Monatsarchiv für Februar 2008

 
 

Beruhigend…

…zu lesen, dass selbst große Namen wie Alan Wilder nicht genau wissen, was die Zukunft als Musiker eigentlich bringt.
Ein offener Brief. Recommended reading:  

And can the musician act as entrepreneur? Is it fair to expect our scatterbrained creative songwriters and virtuosos to also hold a degree in business management? Formulating their own strategies and marketing models as they go? I mean wasn’t this the whole reason record companies and managers came into existence in the first place? From my own experience, simply trying to ’stage manage’ what has been a very small-level experiment has taken up most of the first 3 months of the year - valuable time which I intended to spend composing new music.

Der komplette Text hier.

Und die Künstler?

Ja, ja, ja, es ist ja alles schön, und richtig und gut: Die Musikindustrie stirbt, zurecht aus suizidalen Gründen, letztes Jahr haben 48 % aller Schamhaarlosen nicht einen einzigen physikalischen Tonträger erworben (ich übrigens auch nicht, obwohl ich Schamhaare mit Stolz und Würde trage), und selbst Chef der EMI spricht davon, dass Musik 1.0 tot ist.

Anfangs habe ich diese ganzen Nachrichten wirklich begrüßt. Nicht zuletzt weil ich ja auch schon seit mehr oder weniger 10 Jahren dieser “Industrie” zuarbeite – zwar nur im denkbar kleinsten Rahmen, als Layouter eines durchweg company-finanzierten In-Store-Magazins, aber immer noch mit genügend Background, um zu wissen, wie durchtrieben, verhurt, bigott und selbstverliebt diese ganze Branche war und ist.Doch dieses Hintergrundwissen gestaltet mein Parallel-Universum nicht unbedingt lebenswerter. Denn ich kenn ja auch – ebenfalls im denkbar kleinsten Rahmen – die andere Seite. Die des Künstlers, des Musikschaffenden, der letztlich dann doch über die Grenzen der Proberaumtür hinaus denkt, und vielleicht mehr will, als nur die Top-1 beim durchschnittlich 3 Besucher am Tag verzeichnenden Mp3-Portal und das regelmässige Airplay im Sprockhöveler Internet-Radio. Diese andere Seite, die nicht im “Business” verhaftet ist, aber dennoch irgendwie Liedgut in die Ohren unbekannter Menschen pflanzen möchte, freut sich mittlerweile überhaupt nicht mehr über die Freude am Verwesungsprozess der Industrie. Denn ich bin nicht Radiohead.

Das klingt immer so frustrierend und nervig und hodenlos, wenn diese Musikerargumente auf den Tisch kommen, nach dem Motto: “Wir sind ja völlig unbekannt, was sollen wir denn machen?”. Aber eben diese Argumente bergen einen wirklich gewichtigen Klumpen Wahrheit. Vor allem dann, wenn man 2008 mit Musik in den Startlöchern steht, die vielleicht wirklich etwas mehr Potenzial ausstrahlt, als der sonst nicht minder mühsam zusammengebastelte Kram. Wohin damit, wen anschreiben, was tun? Selbstvermarktung? Das hat auch schon damals nicht funktioniert.

Natürlich könnte man jetzt den ganzen Tag damit verbringen, Unbekannte bei myspace zu adden, Foren und Blogs zu spammen, das Internet unsicher zu machen. Unabhängig von dem nicht zu unterschätzenden Zeitaufwand, der hinter der Selbstpromo steckt (alles schon erlebt), der einem quasi den Broterwerb kosten würde, stellt sich dann jedoch die Frage, was danach kommt. Fans, schön und gut, aber die Rechnung geht auch 2008 noch nicht auf. Denn obwohl ja alles so super trendy 2.0 im Umbruch ist, zählt auch 2008 immer noch die eine kleine Formel, die dem Newcomer in Deutschland (wohlgemerkt) – sofern er nicht seine Seele an einen A&R verkauft – den Strich durch die Rechnung macht: Ohne Label, kein Vertrieb. Ohne Vertrieb, keine Veröffentlichung (egal wo, ob CD oder Itunes). Ohne Veröffentlichung, kein Konzert. Ohne Konzert, keine Fans. As simple as that.

Stellt sich also die Frage: Was macht man 2008, wenn man Musik macht, die vielleicht nicht nur für den Proberaum und den kleinen Club um die Ecke bestimmt ist? Die Companys haben die Türen für Newcomer längst verschlossen, es sei denn, das Privatfernsehen oder der Apres-Ski-Veranstalter ist längst im Boot. Die Indies setzen auf sichere Pferde, melden wahlweise Insolvenz an, oder lassen es einfach ganz bleiben.

Und dazwischen gibt’s nichts. Platte verschenken? Nö. Ist zwar immer wieder ein nettes Argument, von wegen Kulturgut, und im Mittelalter hat man ja auch einfach so Musik gemacht – aber mal ernsthaft: im Mittelalter hat Musikmachen auch kein Geld gekostet, höchstens Zeit. Zeit investier ich gerne, aber die Knete für die GEMA, das Equipment, die Produktion und die Pressung eines physikalischen Tonträgers, den ich ja leider pressen lassen muss, weil es genügend Menschen mit Schamhaaren gibt, die gegebenenfalls eine CD kaufen würden, sofern denn eine veröffentlicht würde, muss ich ja auch wieder reinbekommen.

