Ich suche jemanden, der mir die Schulter amputiert.
Irgendwie war mir gestern Abend dann doch nach ganz, ganz kräftig Luft schnappen. Nicht wegen der Bandscheibe, die mich seit Wochen mit timingfesten Schmerzschüben (12.30 Uhr, 17.30 Uhr und ab 22 Uhr – kein Witz!) bis ins Handgelenk plagt, sondern weil ich beim ergooglen von Tomekks unkommentierten Dchungelcamp-Rausschmiss auf die zu jenem Zeitpunkt gerade mal ein paar Minuten alte Heath Ledger-Todesmeldung stieß. Ich bin zwar weder Dschungelcamp-Fan, noch Promi-News-süchtig, aber wenn man denn schon den Feierabend unter Schmerzen damit verbringt, dank RTL noch mehr Schmerzen zu erleiden, will man wenigstens auch alles wissen, und sich nicht nur mit angeteaserten Nichtmeldungen zufrieden geben.
Ich war ja jetzt nicht der Heath-Ledger-Überfan (meine Exfreundin schon eher), aber seit Brokeback Mountain konnte ich den Kerl dann doch irgendwie etwas ernster nehmen, zumal da so ein bißschen das Format Christian Bale durchschimmerte. Und dass der Mensch in der Broome Street gewohnt hat, macht ihn ja fast schon sympathisch. Nicht dass die Broome St jetzt eine sonderlich schöne Straße wäre – es gibt in New York eigentlich keine wirklich schönen Straßen, ausser vielleicht im Village, aber da sehen die Straßen alle gleich aus, und bei so vielen gleichaussehenden Straßen wird Schönheit schnell langweilig. Aber die Broome Street führt eben numal durch Soho, und kreuzt NoLiTa und Little Italy. Wo ich mich als Italiener natürlich sofort mehr als nur heimisch gefühlt habe. Was auch klar war, denn wenn vier deutsche Touris, von denen einer Italiener ist, mitten in New York auf der Broome St eine neapoletanische Pizzeria betreten, deren Inhaber den Braten gleich riecht, sich sofort mit dem Deutsch-Italiener verbündet, und von da an ganz, ganz, ganz üble Running Gags zum Thema Fußball-WM macht, dann weiß ich, wo ich zu Hause bin. Und kein Witz: Es war die erste Spaghetti Puttanesca, die der meiner Mutter das Nudelwasser reichen konnte – wenn sie nicht sogar einen kleinen Ticken besser war. Das weiß ich im nachhinein nicht mehr so genau zu sagen, denn ich stand unter Schmerzmitteln. Die Bandscheibe.
Apropos Bandscheisse:
Ich will ja jetzt noch keine Tipps für 2008 abgeben, auch wenn da schon einiges in den VÖ-Listen dieser Welt brodelt. Aber die noch recht frische Combo “The Depreciation Guild“ verschenkt gerade ihr neues Album “In Her Gentle Jaws”, und das kann man ruhig mal als Tipp sehen. Und wer bei der Kombination “8Bit-Musique meets Shoegazer” sabbert, sollte schnell auf die gelbe oder blaue Fläche klicken. Übrigens würde ich mir zu der Musik auch die Schulter amputieren lassen, wenn dann die Schmerzen endlich weg wären. Nicht die RTL-Schmerzen, ich mein die Bandscheibe…
http://www.inhergentlejaws.com/


26. Januar 2008 um 21:37
Oh ja, die Depreciation Guild ist eine großartige Chiptunes-Band, hör ich auch schon seit ein paar Tagen.
27. Januar 2008 um 14:19
Chiptunes? Wieder was dazugelernt. Für mich war’s jetzt nur 8Bit-Shoegazer, aber geht ja auch… ;-)