeln können!” die liebsten Lieblingsplatten auflegen, und zwar im stündlichen Wechsel, damit wir das mit dem Arschwackeln auch stundenweise vormachen können. Und Herr Discobredo-Bassist ist die ganze Zeit zugegen, und beantwortet gerne alle Fragen, zum beispiel auch, woher er den Kachelmann kennt, und warum der Klang auf seinem Klo so phänomenal ist.
Und bevor ich jetzt überhaupt kein Ende mehr finde: Danke an alle, die uns in den letzten 3 1/2 Jahren geholfen haben. Kauft die Platte, die ist für Euch!
Gruß,
Herrr Shhhh.


10. Januar 2006 um 11:40
Na dann. Ich habe mich ja schon das ein oder andere mal lobend über Ihrem Werk entleert. Sie tun zwar nur Ihre Pflicht; dennoch: Glück, Glanz, Vergnügen und drei rasierte Schweine. Sie wissen schon.
10. Januar 2006 um 12:20
ich wünsche ihnen noch drei rasierte eichhörner plus eine handvoll rehböcke mit vokuhila dazu. und dass ihre namen in leuchtenden buchstaben über ihrer kleinen provinzstadt leuchten werden und dann über alle indieclubs dieser republik, inklusive einem der etablissements dieser stadt. aber nur, wenn sie mir mal erklären, was aus dem selbstbetrug geworden ist. das geht ja gar nicht, dass diese perle fehlt, also echt jetzt.
aber sonst: merci und erfolg und etc und so. sie rocken, sie und sie alle drei. freu mich für sie. sie wissen schon.
10. Januar 2006 um 12:28
Der Selbstbetrug war zu unfertig für die Platte, für den gibt es größere Pläne, das haben Sie schon richtig vermutet.
Der Bock ist übrigens von uns gegangen, um das mal im Nachsatz anzumerken. Entweder den harten Siegener Winter oder eine harte Siegener Stoßstange nicht überstanden, man weiß es nicht genau. Gespenstisch ist nur, daß es den symbiotisch veranlagten Künstler gestern auch erwischt hat. Wohl nichts dramatisches, aber Krankenhaus. Das Schicksal ist brünftig, könnte man meinen.
10. Januar 2006 um 12:29
Und nachträglich Danke für die kuschelige Besprechung – sie werden noch gelinkt…
10. Januar 2006 um 12:59
PR-Aktion
“Kachelmann?” dr
10. Januar 2006 um 18:24
Ich wollte ja auch immer schon mal so´n Noiseprojekt machen, so stumpfy bumpfy Industrialkloppe. Und mich dann “Jörg Krachelmann” nennen. Aber das nur nebenbei. Bis sie den Link auf lm anpassen. :p
11. Januar 2006 um 14:38
Der Bock ist weg?? Shocking!
Jetzt ist die Provinz tot.
Haben Sie schon ein Bandmaskottchen? Vielleicht mit gelben/grünen/blauen Hörnern?
Und natürlich Glückwunsch zu dieser “jetzt aber endgültigen” Geburt des Albums.
Wurd’ abba auch Zeit, ey!
12. Januar 2006 um 21:57
Ja, hier, ich, auch: Glückwunsch zur Platte, der Herr. Ist zwar garnicht meine Musik, aber die Leistung, ja, die find ich gut. So das Machen jetz’. Hut ab, ne echt jetz’.
Aber das Schreiben nicht vergessen bitte. Die Kontinuität ist momentan nämlich arg am Torkeln hier. Ich mein’ ja nur. Sie würden meiner Lektüre fehlen. Schüss.
13. Januar 2006 um 00:55
Ich bekomme oft Mails und Anrufe, in denen Menschen fragen, welche Musik ich gespielt hätte, sie wollten sich das auch besorgen weil es ihnen gut gefallen hätte. Bei euch fragen sie jedesmal.
14. Januar 2006 um 14:51
[...] Großartig und nochmal Danke, Herr Shhhh.. (Im Moment läuft grade »Mindestens haltbar«, bei dessen Remix ich grandios versagte. Aber Ihr könnt das eh viel besser!) [...]
16. Januar 2006 um 17:02
WAS FÜR EIGENWERBUNG??? hehehehe….
sie sollten mal ein Buch schreiben Herr S-mit-vier-ha
so als Undergroundmusiker erntet man doch nix….außer mit ganz viel EIGENWERBUNG