Monatsarchiv für März 2006

 
 

Phonoverband kills Music.

Mal was zum Thema:

Als ich gestern Abend die 32. Privatkopie der aus dem Internet gezogenen Arctic Monkeys-CD zog, um sie als kulturell hochwertigen Mitesser-Ausdrück-Spiegel zu benutzen, fiel mir ein, daß ich mich ja noch gar nicht zu der Geschichte geäussert habe. Von wegen Privatkopie, Kopierschutzknacker, Bagatell-Klausel, beziehungsweise Urheberrecht. Darum ging’s ja eigentlich beim neuen, vom Kabinett verabschiedeten Gesetz. Geistiges Eigentum. Nichts gegen Frau Zypries, ich verstehe vieles, zum Beispiel auch das da, aber generell ist doch diese ganze Urheberrechts-Debatte hausgemachter Unsinn. Allein deshalb, weil der Urheber des geistigen Eigentums, gar nicht gefragt wird, was er denn davon hält. Beziehungsweise in dieser ganzen Geschichte keinerlei Rolle spielt.

Wer hier tatsächlich mit der Holzhammermethode seine Standpunkte durchsetzen will, lässt sich ganz leicht rausfinden, wenn man sich mal die Augen beim geschätzten Deutschen Phonoverband wundliest. Eiskaltes Kotzen. Da steht dann zum Beispiel:

Leider war auch das Jahr 2005 noch kein Jahr der Trendwende für den deutschen Phonomarkt. Zwar setzten sich die starken Umsatzrückgänge der Jahre 2000 bis 2003 nicht fort, dennoch ist der Phonomarkt von Umsatzzuwächsen noch weit entfernt. Der Umsatz laut Verbandsstatistik fiel um 4,6% von 1,572 auf 1,500 Milliarden Euro, der Gesamtumsatz der Branche einschließlich der nicht an der Verbandsstatistik teilnehmenden Firmen immerhin noch um 0,4% von 1,753 auf 1,746 Milliarden Euro.

Ganz dickes Stirnrunzeln. Zum einen, weil hier mit Zahlen jongliert wird, die jegliches Vorstellunsvermögen sprengen. 1,500 Milliarden Euro Umsatz verbucht der Phonoverband in einem Jahr, und das schafft manch ruchloser kolumbianischer Drogenbaron nicht in 10 Jahren. Woraus sich diese Zahl erschliesst, ist mir unbekannt. Wir reden hier aber von Umsätzen, die aus Material generiert werden, dessen Urheber nicht der deutsche Phonoverband, und genauso wenig die daran angeschlossenen Plattenfirmen sind. Will also heißen, der Phonoverband bereichert sich am lebt vom – jetzt mal ganz laienhaft gedacht – Output des Künstlers. Muss davon leben. Das hat zwar fast schon parasitären Charakter, wenn man es so hinstellt, aber es klingt irgendwie logisch. Weiter im Text…

Noch immer sind illegale Musikangebote im Internet und Musikkopien auf Rohlingen ein dominierendes Problem für den legalen Musikmarkt. Vergangenes Jahr wurden laut Brennerstudie der GfK 439 Millionen CD-Äquivalente (CD- und DVD-Rohlinge) und damit 3,5-mal mehr CD-Einheiten mit Musik kopiert als CD-Alben verkauft. Die Zahl von Musikdownloads aus illegalen Internetquellen stieg von 383 (2004) auf 415 Mio. (2005). Wäre die kopierte Musik gekauft worden, hätte sie einen Umsatzwert von rund 6,3 Milliarden Euro gehabt.

Nochmal Stirnrunzeln. “439 Millionen CD-Äquivalente” wurden mit Musik bespielt. Sagt die GFK. Da fragt sich mein innerer Konsument: Woher wissen die das? Vermutlich geht die GFK vom Absatz an Rohlingen aus. Und natürlich kauft man sich Rohlinge nur, um Musik zu brennen. Sagt die GFK. Sagt der Phonoverband. Dass unsereins mittlerweile seinen kompletten mp3-Bestand auf dem Rechner hat, und gegebenenfalls mal was auf seinen mp3-Player schiebt, der Rohling in dem Sinne eigentlich so gut wie gar nicht mehr zum Einsatz kommt, weil das Medium CD als solches im Alltag fast schon obsolet geworden ist, wird dabei gar nicht in Erwägung gezogen. Sicher, es gibt sie noch, die Brenner, aber wie viele sind das denn bitte, die sich ein Original kopieren, wenn sie das Album an sich schon 3 Monate vorher auf dem Rechner haben? Sicher, es ist so oder so ein Delikt, wir reden hier schließlich davon, daß dem Künstler das Zubrot aus der abverkauften CD flöten geht…

