Monatsarchiv für Januar 2008

 
 

Wie ich das liebe!

Disclaimer: “Ouuuuu!” ist für den gemeinen Italiener (ab Neapel runter, und die Sopranos sind ja irgendwie alle ab-Neapel-runter-Italiener) quasi das universale Füllwort - damit lässt sich die komplette Bandbreite an Verwunderung, also der Spielraum zwischen “Hallo!” und “Scheisse!”, nonverbal und dennoch überdeutlich ausdrücken…

Tageshype:

Fuck Buttons!!!

Und denen Ihr Internetz!

Stalker-Blödsinn.

Natürlich klingt das albern, wenn man als provinz-zugezogener Tunichtgut plötzlich in den Raum wirft, dass man einen Stalker hat. Ich hab weder einen Hubschrauber, noch ein Motorboot, geschweigedenn einen Multimillionen-Plattendeal oder ein Sponsoring von der Volkswagen Soundfoundation. Warum zur Hecke sollte ich also einen Stalker haben!? De Facto stimmt es aber: Ich habe einen Stalker. Oder besser gesagt: eine Stalkerin! Und ich stelle gerade fest, dass solche Sätze gelesen noch bescheuerter klingen, als wenn man sie einfach so sagt.

Es ist ja nicht so, als würden mir Dinge wie Prokrastination, meine Bandscheibe, das Staffelende der Sopranos und die meiner Meinung nach völlig überbewertete Schwemme an Franzosenelektro á la Justice nicht schon genug Migräneanfälle bereiten. Darüber hinaus muss ich mich jetzt damit rumplagen, dass mir eine unbekannte Frau mehrmals am Tag via irgendwelcher Social Networking-Seiten Nachrichten zukommen lässt, die mich ein wenig erschaudern lassen. Dabei ist es gar nicht mal der Gedanke, dass mich jemand online verfolgt, der mir Angst einjagt. Es ist vielmehr die Art und Weise, wie diese offensichtlich aus dem Osten stammende Person schon seit Wochen mit mir kommuniziert. Einseitig. Unverständlich. Kryptisch. In gebrochenem, kaum lesbaren Deutsch. Angefangen von undechiffrierbaren Songtipps, über Links zu illustren Zeichentrickvideos, bis hin zu aktuellen Berichterstattungen über die tägliche Laune, den Gesundheitszustand, das Wetter und Freunde und Bekannte meines Stalkers war jetzt schon fast alles dabei. Täglich. Mehrmals. Ohne erkennbaren Hintergrund.

Irgendwann letzte Woche beschloss ich dann, zu antworten. Vielmehr zu Fragen, wer, warum und was das eigentlich soll, mit den Nachrichten, den Chiffern und dem ganzen Mumpitz. Ohne Erfolg. Ich bekam zwar Antworten, die hatten aber recht wenig mit meinen Fragen zu tun. Vielmehr offenbarte mir Frau Stalkerowsky, dass sie mich und meine zwei Hunde schon seit langem kenne, schließlich wohnten wir ja am Waldrand, und dass wir sogar eine gemeinsame Bekannte – Frau Krämer – teilten. Aber das hätte sie mir so oder so auch alles schon mal an Weihnachten geschrieben, und überhaupt würde sie sich ja sehr, sehr um mich sorgen, und mein liebes Weblog wolle sie ja nicht kommentieren, das würde sie nur wütend machen. Wer mich kennt, weiß das ich Hunde und Wald fast so sehr hasse wie die Musikindustrie, Linsensuppe und Oberliga-Fußball. Die Wahrscheinlichkeit, dass man mich also irgendwo am Waldrand mit zwei Hunden durch die Gegend schwarwenzeln sieht, und vielleicht sogar dabei ertappt, wie ich ein kleines Schwätzchen mit Frau Krämer halte, zum Beispiel über Weihnachtskarten, tendiert gegen absolut Null. Genausowenig wird man mich im Auto auf der Fahrerseite, im Puff oder beim großzügig bemessenen Konsum von Fernet Branca oder Dosenravioli antreffen. Undenkbar.

Die Sache mit dem Weblog dagegen macht mir schon eher zu schaffen. Frau Stalkerowsky will nämlich partout nicht damit rausrücken, was sie an dem Laden hier stört. Nun gut, ich hab es per se aufgegeben, auf sinnvolle Antworten zu warten, denn wir bereits angemerkt, bekomme ich so ziemlich alle Informationen. Nur keine relevanten. Selbst die Frage, ob Frau Stalkerowsky wenigstens gut aussehe, damit ich mir wenigstens sagen “OK, bekloppt, aber sexy!” wurde bis Dato nur mit kryptischen Hinweisen auf Krankheit und Musik von Mike Oldfield boykottiert.

Bleibt jetzt die Frage: Was soll ich tun? Getrost ignorieren? Wahrscheinlich. Ist in solchen Fällen meistens besser. Ich erinnere mich noch vage, dass ich schon mal eine Stalkerin hatte, das war 1864, also zu Zeiten, als Google noch unter der URL von Altavista erreichbar war, und man noch wesentlich offener und unbedarfter mit seiner IRL-Identität rumjuxte. Die Prä-Webzwonull-Stalker-Geschichte endete damit, dass ich ein schwarzes Plüschkissen, ein in teueres Silber gerahmtes Foto der damaligen Stalkerin und einen Heiratsantrag per Kurier bekam. Und wo ich gerade “Kurier” schreibe: danach war ich endgültig von Internetbekanntschaften, schwarzem Plüsch und Heiraten im allgemeinen kuriert. Stalker haben also auch einen pädagogischen Wert. Ob das im aktuellen Fall genauso ist, wird sich noch zeigen…

Nudeln.

