Monatsarchiv für Februar 2006

 
 

Sonderposten.

Jawoll, die Grippe klopfte heute früh an die Bürotür, setzte sich neben mich, Griff mir beherzt unter den Pulli, kratzte mit spitzen Fingernägeln über meinen Rücken und steckte mich an. Die Sau!

Nachteil: Ich fühl mich wie Katzenkotze.
Vorteil: Jetzt Feierabend machen und Trash-Fernsehen gucken!

Idee.

Du bist Dodgeland.

Ekel, musik-gewordener, Teil 2.

Hat ja auch lange genug gedauert.

Ein netter Leser wies mich heute via E-Mail darauf hin, dass unsere liebsten Magdeburger Goldbärengewinner, die kleinen Racker, deren Namen ich einfach nicht mehr nennen will, die Stimmbruchrocker, dieser letzte Rettungsanker des sicher untergehenden Schrottdampfers “Musikindustrie”, endlich Tour-Nachwuchs bekommen hat. Das ist eigentlich nichts schlimmes, denn es war ja abzusehen, daß da noch was geht, mit dem Dranhängen und Ausschlachten, dem schnellen Aufspringen auf den fahrenden Zug. Das wär also im Prinzip auch gar keine Zeile Blogeintrag wert, wenn die Mädels, die jetzt das nächste große Plastikpop-Ding werden, nicht Blog 27 hiessen, was mich wiederum ein wenig mit Ekel erfüllt. Diese Art von Ekel, die man zum Beispiel auch spürt, wenn man beim Autofahren Focus liest.

Mindestens genauso ekelhaft ist der in Internetz-Hipsprech-kompatible eckige Klammern geschriebene Albumtitel “lol”, der – genau wie die Band – überhaupt nicht zum lol-en ist. Um dem ganzen dann noch das letzte Häubchen abgelaufene Sahne aufzusetzen: Die Mädels covern. Zum Beispiel so Indie-Punk-Dinger wie Teddybears Sthlm – und da kann man auch mal beherzt den Zeigefinger heben, und die 70er Generation mal fragen, ob die eigentlich noch alle Tassen im Schrank haben, ihre Kinder so zu verhunzen, und denen dann auch noch Coverversionen von haschrauchenden Punkomanen aus Vermont in die kleinen, zahnbespangten Münder zu legen.

Die machen vor garnix mehr halt, die von der Industrie. Ich dachte eigentlich, daß mit Caninus, der wohl ersten und einzigen “Pitbull-Grindcore”-Band der Welt, das Ende der Geschmacklosigkeit erreicht sei. Dann kamen die Magdeburger. Und jetzt das.

Manchmal, an so merkwürdigen Tagen wie diesen, wünschte ich mir, daß man das Internetz besser nicht erfunden hätte. Echt jetzt.
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Nachtrag: Gar nicht auszudenken, was da passieren kann, wenn die Kinder in den kommenden Monaten bei Google nach “Blog” suchen.

Aus der Statistik.

Zuviel!

Ahnenforschung. 1.

Curve

Ich hab eigentlich wichtigeres zu tun. Aber ich muss. Jetzt. Hier. Eine Lanze brechen. Für all that was Curve. Kommt jetzt auch nicht so spontan, denn im Moment durchlebe ich gerade wieder eine schwere Elektronik-Phase, und auch wenn man das in Anbetracht der ganzen Indie-Sachen, die hier normalerweise empfohlen werden, nicht glauben mag: ich bin ein Cutoff-Filter, ich bin OSC3 in Deiner Modulations-Matrix, ich hab mal zeitweilig große Haufen auf Gitarren geschissen; zumindest in jener Phase, die man musikalische Sozialisation nennt – also jene Zeitspanne zwischen erstem feuchtem Traum und letztem, katastrophalen Date. Ich bin von Haus aus Elektroniker. Punkt.