Seit Tagen schlaflose Nächte. Weil man so nebenher ein neues Ding gestartet hat, plötzlich Gott und die Welt, liebe Menschen und hochgeachtete Produktionsgurus auftauchen, das Ding draussen auf CD, im Radio und sonstwo hören wollen, und ausgerechnet jetzt das ganze System spürbar anfängt, darunter zu leiden, dass es sich Jahrzehnte lang selbst gefickt hat.

Stellt sich mir also die Frage bei dem ganzen Gelächter über die Musik-Industrie: Hat eigentlich mal irgendjemand darüber nachgedacht, was mit den Künstlern ist? Ich mein, ok, das hat die Industrie auch nicht interessiert, aber die ganzen Experten, die sich im Moment darüber freuen, dass es endlich bergab geht, von denen würd ich dann schon mal gerne wissen, wie die sich das vorgestellt haben…

Wenn…

…mein Computer jetzt zum Teil meiner Persönlichkeit gehört, heißt das dann, dass ich angezeigt werden kann, wenn ich Frau Stalkerowsky klipp und klar sage, das sie gestört ist?

(Am Rande: Ich hab meinen Last.fm-account bereits geblockt, aber die gmail-Adresse wird weiterhin mit wirklich schauderhaften Mails gespammt. Neuerding hat Sie mir offeriert, Sie sie verliebt, drücke mir aber dennoch die Daumen für meine Prüfung. Was auch immer das bedeutet.)

1 Jahr später…

…immer noch festzustellen, wie unglaublich gut dieser belehrende “God have mercy on our dirty little hearts!”-Unterton von Trent Reznor auf “Zero Sum” ist, hat was von Nostlagie 2.0.p.s. Nostlagie statt Nostalgie zu schreiben hat was von Weinschrole.  

I (predict) Brooklyn!

Nein, es hat nichts damit zu tun, dass ich mich in der ersten Januar-Woche absolut und total und überhaupt in Brooklyn verliebt habe. Trotzdem prognostiziere ich für die folgenden Monate folgendes: Brooklyn is the next big hypeschwein! Musik aus Brooklyn wird - und da verwette ich jedes einzelne Haar auf meinem Hintern - in diesem Jahr das ganz große Dingdingding in allen noch ernstzunehmenden Musikpostillen. Beispiel: Vampire Weekend (wobei die Hypesau ja schon durch’s Internetz geritten wurde):

#80.1 - VAMPIRE WEEKEND - Mansard Roofby lablogotheque

Schon mal ein paar Namen zum vormerken: THE BIG SLEEP, THE ANTLERS, MOBIUS BAND (!!!), MGMT, SANTOGOLD, WHITE RABBITS, THE SECRET LIFE OF SOFIA.
(Ich bin zu faul zum linken, aber google ist Dein Freund)

Myspace bald auch für Kreative…

hobnox.comMit so Beta-Zeugs, wo man auch Musik und Zeugs mit machen kann. Ich halt ja nix von zwonull. Aber das hier klingt alles sehr vielversprechend – wer weiß, vielleicht kann ich 2010 meinen Musikmachkram wieder verkaufen, weil ja alles online musikmachbar ist.

Tagesrapport

Schon wieder Donnerstag, die halbe Woche rum, und immer noch das Gefühl, nichts bewegt zu haben, ausser Pixel, Einkaufstüten, volle Aschenbecher und Mails von der Stalkerin. Apropos: Hatte ich erwähnt, dass Frau Stalkerowsky immer noch täglich minimum 2 Nachrichten schreibt, und mir kürzlich sogar satte 65 MB Fotos auf meinen Gmail-Account gedonnert hat. Keine Nacktbilder (ich spare mir das “leider”), sondern eine Art in Word angelegten Fotoroman vom letzten Winderausflug in der Walachai. Selbst wenn diese Macke von ihr nicht so abgrundtief traurig wäre, könnte ich trotzdem nicht darüber lachen.Unterdessen habe ich seit letzten Samstag mal wieder versucht,  den Bierkonsum drastisch zu senken. In Ermangelung fermentierter Alternativen muss jetzt die Weinschorle dran glauben. Nicht, dass das eine interessante Geschichte wäre, aber wenn mir jemand vor 3 Jahren erzählt hätte, ich würde in nicht all zu ferner Zukunft Bier links liegen lassen, und stattdessen einer Weinschorle den jederzeit den Vorzug geben, hätte ich vor Schreck Nierensteine gepinkelt. Ob der neuerlich Wechsel nun am Alter oder an der Eitelkeit liegt, weiß ich auch nicht, aber es ist immer wieder bemerkenswert, wie schleichend und dennoch drastisch man sich im Laufe der Tage, Wochen und Monate verändert.

Warum Scheissbands trotzdem Erfolg haben…

shtbands.jpg

(via)

Resümee…

“Kannst Du mal was von … spielen”-Shitlist vom letzten Samstag:

1. Bon Jovi
2. Udo Jürgens
3. Kastelruther Spatzen (wg. Echo-Verleihung)
4. “Irgendwas, was weniger nach Fiebertraum klingt…”
5. “To feel is” von Hearhere - knapp 2 Minuten, nachdem der Song lief.

Katzencon… Moooment!

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