Da kann man ja sagen was man will, aber wenn so Jungspunde erst im März ein Album in Deutschland veröffentlichen, und an einem Montag im Februar dann trotzdem gefühlte 200 Menschen und Kinder (und solche, die es noch werden wollen), das Kölner Underground füllen, um We Are Scientists zu sehen, dann liegt das am Internetz. Web 1.0 oder Web 2.0, egal. Ein Montag im vollen Underground, mit lauter Downloadern, das kann ja nix sein. Alle kleinkriminell, meint man.
Was ich erst auf der Hinfahrt mitbekommen hatte: Vorband “Planetakis”. Aua! Ich kannte die Demos, ich hab das Album zur Review vorliegen, und ich find die Sache immer noch nicht gut. Der Abschied von Angelika Express war ein wirklich trauriger, gerade in Bezug auf das erste Album, das meiner Meinung nach immer noch eine der tollsten Deutschgaragenrockplatten der mir bekannten, manchmal recht buntbekloppten Welt ist. Und so sehr ich mich auf das Nebenprojekt (Bachmann-Djerjinski)-Overschmidt der Angelika-Rhythmusgruppe freue, so sehr hege ich mittlerweile eine Abneigung gegen all that is Planetakis. Das ist irgendwo herzlos hingeschludert, irgendwie fast schon billig, so nach dem Motto: Wir haben zwar keine Ahnung von Elektronik, aber Diskopunk ist ja gerade cool, deshalb machen wir das. Merkt man. Ich hab generell nichts dagegen, wenn Nichtelektroniker plötzlich die Erleuchtung in der Elektronik finden – das gibt’s häufig, da kommen auch tolle Sachen bei rum und raus, das ist ja wie mit Koch-Anfängern, die plötzlich Spaß dran haben, einem eine perfekte Cremé Bruleé um die Ohren zu schmieren. Aber bei Planetakis merkt man, dass das alles irgendwie herz- und lieblos zusammengekleckert ist, so mal eben schnell gemacht for a possible Fame, der schnelle Euro mit wenig Aufwand, Instant-Mousse, hauptsache bissken Sex drin, dann verkauft sich das von alleine. Aber: Alesis-Workstations (”…ich hätte gern ein Keyboard, das alles kann und einfach zu bedienen ist!”) sind nicht sexy, schon gar nicht auf der Bühne, da hat ein pinkfarbenes Bügelbrett mehr Seele, und dementsprechend ist die Sache dann auch live mindestens so unbeseelt wie das dazugehörige Album. Aprés-Ski-Hits aus Kölle-Hölle (”Wir geh’n ins Hotel!”), mit ein bisschen Gezicke drin, mehr war und ist das nicht! Und jeder, der Planetakis ernsthaft etwas abgewinnen kann, möge mir die bitteren Worte verzeihen, sich dann aber noch mal an Angelika Express oder wahlweise elektrischen Vorlagen wie Robots in Disguise, Adult, Mediengruppe Telekommander oder gar den Loosern von Les Mercredis abarbeiten, um rauszufinden, wie man sowas mit wesentlich mehr Seele macht.
Kaum 30 Minuten und zwei Kölsch später hoppelten dann diese drei schlotterigen Jungspunde namens We Are Scientists auf die Bühne, um – wie der hinter mir stehende Herr Waldar so schön attestierte – ein Medley runterzunudeln. Muß man sich dann auch mal fragen, wie das sein kann, dass das Semi-Debüt “With Love And Squalor” so ein all-killer-no-filler-Ding ist, und in der Live-Umsetzung nicht wesentlich anders klingt. Und überhaupt, so gut die Platte nebst Band auch ist, live wirkt das alles etwas zu glatt runtergenudelt, zu hundert Mal gemacht – man verspürte in gewissen Momenten sogar eine gewisse Lustlosigkeit bei der Band, was sicherlich am ausschweifenden Terminplan der drei Herren aus Brooklyn liegt, und nichts mit einer generellen Einstellung wie beispielsweise bei den überperfektionistischen Hard-Fi zu tun hat. War aber alles egal, denn die Songs sind einfach gut, und Knaller wie “Inaction”, “It’s a hit” oder das längst bekannte “Nobody move, nobody get hurt” überzeugen auch den skeptischsten Bühnen-Analysten vom Pop-Punk-Potential der dreifachen Merkwürdigkeit aus Amerikalalaland.
Was mich persönlich nur störte: Wenn man mal auf der WAS-Website stöbert, den Newsletter abonniert, und sich das ganze Image der Band mal genüsslich auf der Zunge zergehen lässt, stellt sich zwangsläufig dauerhaftes Schmunzeln ein. Denn die Jungs haben einen recht schrägen, streckenweise fast schon anbetungswürdigen Humor. Letzterererer hatte aber leider Hausverbot im Underground, respektive vielleicht sogar karnevalsbedingtes Einflugverbot in Köln: Die Scientologen waren unlustig wie ein Gedichtband über passierte Tomaten, was neben dem Hit-Runtergespule und den wirklich mickrigen Entertainment-Einlagen zwischendrin auch dazu geführt haben mag, daß man das Konzert zwar für einen Montag ganz gut, generell aber nicht superdupergut fand. Kann ja sein, daß das bei der Kuttner heute Abend um 21 Uhr wieder anders ist, aber gestern war’s dann doch eher ein Montagskonzert. Ein gutes, dennoch. (Auch ärgerlich, aber nur am Rande bemerkt: Die haben ja coole T-Shirts, die Jungs, aber warum kostet das auf Konzerten dann gleich 20 Euro, währenddessen ich den Kram auf der Homepage für 12 Dollar bekomme!? Verdient Labels Deutschland etwa auch am Merchandise, oder kompensieren die damit den durch die einleitend erwähnten Kleinkriminellen verursachten Download-Schaden?)
Später dann nach einzwei Flaschenbieren noch festgestellt, daß das Underground den Nebenraum zur Räucherstäbchenduft-geschwängerten Kifferhölle mit Sitzkissen und Dub-DJ umgebaut hat – was ja für einige Zeitgenossen ganz charmant sein mag, aber mir persönlich dann doch zu viel Klischee. Danke noch mal an Herrn Waldar, der es sich nicht nehmen ließ, den Kiffkindern meine Feststellung in den Raum zu brüllen: “Ihr seid genauso langweilig wie Eure Eltern!”. Soviel zum Thema Entertainment. Montag halt.