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Einfach nur bäh!

Ich will mir ja nicht unterstellen, ich hätte einen sonderlich arroganten Gaumen. Geschweigedenn würde ich von mir behaupten, ich sei ein großartiger Gourmet. Für mich zählt in erster Linie: hauptsache frisch, egal ob Bison, Biber oder Bullette. Es gibt nur eine Kategorie Nahrungsmittel, bei der ich empfindlich reagiere, wenn man sie in meiner Gegenwart verhunzt. Pasta!

Als stolzer Migrantensohn mit mafiösem Background ist die artgerechte Zubereitung und Verfeinerung von Pasta und Pasta-Peripherie (sprich Soße) eine Angelegenheit, die ich ähnlich streng beurteile, wie es der TÜV wahrscheinlich mit in China hergestellten Kinderschaukeln macht.

Und während ich jetzt gerade hier sitze, und darüber sinniere, wie absolut wichtig mir die kunstvolle und vor allem frische Zubereitung italienischer Teigwaren ist, mampft Frau Shhhh gerade mit Seelenruhe und Mordshunger und ohne einen Funken schlechten Gewissens eine Familienpackung Miracoli. Anstandlos, ohne zu hinterfragen, was sie da gerade Ihren Geschmacksknospen und meinem aufgeblähten Italienerherz antut.

Und als wäre das nicht schon Häme genug, wagt sie es auch noch, mit mit dem Satz “Oh, das ist aber viel, da kann ich den Rest ja morgen noch essen!” einen ordentlichen Tritt in meine kulinarischen Hoden zu verpassen.

Ich mag Frau Shhhh wirklich sehr gerne. Vielleicht sogar lieber als frische Pasta. Aber in solchen Momenten wünsche ich mir manchmal, ich könne ihr absolutes Küchenverbot erteilen, und ihr in den Phasen des Heisshungers auf widerliche Fertiggerichte die Zunge an einer frischen Tomate festtackern. Einer holländischen am besten!

Ältestes Fertiggericht am Arsch, doo! 

Noch ein paar klärende Worte zum Thema hodenlose Musiker - sonst denken wieder alle, es ginge hier nur um Masturbation.

Ich hatte nicht damit gerechnet, dass das bisschen Dampfablasserei eine so große Runde ziehen würde – innerhalb weniger Tage wird der Laden hier gespreebitchedgedahlmannt und vernerdcored. Das ist zwar schön nach der langen Pause, bringt mich dann aber letztlich doch in den eher verhassten Zugzwang, wieder öfter zu schreiben, was nicht so einfach geht, da Schreiben Zeit kostet, die ich nicht hab, weil ich ja bei myspace Leute adden muss.

Also passt es gerade gut, dass mir ein paar Kommentare und Meinungen zu dem eigentlich nur meine eigene Sichtweise betreffenden Text übel aufgestossen sind. Es schält sich nämlich zwischen einigen ganz klugen Sätzen eine Einstellung raus, die mir symptomatisch für die hiesige Musikkonsumentenlandschaft scheint (das Wort allein schon, bäh). Und die kann ich nach den paar Weinschorlen von eben nicht unkommentiert lassen.

Um meine Position noch mal klarzustellen: Ich hab es zwar nicht direkt behauptet, aber natürlich sehe ich mich als Künstler. Ich mache seit ca. 1992 Musik, hatte schon ein paar Veröffentlichungen im Elektronik-Genre (mitte der Neunziger), zuletzt auch im Indie-Bereich mit meiner eigentlichen Band, hab damals sogar für Fernsehsender und Ehehygiene-Hersteller grässliche Hintergrundmusik fabriziert, produziere heute nebenher noch andere Bands und Projekte, und habe dazwischen einen regulären Dayjob, der indirekt mit der Branche verbandelt ist. Warum? Weil mir schon ziemlich früh klar war, dass man, wenn man sich denn dazu entschliesst, den Dayjob Dayjob bleiben zu lassen um den kompletten Tagesablauf der “Kunst” zu widmen, nicht unbedingt stressfreier lebt. Und als zugegeben recht bequemes Individuum war mir genauso früh klar, dass ich den Streß nach Feierabend und an den Wochenenden zwar liebend gerne ertrage, weil er meine Passion ist, doch letztlich immer darauf bedacht sein werde, über “reguläre” Arbeit reguläre Einkünfte zu beziehen. Denn leere Kühlschränke kann ich nicht leiden - und das wird im Alter nicht besser.

