Monatsarchiv für Februar 2006

 
 

Les Mercreshirts.

Kurze Werbe-Einblendung in ganz, ganz eigener Sache.

Ich wollt’s nur mal erwähnt haben, für alle, die da in den letzten Wochen so nach geschrieen haben: auf lm.liebtnurdich.de gibt’s jetzt auch les merch. Vorläufig nur in begrenzter Auswahl, und im wahrsten Sinne des Wortes auch kaum CD-Konform, weil der Erfinder von Freehand sein Programm so geschrieben hat, dass es grundsätzlich nicht das macht, was ich will, schon gar nicht mit meiner Handschrift. Aber immerhin tragbar und auf Stoff gedruckt. 50 Prozent der Ware passt ideal zu Becks-Bier-Flaschen und schwarzen Spex-Buttons – das war Absicht, ich will die Sachen ja auch alle tragen. Und nein, der Erlös geht nicht in neues Bier, sondern in ein neues Album, das gerade in der Mache ist. Arbeitstitel: “Irgendwas mit roten Knöpfen und rhythmisch drauf rumdrücken”. Wahlweise auch “Der Anstand der Wahrnehmung”, aber so verkopft sind wir auch 2006 noch nicht.

Gruß und Kuss (wohin Du ihn haben willst),

1/3 Les Mercredis.

Dieses Gefühl…

…den ganzen Tag zu arbeiten, und doch nichts zu schaffen.

…, daß die Yeah Yeah Yeahs jetzt endlich die Wandlung zu Siouxsie & The Banshees V. 2.0 vollzogen haben (und deshalb eigentlich mit ‘Show Your Bones’ ein völlig unnützes Album abliefern).

…, daß das mit dem zweiten Album stimmt, von wegen: in den seltensten Fällen gut. Enttäuschungen heute: Isolée (erste Platte super, zweite klingt wie Arsch).

…, daß der Soundtrack zu Tanz der Vampire (Film, nicht das fucking Musical) absolut unterbewertet ist, wohingegen I (heart) Huckabees ein absolut überbewerteter Mädchenfilm ist.

…, daß sich mit der Tatsache, daß ich klare Suppen anscheinend doch mag, eine Form gedachter, altersadäquater Spießigkeit in mein Leben einschleicht, die ih absolut nicht mag.

…ein Golfball zu sein. Einer von diesen billigen, gelben. Für Anfänger.

…immer hungriger zu werden.

…Dir, ja, genau Dir dieses Jahr tatsächlich mal eine reinhauen zu müssen.

White Rose Movement. Spuck es aus.

WRM

Es war ja klar, dass die Kollegen Popnutten (erwähnte ich eigentlich, daß der Puff nebenan kürzlich das Klingelschild “Thai-Massage” gegen das Klingelschild “Urlaub” ausgetauscht hat, und die Herren jetzt immer bei mir Schellen, weil ich so eine weiblich anmutende Handschrift habe?)… ähhhh… wie war der Einstieg jetzt noch mal?

Ah, ja, die geliebten Popnutten waren schon letzten Oktober an den britischen White Rose Movement dran, sogar mit Aufforderung, mich des Themas anzunehmen. Wenn ich mich noch recht erinnere, hat mich das Thema aber zu der Zeit nicht interessiert, weil ich den Namen doof fand – das geht mir meistens so bei polit-historisch motivierten Bandnamen, da hab ich dann immer so ein ungutes Gefühl in der Darmgegend; gestern erst wieder, als ich den Bandaufkleber “Nazi Dürüm” gesehen hab. Da will ich wirklich nicht wissen, wie das wohl klingt.

Unabhängig davon: Veröffentlichungstermin für “Kick”, das schillernde, neonleuchtende, selbstnivellierende Betondebüt von WRM, ist ja sowieso erst der 27. März. Da muß man dann auch mal ein wenig Geduld aufbringen – ist ja noch Zeit, bis der Hype losgeht, da bin ich ja selbst jetzt im Februar noch zu früh, wenn ich sag: White Rose Movement kann man mögen. Die Betonung liegt auf “kann”, denn mögen müssen muss man die Herren und Damen nicht. Schon gar nicht, wenn man bei Phrasen wir “Retro”, “New Romantic” oder “So’n bissken Human League, aber mehr wie die erste Interpol, und dann aber auch so deftig Gary Numan drin!” wild zusammenzuckt und “Mama!” ruft.

White Rose Movement sind aber so. Irgendwie kitschbefreite New Romantic-Aufsauger, mit Hang zu schweren, stoischen Beats, zuckersüssem Melancho-Pop und aggressiven Schwermut-Hymnen für den heimischen Bügelnachmittag. Klingt böse, ist aber nett gemeint – denn ich find die gut, diese ganzen DAF, Depeche, Numan und Human League-Zitate, die da frech und unvoreingenommen mit stark gerastertem Postrock-Geballer zusammengekaut und post-adoleszenter Rockrotz-Breitbeinigkeit wieder ausgespuckt werden.

