Liebe Winzerei Jaques Darvis, liebe Metro-Handelsgruppe,
Ich bin kein Wein-Fachmann. Wirklich nicht. Weinsorten sind für mich zwar kein generelles Mysterium wie beispielsweise Frauen oder Dampfdruckreiniger, aber dennoch eine Materie, der ich mich ob ihrer unermesslichen Vielfalt nicht gewachsen fühle. Das merke ich jedes Mal, wenn ich in der Metro vor den überbordenden Weinregalen stehe. Meistens auf der Suche nach einem französischen Wein. Die mag ich. Weil einige von ihnen zumindest ansatzweise so einfach sind, wie ein gutes, kühles Bier. Und wie Bier trinke ich auch Wein. Einfach, nicht mit irgendwelchen pseudo-synästhtischen Wortketten im Hinterkopf, sondern stets unter dem Aspekt, das er nach Möglichkeit schmeckt und knallt. Eben nach dem Motto “Hauptsache rot, knallt und macht Pelz auf der Zunge”.
Besonders gut funktioniert das bei mir mit dieser bastardisierten Rebsorte namens Bordeaux. Die Weine dieser Traube trinke ich gerne, weil sie im Gegensatz zu vielen anderen Getränken ziemlich ehrlich sind. Habe ich einen Bordeaux auf der Zunge, weiß ich, was ich bekomme. Ganz im Gegensatz zu beispielsweise Bratensoße, Dosenobstwasser oder Sauerkrautsaft. Deshalb ist der Metro-Regalabschnitt mit den Bordeaux-Sorten auch immer wieder ein guter Grund für mich, ein paar Minuten länger zu verweilen, und mir die wunderbaren Flaschen anzuschauen. Meistens nehme ich dann auch zwei mit. Eine teure und eine besonders günstige. Einfach nur, um herauszufinden, ob ich nicht doch einen kleinen, sensorischen Sherlock Holmes in meiner Mundhöle beherberge.
Gestern war definitiv das letzte Mal, dass ich das gemacht habe. Nicht, weil ich sowieso nie einen Unterschied schmecke. Nicht, weil ich das Zeug eh nur zum betrinken trinke. Nein, einfach nur, weil ich gestern Abend feststellen musste, das ein und derselbe Wein (i.e. selbe Sorte, selber Jahrgang, selber Abfüller) zwei unterschiedliche Preise (mit einer Differenz von knapp 5 Euro) haben kann. Zumindest der Bordeaux von dem Kollegen Jaques Darvis, der sich eigentlich nur durch Qualität der Ettiketierung und Flaschenfarbe unterscheidet.
Was mich vom wahren Weinkenner unterscheidet, und dem Alltagsidioten wesentlich näher rückt: Ich hab’s natürlich erst bemerkt, als ich die Flaschen zu Hause begutachtete. Warum sollte man auch vorher auf’s Ettikett gucken – Bordeaux is ja Bordeaux.