…haha! Wenn das denn so wäre! Denn am Verkauf des physikalischen Tonträgers bereichtert sich eigentlich nur die Industrie, und ich kann da mein Liedchen von singen, denn wenn ich meine eigene CD kaufe, zahle ich in bestimmten Läden beispielsweise satte 14.99 Euro. Bei (nicht geistigen) Produktionskosten von knapp 50 Cent und einem von mir festgelegten Händlerabgabepreis von 7.50, hätte ich als Künstler pro Les Mercredis-Album normalerweise 7 Euro Gewinn gemacht. Wenn da nicht noch die Industrie, respektive die Plattenfirma zwischensteckte. Gut, unsere ist kulant, aber den Lohn meiner Arbeit kassiere dennoch nicht wirklich ich, sondern die Industrie. Und was mit den draufgeschlagenen 6.49 Euro passiert, weiß auch nur der Händler Henker. Bei einem normalen Plattenvetrag würde ich pro verkaufter CD vielleicht 1 Euro Gewinn machen. Und selbst die bleiben mir nicht, weil die Plattenfirmen normalerweise ihre Produktionsvorschüse zurück haben wollen. Deshalb werden Live-Konzert zum Beispiel immer teurer, denn von irgendwas muß ich als Künstler ja auch leben, wenn ich mit meinen CDs schon kein Geld verdienen kann.

Wenn man das jetzt mal auf große Abverkäufe ummünzt, kann man also sagen, daß die ganzen Popsternchen eigentlich nur dafür da sind, damit Frank B. von der Universal beispielsweise Abends frisch gezapftes Jever bekommt, und kein PET-Bier aus dem Discounter trinken muß. Damit das so bleibt, werden dann zum Beispiel Acts “gemacht”, und so lange beworben werden, bis der per se schon leicht mürbe Anteil der Bevölkerung willenlos zugreift. Neben Frank B. wollen dann auch noch die alten Säcke (und das sind wirklich alte Säcke!) aus dem Phonoverband Abends ihren teuren Weinbrand trinken, und deshalb werden das immer mehr und immer blödsinnigere Acts und Ideen und was weiß ich, was da tagsüber noch so im Fernsehen vertickt wird. Und die Zermürbungstaktik ist streckenweise so subtil, daß man das nicht wirklich mitbekommt: ich kenne beispielsweise ein Musikmagazin, das zu 95 % von gekauften Inhalten lebt. Da werden streckenweise vierstellige Summen bezahlt, damit ein zweiseitiges Feature besonders lobhudelnd ist. Merkt natürlich keiner. Nennt sich Marketing. Hat aber, wenn wir mal ehrlich sind, nichts mit Musik zu tun.


Manchmal merkt die werte Hörerschaft es aber doch, wir sind ja schliesslich nicht alle komplett doof. Dann stellt sich eine gewisse Übersättigung ein, und es werden weniger CDs gekauft. Irgendwie logisch. Und dann kommt ja noch hinzu, daß die CD als solche ein völlig veraltetes Medium ist. Siehe oben beschriebene Hörgewohnheit. Plus dann noch die Zubomberei mit Formatradiovideo-Inhalten, da ist es einfach nur klar, daß der Tonträgermarkt stagniert, und die legalen mp3-Downloads beispielsweise einen großen Zuwachs haben. Das Alu-Medium ist fast tot. Da die Herren vom Phonoverband jedoch – wie bereits erwähnt – ganz furchtbar alte Säcke sind, und mit dem physikalischen Tonträger nunmal den Weinbrand finanzieren müssen, halten die weiterhin stur an der CD fest – und deshalb steht dann auf der Seite vom Phonoverband zum Beispiel wortwörtlich “dennoch ist der Phonomarkt von Umsatzzuwächsen noch weit entfernt”. Was ja impliziert, daß man fest daran glaubt, daß CDs wieder vermehrt gekauft werden. Oder zumindest was dafür tun will. Im Zweifelsfalle mit Hilfe der Bundesregierung - man ist ja eine starke Lobby mit vierstelligen Millardenumsätzen, und am Eigenerhalt interessiert, da kann man dann auch schon mal den ein oder anderen Schwachsinn durchdrücken.