Dieses eloquente Künstlergejammer, das ich da vor ein paar Tagen losgelassen habe, ist nicht aus der Motivation heraus entstanden, dass ich etwa mit fastmittedreissig immer noch den utopischen Traum hege, irgendwann ein “Superstar” oder “Megaseller” zu sein, der nach jedem Konzert zwischen blond, brünett und Bill Kaulitz-Lookalike wählen kann. Den Gedanken, so weit zu kommen, habe ich ehrlich gesagt nie gehabt.

Meine / unsere Maxime vor ein paar Jahren war mal, irgendwann mit Musik den Lebensunterhalt bestreiten zu können. Das war zu Zeiten, als es schon kaum möglich war, so weit zu denken. Und nach dem ersten großen Plattenvertrag, der aus Unerfahrenheit geplatzt ist, und meine Bandkollegen und mich äusserst desillusioniert zurück gelassen hat, ist diese Maxime mehr und mehr zur leisen Hoffnung verdampft. Ich bin mittlerweile, also ein paar Jahre später, sogar der Meinung, dass sich mit Musikmachen zumindest in Deutschland kein Lebensunterhalt erwirtschaften lässt. Die blöden Witze, die wir damals über erwerbslose Jazzmusiker in löchrigen Wollpullundern gerissen haben, treffen also heutzutage auch auf uns blasierte Popstrategen in H&M-Klamotten zu. Es sei denn, wir spielen in Partycoverbands, dann geht das wohl noch - zwar ohne blond, brünett und Bill Kaulitz-Lookalike, aber vielleicht mit der Friseurin next door.

Um also noch mal die Motivation hinter dem Text zu erläutern: Mir geht es nicht darum, mit meiner Musik furchtbar viel Geld zu verdienen, damit ich nicht mehr im Lidl einkaufen muss. Mir geht es auch nicht darum, Top 1 in den meiner Meinung nach per se für “relevante” Musik schon immer irgendwie bedeutungslosen Charts zu sein, oder etwa Herrn Raabs Skrotum mit Nivea einzuschmieren, damit ein paar Millionen mehr meinen Bandnamen kennen, aber meine Single dann doch nicht kaufen.

Mein Ansatz ist vielmehr der: Ich verbringe unzählige Stunden mit Musik, stecke da mein ganzes Herzblut, meine Liebe, mein Wissen und meine Lebenszeit rein, mache Dinge mit meinen Equipment, die andere Leute als pornographisch bezeichnen würden. Ich glaube an das, was ich da mache, denn sonst würde ich es ja nicht machen. Und ich möchte, dass das, was ich da mache, im adäquaten Rahmen veröffentlicht wird. Die Argumentation, die ich jetzt schon öfter gelesen habe, dass es doch gar nicht so sehr auf die Veröffentlichung ankäme, zieht in diesem Kontext nicht. Natürlich ist Kunst immer ein Stück weit Therapeutikum, aber wenn es nur darum ginge, gäbe es auch keine Ausstellungen, kein Radio und keine Bücher (und - ha, jetzt hab ich Dich erwischt - keine Weblogs!).

Und ja, man kann sich auch damit zufrieden geben, alle paar Monate auf eine Bühne zu stacksen, und immer den selben Leuten das selbe Livekonzert zu bieten - hab ich alles schon hinter mir, ist auch gut und schön und toll und total spaßig (und teuer und gesundheitsgefährdend), aber letztlich dann doch nicht die Motivation hinter dem Projekt, an dem ich zum Beispiel gerade seit Monaten fieberhaft werke und wirke. Die Annahme, ich bejammere den vielzitierten “Untergang der Musikindustrie”, weil mir dann Einkünfte, monitäre Erfolgsaussichten, Blowjobs und Autogrammstunden ausblieben, ist völlig daneben. Was ich bejammere - und das ist wirklich der Punkt, den der “Konsument” vielleicht gar nicht nachvollziehen kann, wenn er das Hintergrundwissen nicht hat - ist der Zusammenbruch von Strukturen, die mir als Künstler die Möglichkeit gegeben haben, Kunst so zu kanalisieren, dass sie die richtigen, bestenfalls sogar auch die, die noch nicht wissen, dass sie die richtigen sind, erreicht.

Ich rede hier nicht von Charterfolgen, sondern von der allgemeinen Präsenz. Das totkomprimierte mp3 auf Myspace und die 20.000 geaddeten Freunde geben mir zumindest hierzulande (noch) nicht die Möglichkeit einer Rezension im Deutschlandradio. Ich bin hier, so doof das klingt, immer noch auf alte Strukturen wie haufenweise Promo mit physikalischem Tonträger (der später ungeöffnet bei Ebay landet, alles schon erlebt), Labelcode, GVL-Anmeldung, Verlag, Bookingagentur, Management, etc. pp. angewiesen, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Und ich habe hier sogar bei kleineren Firmen immer noch mit Menschen zu kämpfen, die Sätze sagen wie: “Der Chorus bei dem Song ist zu lang, die Textzeile geht überhaupt nicht, und die Fotos sollten etwas ‘unkünstlerischer’ sein, damit man Euch bei der Uni***** ordentlich präsentieren kann”.