Und um dann der Aufforderung der lieben Popnutten gerecht zu werden: Ja, da ist auch eine Keyboarderin bei, deshalb muß ich das ja mögen. Auch wenn ich zu meiner Schande gestehen muß, daß ich den Umgang mit Bass und Gitarre an dieser Platte eigentlich faszinierender finde, als die berockte Rockbraut am Tastomat. Aber das bin ja auch nur ich, der das so sieht, und ich bin ja auch süchtig nach Dillsenf auf fertig abgepacktem Geflügel-Aufschnitt, hab also per se einen nicht ernstzunehmenden Geschmack – “Idiot Drugs” würden das White Rose Movement nennen.

Apropos “Idiot Drugs”, einfach mal zum reinhören, meine Plattenfavoriten “Deborah Carne” und “Pig Heil Jam” als 14 MB Downloadpaket für die nächste Bügelsession. Aber Achtung: Kann man mögen! Muß man aber nicht.

I are Scientists.

Da kann man ja sagen was man will, aber wenn so Jungspunde erst im März ein Album in Deutschland veröffentlichen, und an einem Montag im Februar dann trotzdem gefühlte 200 Menschen und Kinder (und solche, die es noch werden wollen), das Kölner Underground füllen, um We Are Scientists zu sehen, dann liegt das am Internetz. Web 1.0 oder Web 2.0, egal. Ein Montag im vollen Underground, mit lauter Downloadern, das kann ja nix sein. Alle kleinkriminell, meint man.

Was ich erst auf der Hinfahrt mitbekommen hatte: Vorband “Planetakis”. Aua! Ich kannte die Demos, ich hab das Album zur Review vorliegen, und ich find die Sache immer noch nicht gut. Der Abschied von Angelika Express war ein wirklich trauriger, gerade in Bezug auf das erste Album, das meiner Meinung nach immer noch eine der tollsten Deutschgaragenrockplatten der mir bekannten, manchmal recht buntbekloppten Welt ist. Und so sehr ich mich auf das Nebenprojekt (Bachmann-Djerjinski)-Overschmidt der Angelika-Rhythmusgruppe freue, so sehr hege ich mittlerweile eine Abneigung gegen all that is Planetakis. Das ist irgendwo herzlos hingeschludert, irgendwie fast schon billig, so nach dem Motto: Wir haben zwar keine Ahnung von Elektronik, aber Diskopunk ist ja gerade cool, deshalb machen wir das. Merkt man. Ich hab generell nichts dagegen, wenn Nichtelektroniker plötzlich die Erleuchtung in der Elektronik finden – das gibt’s häufig, da kommen auch tolle Sachen bei rum und raus, das ist ja wie mit Koch-Anfängern, die plötzlich Spaß dran haben, einem eine perfekte Cremé Bruleé um die Ohren zu schmieren. Aber bei Planetakis merkt man, dass das alles irgendwie herz- und lieblos zusammengekleckert ist, so mal eben schnell gemacht for a possible Fame, der schnelle Euro mit wenig Aufwand, Instant-Mousse, hauptsache bissken Sex drin, dann verkauft sich das von alleine. Aber: Alesis-Workstations (”…ich hätte gern ein Keyboard, das alles kann und einfach zu bedienen ist!”) sind nicht sexy, schon gar nicht auf der Bühne, da hat ein pinkfarbenes Bügelbrett mehr Seele, und dementsprechend ist die Sache dann auch live mindestens so unbeseelt wie das dazugehörige Album. Aprés-Ski-Hits aus Kölle-Hölle (”Wir geh’n ins Hotel!”), mit ein bisschen Gezicke drin, mehr war und ist das nicht! Und jeder, der Planetakis ernsthaft etwas abgewinnen kann, möge mir die bitteren Worte verzeihen, sich dann aber noch mal an Angelika Express oder wahlweise elektrischen Vorlagen wie Robots in Disguise, Adult, Mediengruppe Telekommander oder gar den Loosern von Les Mercredis abarbeiten, um rauszufinden, wie man sowas mit wesentlich mehr Seele macht.