Zum Beispiel die Sache mit dem neuen Urheberecht. Von wegen Privatkopiererei, IP-Auskunftei, Kopierschutzknackerei. Denn für die alten Säcke im Verband, dessen Phono-Akademie (da sind die lustigen Typen, die den Echo verleihen!) sich unvorstellbarerweise als Kulturinstitut der Deutschen Musikwirtschaft (ganz grosses SIC!) versteht, liegt die Schuld bei den Umsatzrückgängen nicht beim schlechten Produkt, der veralteten Struktur oder dem anachronistischen Medium, sondern beim Hörer, dem bösen Downloader, der dieses Jahr schon wieder weniger CDs gekauft und viel mehr aus dem Netz gezogen hat.

Als Konsument bin ich von der deutschen Musik-Industrie schon lange kuriert, zumal sich mein Geschmack glücklicherweise eh immer leicht Abseits des Mainstreams bewegt, und ich CDs dann doch lieber direkt beim Künstler bestelle, oder auf den Konzerten kaufe. Sogesehen pflege ich per se schon den Industrie-Boykott, auch ohne Raubkopiererei.

Als Musiker, dem im Prinzip mal wieder gezeigt wurde, daß er eigentlich keinerlei Einfluss auf “Urheberrechts”-Gesetzsprechungen hat, der leider auch nicht wirklich bestimmen kann, was der “Verwerter”, also die Industrie, mit seinem geistigen Eigentum macht (Kopierschutz!), kann ich nur sagen: Wenn’s nach mir ginge, darf sich von meiner CD und meinem MP3s wirklich jeder so viele Kopien ziehen und verschenken, wie er will. Solange Kopien nicht vertickt werden, ist mir das nur lieb und recht, und so lange ich weiß, daß meine Musik in guten Ohren landet, ist es mir sogar billig – denn eine bessere und ehrlichere Promo als fangemachte Mundpropaganda kann ich doch eigentlich nicht haben – wer glaubt schon einer Industrie, die ihre eigenen Kunden verklagen will!

Magneta wer?

magneta.jpg

Die oben abgebildeten, recht jungen, frechen, östrogen-geladenen, knuddelig-haarigen Damen sind hier schon mal mit ihrer bereits 2004 erschienen “The Constant Lover”-EP (viel zu spät, aber dafür mehr als wärmstens) empfohlen worden. Und weil ich ja gerne an alte Traditionen anknüpfe, möchte ich an dieser Stelle auch wieder viel zu spät, aber dafür mehr als dringlich auf das im Februar veröffentlichte Debüt-Album der bolzenden Ballerinas von Magneta Lane hinweisen. Ist zwar nicht ganz so ein Knaller wie die EP – wer aber letztere mochte, wird auch dem Album ein paar schöne Momente abgewinnen können. Aggro-Kuscheln!

Hier was.Zum hören.

p.s. Magneta Lame wäre der coolere Band-Name gewesen, denk ich gerade.

Nicht besser.

Als ich heute Nacht irgenwann die Augen schloss, und mir hinter zugekneiften Lidern zusammenreimte, warum dieses bekloppte Illuminati-Buch eigentlich billiger, flacher Schund ist, aber dennoch fesselt, ahnte ich bereits, daß es wieder passieren würde.

Lange Zeit war Ruhe in meinem Kopf; in den letzten Monaten liessen sich – wie sonst früher in regelmässigen Abständen – weder Prominente Idioten in meinen Träumen blicken, noch erdreisteten sich irgendwelche kruden Lebensmittel, mir halbgare Lebensweißheiten um die Ohren zu flüstern. Selbst die hohe Affinität zu sprechenden Tomaten schien eigentlich erstickt. Aber heute Nacht war irgendwas irgendwie anders, das spürte ich bereits, als ich im Kopf noch herumergründete, warum so viele Menschen dieses überbewertete Illuminati-Buch gekauft und gelesen hatten, und wieso man mich letztlich auch dazu bewegt hatte, einen Blick reinzuwerfen.

In meinem Kopf gibt es diese ominöse Sicherung. Ich weiß nicht, wann sie rausfliegt, aber ich vermute Zusammenhänge zwischen Überarbeitung, Stress, Burnout, Verdauungsproblemen und Alkohol. Wenn diese Faktoren in überhohem Maße aufeinander treffen sind, fliegt sie raus. Und wenn sie rausfliegt, neige ich tagsüber zu Hysterie, und Nachts zu Träumen, die wahnwitziger nicht sein können.

