Tonkorrektur für Laien/Leiern.

Spiegel online lässt sich heute früh über die Musikmesse aus, und findet das kleine, feine Ding namens “Melodyne” besonders erwähnenswert. 

Ich hab Celemonys’ Melodyne in seiner Ursprungsfassung schon vor ein paar Jahren als Plug-In unter den Fingern gehabt, und immer mal wieder ausprobiert, wenn der eine Kollege, dessen Namen ich hier nicht nenne, seinen Einsatz um ein paar Cent nach oben oder unten versemmelt hat. Und mein kurzes, bescheidenes Fazit lautet: Melodyne taugt nix. Zumindest nicht zur Intonationskorrektur.

Dabei hat das eigentlich nix mit dem Plug-In an sich zu tun, vielmehr sind es meistens die Sänger schuld, wenn Programme wie Melodyne nicht funktionieren. Warum? Im Regelfall ist es so, dass jemand, der halbwegs Töne treffen kann, seine Intonationsfehler meistens ziemlich schnell selbst bemerkt, und den falsch angeschlagenen Ton just in dem Moment korrigiert, wo er ihn singt. Was dann das ominöse “Leiern” des gesungenen Tones nach sich zieht. Hört man bei ungeübten Gesangsversuchern ziemlich häufig.

Wenn ich so einen Intonations-Fehler in der zumindest gerade aktuellen Version von Melodyne öffne, offenbart sich mir die im Youtube-Video anschaulich demonstrierte “Audio-DNA”, oder wie man diese hässlich orangenen Gesangsfladen auch immer nennen mag. Ein Fladen enspricht einem gesungenen Ton, und natürlich kann ich den rauf und runter verschieben, also die Tonhöhe verändern, die Länge manipulieren, dem Sänger mehr Haare auf die Hoden legen, etc. pp. Das ganze nennt sich “Elastic Audio”, ist eigentlich ein alter Hut, den die Firma Antares schon vor langer, langer Zeit in ein Programm namens “Autotune” verpackt hat. Da Autotune jedoch völlig unbedienbar war, blieben die eigentlichen Tonkorrektur-Funktionen dieses Programms völlig unbenutzt, und wichen absurden Zufallsergebnissen wie dem damals häufig benutzten “Cher-Effekt”, der die Stimme so klingen ließ, als habe man Botox gelutscht.

Melodyne hat diesen ganzen Prozess wesentlich eleganter visualisiert, und vor allem dafür gesorgt, dass tatsächlich etwas passiert, wenn man die Tonfladen mit der Maus verschiebt. Und es klingt sogar ganz passabel, das kann man den Programmierern hinter der Software durchaus bestätigen. Das Problem ist nur: es klingt eben nur dann passabel, wenn das Ausgangsmaterial in sich intakt ist. Ein Klavierton, meinetwegen auch eine perfekt gesungene Note, lassen sich durchaus um eine paar Halbtöne verschieben, ohne dass der Hörer am Ende merkt, dass da was bearbeitet wurde. Hat man jedoch einen in sich schiefen Take, den man gerne begradigen möchte (besagte Leier-Intonation zum Beispiel), kommt man auch schon schnell ans Limit des machbaren. Denn ein in sich schiefer Ton lässt sich zwar mühelos transponieren, das schiefe bleibt jedoch schief. Klar, es gibt die Mikrokorrektur, man kann also tatsächlich die kleinsten Teile eines Gesangsfladen zerflügen und begradigen. Aber die Natur eines gesungenen Tones macht auch da schnell einen Strich durch die Rechnung, es “glitcht”, und man hört selbst bei genauester Arbeit immer noch, dass da was schief war – für funktionierende Mikro-Korrekturen dieser Art braucht man also ein abgeschlossenes 10-Jahres-Praktikum am MIT oder mal mindestens 3 Jahre Nasa-Berufserfahrung.

Oder man macht es so wie die meisten: Den Sänger anscheissen, ihm die Bierflasche aus der Hand reissen, noch mal in die Gesangskabine schicken, und neu aufnehmen. Bis es sitzt. Meinzwegen auch 100 mal. Das ist immer noch schneller, als Intonationskorrektur anhand von oragenen Gesangsfladen…

p.s. Auf die Akkord-Zerpflück-Funktion freu ich mich trotzdem. Vor allem, wenn ich sie dann nicht auf Akkorde, sondern ganz, ganz andere Sachen anwende. Klangmüll. Herrlich…


 
 
 

Ein Kommentar zu “Tonkorrektur für Laien/Leiern.”

  1. Ludwig Kamberlein
    25. März 2008 um 11:08

    Selbst in den 70ern hat man diese Technik bereits beherrscht. Ich bin z.B. ein großer Fan von Amanda Lear. Aber konnte/kann sie singen ? Auf gar keinen Fall. Das hört man aber auf ihren Platten nicht (live schon - Ohrenschmerz …). Hut ab vor der Toningenieurskunst !

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