Deshalb, aber auch nur deshalb, kann man vielleicht zwischen den ganzen Neuempfehlungen hier auch mal ein paar Sachen vorstellen, die älter und nicht so bekannt sind, aber vielleicht dennoch gefallen können. Immer voraus gesetzt, man hat ein Faible für musikalische Verknüpfungen – und ich unterstelle mal, dass das ein paar Leute hier haben. Also, mit neuer Rubrik zurück zum Thema…

Auf der Suche nach neuen Mustern, Einflüssen, Nährböden für subtile Plagiarismen (Ja, richtig, man arbeitet an einem neuen Album!), stiess ich zwischen all den Cabaret Voltaires und Throbbing Gristles mal wieder auf Curve. Zufällig. Wie immer. Die guten, alten Curve, die sich irgendwann Mitte der 90er eigentlich aufgelöst, dann doch nicht aufgelöst, dann nur noch Schrott rausgebracht, und letztes Jahr um diese Zeit richtig aufgelöst haben.

Curve waren sowas wie die Schnittstelle zwischen dem ganzen Shoegazer-Kram (hier ja immer wieder genannt: My Bloody Valentine) und Garbage. Man könnte also glatt behaupten, dass Curve irgendwie bei MBV, und Garbage irgendwie bei Curve geklaut haben, aber ganz so einfach ist das dann doch nicht, denn Curve haben bei MBV eigentlich nur die GItarren-Wände geklaut, neu verpackt, und mit schnelleren Beats und düstererererer Atmosphäre vermöbelt, währenddessen Garbage bei Curve eigentlich nur all that is Curve geklaut haben. Bei Curve geklaut hat übrigens auch Nine Inch Nails Trent Reznor, das liegt aber daran, daß NIN-Produzent Alan Moulder, der übrigens auch ganz viele andere Sachen produziert hat (Depeche Mode, U2, Smashing Pumpkins, Soulwax und ganz aktuell The Kills), mit Curve Sängerin Toni Halliday liiert ist. Das wiederum erklärt so ziemlich alle – und alle kann man hier auch mal groß schreiben – also ALLE soundästhetischen Parallelen zwischen oben genannten Bands – My Bloody Valentine mit eingeschlossen, denn auch die hat Herr Moulder damals breitwandig geformt und zu dem gemacht, was sie waren (und als Referenz-Name vielleicht auch noch sind).

Jetzt macht ein Erfolgsproduzent aber noch lange keine Erfolgsband aus, und Curve waren zwar irgendwann Anfang der 90er relativ erfolgreich, aber eben in vielerlei Hinsicht auch zu eigen, zu früh, zu krachig für die damaligen Hörgewohnheiten – also dann doch nicht so erfolgreich, wie beispielsweise ein paar Jahre später Garbage, die unterm Strich das radiofreundlichere eins zu eins-Plagiat darstellten, und so gesehen die poppigeren Curve waren. Das wussten Curve. Das änderte aber nichts. Und deshalb stempelte die britische Fachpresse das meiner Meinung nach wohl beste und eigentlich letzte, richtige Curve-Album “Come Clean” als unterkühlte Neo-Goth-Disko-Parfümage ab. Wer sich jetzt übrigens fragt, was “Parfümage” heißt: Ich weiß es auch nicht, das Wort ist mir gerade eingefallen, aber es passt.

Was danach geschah, war auch wieder das Schicksal des “zu früh seins”. Curve wurden gekickt, gründeten ein eigenes Label, vertrieben Alben als mp3-Kompilationen über ihr eigens gefertigtes Internet, und verschwanden in der Versenkung, weil mp3 2001 einfach noch nicht das richtige Format für Erfolg war (dass das heute klappt, beweisen ja Bands wie Clap Your Hands oder die Arctic Monkeys oft genug).