Und so wunderte es mich kaum, daß plötzlich der Chefredakteur des Magazins, für das ich die letzten 14 Tage und Nächte – einschliesslich der Wochenenden – hart arbeiten musste, auf meinem Schoß saß, und mich anlächelte. Er war klein, dick, buckelig, unrasiert und roch nach Apfel. Und er war 5. Ich spürte sein Gewicht nicht, merkte aber, daß ich mich nicht erheben konnte. Ich saß auf meinem abgewetzten Schreibtisch-Stuhl, und er in Hoppe-Hoppe-Reiter-Pose auf mir, hielt sich an meinen Ohren fest, und blickte mich hinter den colaflaschenbodendicken Brillengläsern stechend an. Und dann sprach er.

“Du nicht Punk genug für hier!” zischte es aus seinem Mund, mit einer Stimme, die klang, als hätte er Nägel gefressen. Sein Atem roch penetrant nach Brat-Apfel. “Ich hab doch auch nie behauptet, Punk zu sein!” raunte ich zurück. “Ich seh doch noch nicht mal wie einer aus.”. “Egal, Du nicht Punk genug für hier!”, zischelte es wieder, während er von meinem Ohren abließ, um seine Hose zu öffnen. “Was zur Hölle machst Du da?” fuhr ich ihn an, während ich versuchte, ihn irgendwie von mir wegzuschubsen. “Du nicht Punk genug für hier! Du hast die Indie-Szene dieser Stadt verraten. Du und Deine beiden Kumpel, ihr seid kleine Mainstream-Wichser, die sich selbst verkaufen. Billige Nutten der Popmusik, die sogar nicht davor zurückschrecken, auf dem Titel der Bäckerblume abgedruckt zu werden, nur um sich einen Namen zu machen. Und Eure Musik ist scheisse, billig, eindimensional, doof…” tönte es erneut aus seinem kindlichen, vom Dreitagebart eingerahmten Mund, während er am Klettverschluß seiner Pampers zugange war. Erst jetzt bemerkte ich, das mein Schoß ganz naß und warm war, und der Bratapfelgeruch gar nicht aus seinem Mund, sondern aus seiner Windel kroch.

Ich war ausser mir, versuchte zu zappeln, doch es gelang mir nicht im geringsten, dieses kleine, an seiner Pampers rumfummelnde Monster von mir zu schleudern. Ich versuchte ihn sogar – entgegen aller moralischen Prinzipien – mit der Faust zu schlagen. Aber irgendwie traf ich nicht. Unterdessen hatte das kleine Monster den Klettverschluss geöffnet, griff sich beherzt mit der Hand in die Pampers, zog sie mit Bratapfelpampe beschmiert wieder heraus, und wischte das glibbrige Zeug in meinem Gesicht ab. Ich schrie. “ABER ICH WILL DOCH NUR, DASS MAN UNS HÖRT!”.

“Das macht es auch nicht besser!” wiederholte er in ruhigem Ton, während ich unter einer Bratapfelpampe-Maske erstickte.

Als ich schweißgebadet aufwachte, hatte ich den Namen der nächsten Les Mercredis-Platte im Kopf.

So unglaublich…

…müde* sein, daß sogar das Gähnen** anstrengt.

*) Auch dieser Tage scheint Schlaf wieder überbewertet zu sein. Die Freier vom Puff nebenan verklingeln sich mittlerweile sogar schon um 6.30 Uhr Morgens bei mir.

**) Stichwort Gähnen: Die Popstrategen von Les Mercredis am Sonntag zwischen 20 und 22 Uhr auf Eins Live. Kann man hören.

Vergleichbar…

Das Gefühl nach einer in 30 Minuten verputzten Schachtel Ritter Sport Minis entspricht exakt dem Gefühl, das man hat, wenn man zwei Cronenberg oder Lynch-Filme (mit per se gereizter Laune) direkt hintereinander sieht.

Content is Chorknabe.

Und wieder hat sich das auf der Couch rumlungernde, vom Privatfernsehen eingelullte Deutschland einen Superstar aufdrücken lassen. Einen mit Kanten: leichter Überbiss, Metallica-Coverband Rockerbackground, und immer so’n bisscken klischee-böse dreinblickend. Eigentlich ideale Vorraussetzungen, um hier in der Region Bus-Fahrer oder Krankenpfleger zu werden. Die Halbwertszeit als Superstar ist natürlich nicht ganz so lang, wie die der genannten Jobs, aber macht ja nix, is ja einkalkuliert, frei nach dem Motto: Nach dem Casting geht’s nur noch Abwärts. Siehe Alexander, Juliette, Daniel, und wie sie nicht alle hiessen. Superstars von Format, reif für die Welt, sagt die Jury. Gewinner der größten Coversong-Verarsche der Welt, sag ich.