Kaum 30 Minuten und zwei Kölsch später hoppelten dann diese drei schlotterigen Jungspunde namens We Are Scientists auf die Bühne, um – wie der hinter mir stehende Herr Waldar so schön attestierte – ein Medley runterzunudeln. Muß man sich dann auch mal fragen, wie das sein kann, dass das Semi-Debüt “With Love And Squalor” so ein all-killer-no-filler-Ding ist, und in der Live-Umsetzung nicht wesentlich anders klingt. Und überhaupt, so gut die Platte nebst Band auch ist, live wirkt das alles etwas zu glatt runtergenudelt, zu hundert Mal gemacht – man verspürte in gewissen Momenten sogar eine gewisse Lustlosigkeit bei der Band, was sicherlich am ausschweifenden Terminplan der drei Herren aus Brooklyn liegt, und nichts mit einer generellen Einstellung wie beispielsweise bei den überperfektionistischen Hard-Fi zu tun hat. War aber alles egal, denn die Songs sind einfach gut, und Knaller wie “Inaction”, “It’s a hit” oder das längst bekannte “Nobody move, nobody get hurt” überzeugen auch den skeptischsten Bühnen-Analysten vom Pop-Punk-Potential der dreifachen Merkwürdigkeit aus Amerikalalaland.

Was mich persönlich nur störte: Wenn man mal auf der WAS-Website stöbert, den Newsletter abonniert, und sich das ganze Image der Band mal genüsslich auf der Zunge zergehen lässt, stellt sich zwangsläufig dauerhaftes Schmunzeln ein. Denn die Jungs haben einen recht schrägen, streckenweise fast schon anbetungswürdigen Humor. Letzterererer hatte aber leider Hausverbot im Underground, respektive vielleicht sogar karnevalsbedingtes Einflugverbot in Köln: Die Scientologen waren unlustig wie ein Gedichtband über passierte Tomaten, was neben dem Hit-Runtergespule und den wirklich mickrigen Entertainment-Einlagen zwischendrin auch dazu geführt haben mag, daß man das Konzert zwar für einen Montag ganz gut, generell aber nicht superdupergut fand. Kann ja sein, daß das bei der Kuttner heute Abend um 21 Uhr wieder anders ist, aber gestern war’s dann doch eher ein Montagskonzert. Ein gutes, dennoch. (Auch ärgerlich, aber nur am Rande bemerkt: Die haben ja coole T-Shirts, die Jungs, aber warum kostet das auf Konzerten dann gleich 20 Euro, währenddessen ich den Kram auf der Homepage für 12 Dollar bekomme!? Verdient Labels Deutschland etwa auch am Merchandise, oder kompensieren die damit den durch die einleitend erwähnten Kleinkriminellen verursachten Download-Schaden?)

Später dann nach einzwei Flaschenbieren noch festgestellt, daß das Underground den Nebenraum zur Räucherstäbchenduft-geschwängerten Kifferhölle mit Sitzkissen und Dub-DJ umgebaut hat – was ja für einige Zeitgenossen ganz charmant sein mag, aber mir persönlich dann doch zu viel Klischee. Danke noch mal an Herrn Waldar, der es sich nicht nehmen ließ, den Kiffkindern meine Feststellung in den Raum zu brüllen: “Ihr seid genauso langweilig wie Eure Eltern!”. Soviel zum Thema Entertainment. Montag halt.

Google antwortet alles.

“…man muss als Punk auch nich stinken oder dreckig sein…”

Drop your pants and say shhhh!

Die entzückenden Kollegen “ Wissenschaftler erklären in Ihrem Internetz, was so faszinierend an Waschbären ist. Auszug:

Racoon

We are Scientist spielen übrigens am kommenden Dienstag bei der Qualle Kuttner im Fernsehen, und sind Montag Abend live im Kölner Underground zu sehen, wo sie vielleicht auch ein wenig mehr über Waschbären und andere Kreaturen berichten werden. Ich bin auch da, trage eine blaue Jeansjacke mit peinlichem Spex-Button, und hab einen gutaussehenden 1.80 m. Waschbären im Arm und ein Kölschglas am Mund. Oder umgekehrt.

Haarlatan.

In Ermangelung alternativer Alternativen zum Disco-Friseur gehen. Der Asi-Disco-Friseurin, der einen da, der mit den 3 Kilo Lipgloss auf den viel zu dünnen Lippen, erklären müssen, was man mit “Das sieht mir aber hinten jetzt viel zu tonsuresque aus” meint. Zu Hause, vor dem Spiegel, im stillen Moment, noch mal über Rechtschutzversicherung nachdenken.

Und

dann immer dieses pseudointellektuelle Getue, diese lyrische Kanarienkotze, diese Beleidigung in Buchstaben. Als habe man nicht schon genug scheisse im Hinterkopf, zum Beispiel den verstopften E-Mail-Zugang, oder dieses bekloppte social netzwerking, oder den Idioten am Telefon, der so tut, als raffe er nix, aber das auch nur tut, weil er denkt, man raffe nix. Mittwoche wie Montage. Schlimm sowas.

Neue Aussprache:

Eben beim Blick auf das kleine Souvenir der wunderbaren TAB-Hamlet-Aufführung gedacht, daß man Hamlet ja jetzt vorsichtshalber auch lieber “Chamlet” ausspricht.

WEB 2.0

ist eine ziemlich hässliche Angelegenheit, meint man.