Apropos “genug”: Um also einfach mal ein bisschen Nachhilfe in Sachen Relevanz zu geben, hab ich hier mal ein paar Curve-Lieblingsdinger zusammengepackt, die man sich rapidsharen kann. Ich warne aber noch mal ausdrücklich: das, was da in dem Ordner schlummert, ist frühneunziger Popkrach, also nichts für die Spex-konforme Indie-Seele oder den gediegenen Altrocker. Mehr so eine Art persönliche Nachhilfe. Vielleicht aber auch das mp3-gewordene Equivalent zum Freitags-Fragebogen. Und ja, falls sich irgendjemand wundert: alle paar Monate höre ich das Zeug tatsächlich ganz gerne. Ich komm von da. Meint man nicht, ist aber so.

Curve von 89 bis 92. Mit Liebe. Von mir.

p.s.: Missing Link war übrigens der Curve-Hit. Inklusive MTV-Airplay. Damals. Das war mindestens 3 Jahre vor Garbage. Um eine von diesen Scheißfloskeln zu bemühen: Denk mal drüber nach!

p.p.s. Und Recovery ist mein Curve-Übersong, aber das sei nur am Rande erwähnt, also ganz unten, da wo es jetzt steht.

Vier gewinnt. Whatever.

Frau Eria schmeisst mir was rüber, muß ich dann natürlich auch machen, ist ja Brauch.

4 Jobs die du in deinem Leben hattest:

Die blödesten: Beate Uhse-Soundtracks, Zeitungsjunge, Texte für Erotik-Hotlines, Kellner.

4 Filme die du immer wieder anschauen kannst:

Tanz der Vampire, Breakfast Club, Ferrys macht blau, Der Exorzist.

4 Orte in denen du gewohnt hast:

Düsseldorf, Kreuztal, Siegen Oberstadt, Siegen Unterstadt.
(Liest sich wie ein sozialer Abstieg.)

4 TV-Serien die du gerne anschaust:

Six Feet Under, Family Guy, nip/tuck, Fawlty Towers.
(Jackass, Harry & Toto und die Lindenstrasse hab ich jetzt bewusst nicht genannt.)

4 Plätze in denen du im Urlaub warst:

Schottland, Türkei, Schweiz, Norden.
(Was ist Urlaub?)

4 Webseiten, die du täglich besuchst:

SpOn, theninhotline.net, tofuhaus.antville.org, div. MP3-Blogs.

4 Deiner Lieblingsessen:

Pizza mit Feta und drei Lagen Spinat, das Jamie Oliver-Ruccola-Steak-Sandwich, Fisch in allen Variationen, Maltesers.

4 Plätze wo du gerne im Augenblick sein möchtest:

Unter, neben, über oder auf N.

4 Blogger die du taggst:

Mal ohne Präferenzen:
Doktor Teilzeitgigant - weil ich den gerade ganz schwer vernachlässige.
Susie Sportraucher - weil der sowieso nie bloggt.
Herrn Zoso - weil der auch 21″-Augen hat.
Herrn Matena - weil der Proto-Blogger ist, es aber nicht weiß.

Erste Sätze von Blogeinträgen, die ich nie schreiben werde.

“Als ich damals der festen Überzeugung war, das die Buchstaben-Kombination “ZV” in Autokennzeichen für “Zivil-Streife” steht…”

“Es war Karneval, und sie zwangen mich in ein Kleid.”

“Alle mir bekannten Namensvettern finde ich irgendwie scheisse.”

“Natürlich hatte ich neben meinem Finger auch schon andere Sache in der Nase!”

“‘Die Herdplatte ist noch heiß!’, sagte sie erschrocken!”

“Kuck mal, wie das riecht!”

“Der eine ist schwul, der andere Kommunalpolitiker, und der dritte gräbt ständig meine Freundin an!”

“Als ich den Schraubdeckel der PET-Bierflasche öffnete, füllte sich die Luft mit dem Geruch von warmer Katzenkotze!”

“Ich war entzückt, als mich Bill Kaulitz weckte.”

“Der letzte Eintrag ist genauso lange her.”