Johnny ist die Macht.

Himmel hilf! Da ist man berufstressbedingt (jep, wir verweigern die neudeutsche Nichtgetrenntschreibung!) ein paar Tage nicht wirklich blogline, und wird plötzlich mal wieder mirnichtsdirnichts wegen so komischer Videodingens-Geschichten Gespreeblickt. Früher, also damals, als es kein Web 2.0 gab, und die Leute noch dachten, “Blog” sei irgend so ein Wort aus der Spinatwerbung, war das eine völlig harmlose Sache, wenn Johnny mich linkte. Heute ist das anders. Da guckt man dann nach Feierabend mal in die Statistik, wundert sich, daß das so lange mit dem Seitenaufbau dauert, und erschrickt, weil Hundertschaften rüberschwappen – was wiederum auch ein wenig unangenehm ist, wenn man so eine Content-Schlampe wie ich ist.

Trotzdem schön festzustellen: Spreeblick ist the new Massenmedium with Indie-Attitude, der Mann hat sich mit Eifer gemausert, und ich wie ich finde: absolut verdient! (Am Rande: Wenn der sich jetzt noch zum Les M.-Album äussern würde, wär mein März zumindest emotional gerettet!)

Apropos (nicht mehr zu) retten: Wer fagt sowas?

Nix mit Echo.

Nein, ich weigere mich, auch nur eine kostbare Zeile über die Echo-Verleihung zu verlieren. Es ist und bleibt sowieso immer das gleiche: eine Selbstbeweihräucherungsorgie der ewig gestrigen Massenverblödungsindustrie, vergleichbar mit einem Kaninchenzüchterkongress, immer frei nach dem Motto “Seht her, was meine musikbegeisterten Produktmanager mit dem dicken Marketingbudget und der weitsichtigen Kurzsicht hinbekommen haben – was zählt, ist immer der Einsatz!”.

Weitaus schlimmer war es, gestern Nacht den wohl bescheuertsten Film der Gegenwart gesehen zu haben, und das auch noch unter Nötigung (Beine einer schlafenden Frau auf dem Schoß, sogesehen keine Möglichkeit, mal eben aufzustehen, und den den DVD-Player auszuschalten). “The Devil’s Rejects”, zusammengezimmert von Rob “Ich wäre gerne Künstler” Zombie. Nicht nur, daß der Film diametrale Scheisse war, nein, ich bekam auch noch nach 15 Minuten ob meiner desolaten Situation allerschlechteste Laune. So schlecht, daß mir wirklich danach war, kleine Kuscheltiere zu zerrupfen.

Das Tüpfelchen verdorbene Schlagsahne war dann der Abspann, wo ich lesen durfte, daß der Produzent dieses Films tatsächlich ein ehemaliger Kindergarten-Spielkamerad ist, der früher, als man ihn nohc liebevoll “Motzi” nannte, bei mir umme Ecke in D’dorf-Knittkuhl lebte, und mittlerweile nach L.A. gezogen ist, um da das große Geld zu machen – was ihm wohl in Anbetracht der letzten Oscar-Verleihung endgültig gelungen sein dürfte. Ich frag mich dann nur, wieso der mittlerweile durch die Medien gereichte Sonnyboy nur in Zusammenhang mit “Capote” auftaucht, aber nicht mal auf die wirklich miesen Dinger wie “The Devil’s Rejects” angesprochen wird. Oder auf die Tatsache, daß der mir immer Playmobil-Zubehör gemopst hat…

Persönliche Hymnen für Scheisstage.

Und so lange echte, ehrliche Musikmenschen Songs wie den hier schreiben, kann mich die Musikindustrie immer noch diagonal am Popo: Johnny Boy - You are the generation that bought more shoes and you get what you diserve.

Ach komm, den einen noch, jetzt so kurz vor’m Wochenende…

Geniale Sportler-Zitate, jetzt auch aus Deiner Provinz: “Ich habe ein paar Freunde da, ich weiß aber nicht, was die machen. Das geht mich nichts an. Aber das heißt nicht, dass ich was damit zu tun habe.”

Disclaimer: Der drittklassige Zweitliga-Fussball meiner immer noch vorrübergehenden Wahlheimat interessiert mich seit jeher einen Scheißdreck – aber jetzt, wo Siegen bundesweit in den Medien ist, kann ich meinen Eltern wenigstens erklären, daß es hier auch Fußball gibt.