Und während ich hier so sitze, und darauf warte, dass der gerade frisch geknetete Nudelteig seine 30 Minuten gelangweilt im Kühlschrank absitzt, wird mit mal wieder klar, dass ich Momentan das einzige Glück im Kochen finde. Das mag zwar deprimierend klingen, aber der Italiener in mir könnte Momentan sogar auf’s Musikmachen pfeiffen, wenn er stattdessen irgendwo in einem der amerikanischen Little Italys für unverschämt viele Dollar Spaghetti Puttanesca zubereiten könnte.Oder auch nicht. 

Is ja nicht so…

…als würde ich dem Internet nicht vertrauen. Aber wenn man auf:

http://www.google.com/translate_t?langpair=en|es

“Heath Ledger is dead.” eingibt, und dann “Translate” klickt, passieren ganz, ganz merkwürdige Sachen.

The Teenagers

Dann jetzt doch schon mal ein Tipp für 08: The Teenagers. Klingt wie wenn Art Brut nicht aus London, sondern aus Paris kämen, und soweit ich das jetzt blicke, kommen die Teenager sogar aus Paris. Und aus London. Mal ganz ab davon, dass die ganze Platte nur so vor versteckten Popkultur-Referenzen strotzt, die man gerne schmunzelnd aufdeckt, haben Bands sowieso immer dann gewonnen, wenn sie Wörter wie “Cunt” und Sätze wie “And don’t forget to send me your friendrequest” in ein und den selben Song packen.

Biddeschön:

Ich suche jemanden, der mir die Schulter amputiert.

Irgendwie war mir gestern Abend dann doch nach ganz, ganz kräftig Luft schnappen. Nicht wegen der Bandscheibe, die mich seit Wochen mit timingfesten Schmerzschüben (12.30 Uhr, 17.30 Uhr und ab 22 Uhr – kein Witz!) bis ins Handgelenk plagt, sondern weil ich beim ergooglen von Tomekks unkommentierten Dchungelcamp-Rausschmiss auf die zu jenem Zeitpunkt gerade mal ein paar Minuten alte Heath Ledger-Todesmeldung stieß. Ich bin zwar weder Dschungelcamp-Fan, noch Promi-News-süchtig, aber wenn man denn schon den Feierabend unter Schmerzen damit verbringt, dank RTL noch mehr Schmerzen zu erleiden, will man wenigstens auch alles wissen, und sich nicht nur mit angeteaserten Nichtmeldungen zufrieden geben.



Ich war ja jetzt nicht der Heath-Ledger-Überfan (meine Exfreundin schon eher), aber seit Brokeback Mountain konnte ich den Kerl dann doch irgendwie etwas ernster nehmen, zumal da so ein bißschen das Format Christian Bale durchschimmerte. Und dass der Mensch in der Broome Street gewohnt hat, macht ihn ja fast schon sympathisch. Nicht dass die Broome St jetzt eine sonderlich schöne Straße wäre – es gibt in New York eigentlich keine wirklich schönen Straßen, ausser vielleicht im Village, aber da sehen die Straßen alle gleich aus, und bei so vielen gleichaussehenden Straßen wird Schönheit schnell langweilig. Aber die Broome Street führt eben numal durch Soho, und kreuzt NoLiTa und Little Italy. Wo ich mich als Italiener natürlich sofort mehr als nur heimisch gefühlt habe. Was auch klar war, denn wenn vier deutsche Touris, von denen einer Italiener ist, mitten in New York auf der Broome St eine neapoletanische Pizzeria betreten, deren Inhaber den Braten gleich riecht, sich sofort mit dem Deutsch-Italiener verbündet, und von da an ganz, ganz, ganz üble Running Gags zum Thema Fußball-WM macht, dann weiß ich, wo ich zu Hause bin. Und kein Witz: Es war die erste Spaghetti Puttanesca, die der meiner Mutter das Nudelwasser reichen konnte – wenn sie nicht sogar einen kleinen Ticken besser war. Das weiß ich im nachhinein nicht mehr so genau zu sagen, denn ich stand unter Schmerzmitteln. Die Bandscheibe. 



Apropos Bandscheisse:


Ich will ja jetzt noch keine Tipps für 2008 abgeben, auch wenn da schon einiges in den VÖ-Listen dieser Welt brodelt. Aber die noch recht frische Combo “The Depreciation Guild“ verschenkt gerade ihr neues Album “In Her Gentle Jaws”, und das kann man ruhig mal als Tipp sehen. Und wer bei der Kombination “8Bit-Musique meets Shoegazer” sabbert, sollte schnell auf die gelbe oder blaue Fläche klicken. Übrigens würde ich mir zu der Musik auch die Schulter amputieren lassen, wenn dann die Schmerzen endlich weg wären. Nicht die RTL-Schmerzen, ich mein die Bandscheibe…





http://www.inhergentlejaws.com/

Reboot.

War ja auch lang genug still hier. Nicht unbedingt grundlos, denn Blog 2008 ist ja nicht Blog 2004 und schon gar nicht Blog 2001. Aber dann die Katharsis. Und der Nachdruck. Und das ganze Gemirmel im Kopf, das rauswill, aber nicht rauskann. Wohin auch damit? Spätestens, als man mir dann vor zwei Wochen in New York sagte, ich solle unbedingt wieder schreiben, weil sonst niemand ausser mir Mitten in der Lower East Side auf eine volle Katzenfutterdose tritt, daraufhin ausrutscht, und einen erneuten Bandscheibenvorfall hat, war mir klar, dass ich den Laden hier nicht einfach links liegen lassen kann. Also, willkommen zu Hause, verlorener Sohn!File under: “Menschen, die beim Staffel-Ende von Six Feet Under heulen, müssen das ja auch irgendwo mal rauslassen.”