Dass ich genau diese Strukturen natürlich hasse, und mich darüber freue, dass die Herren A&Rs, Produktmanager und Key-Accounter mit kurzfristiger Denke langfristig ihr Grab geschaufelt haben, geb ich ja offen zu. Aber - und jetzt kommt der Punkt, der zu meiner neuerlichen Jammerballade geführt hat - ich bin leider immer noch auf diese Strukturen angewiesen. Denn ich habe hier im Moment keine Alternative, wenn ich gerade eine Sache vollende, die mehr verdient, als nur das Myspace-Ding. Und seien wir mal ehrlich: Es gibt hier noch keine Webzwonull-Kultur. Last-FM-Scrobbelei, Hypemachine, Musikblogs, alles schön und gut, aber nicht hier. Wie lange hat es denn bitteschön gedauert, bis sich hier sowas wie eine Weblog-Kultur etabliert hat? Ich war doch dabei, ich hab sie doch damals noch alle wettern gehört, die antviller zum Beispiel, die sich drüber aufgeregt haben, dass es plötzlich Bücher (!) über Blogs gab. Und? So richtig hat’s doch immer noch nicht geknallt. Die Popblog-Geschichten hierzulande füttern sich unter’m Strich auch nur aus den Digg.com-Charts und wenn über Musik gebloggt wird, dann muss sie erst auf der anderen Seite des großen Teiches wundgehypt worden sein, damit überhaupt jemand drauf stösst. Und ich meine das gar nicht vorwurfsvoll, ich nehme das einfach als Gegeben hin, ich mach’s ja selber so. Warum sich hier im Netz bis jetzt noch keine Popkultur etablieren will, kann sicherlich jemand anders besser erklären, denn das ist nicht mein Thema.

Vielleicht hätte ich besagten Text anders betiteln sollen, damit klar wird, was ich meine. “Deutschlands musikalische Identität ist immer noch angloamerikanischer, als man glaubt”. Oder “Schafe trinken nie aus fliessenen Gewässern”. Oder so. Es ist eigentlich auch völlig egal, denn diese ganzen Feststellungen und Ratschläge und Ideen ändern nichts an der Problematik, um die es mir die ganze Zeit ging und geht und gehen wird, und aus der ich eigentlich keine große Diskussion machen wollte: Im Moment ist für das, was ich gerade in harter Arbeit für mich (und andere) mache trotz aller denkbaren, gefühlten und tatsächlich existenten Perspektiven keine Perspektive zu sehen – weil die Perspektiven entweder gerade zu Bruch gehen, oder lange noch nicht da sind.

Amen.

p.s. Und morgen gibt’s was über amerikanische Wecker und Phimose. Das Problemgewälze hier hält ja auf Dauer keiner aus. Bäh.

Liebe, anscheinend völlig unbefriedigte apple-Designabteilung,

heute früh brachte mir mein wie immer völlig durchzecht aussehender Lieblingspaketbote ein Paket mit zwei neuen Tastaturen aus Eurem Hause. Und mit Eurer sogenannten Mighty Mouse. Nach ungefähr sieben Jahren überzeugter Kensington Trackball-Benutzung war ich es leid, einmal in der Woche den ganzen Siff und Unrat (bestehend aus Essensresten, Haaren, Hautpartikeln, Kronkorken, Kippen, Datellkernen, Kinderfahrrädern, Planeten, etc.) aus besagtem Trackball zu entfernen. Deshalb dachte ich mir, es sei vielleicht keine verkehrte Idee, auf Euer neues Wunderdingens zurückzugreifen, denn das hat ja auch vier frei konfigurierbare Tasten, die man bemerkenswerter Weise gar nicht sieht, und eine Art winzigen Trackball-Scrollrad-Hybriden oben drauf, der mir die Vorzüge des Trackballens auf, in und an einer Maus bietet. So weit, so gut. Das Gerät funktioniert einwandfrei, und ich bin jetzt nach drei Stunden eifriger Benutzung gerade auch wegen der Leichtgängigkeit des Gerätes völlig hingerissen.

Ein Problem habe ich jedoch dennoch: diese matt gummierte Scrollkugel auf dem Gehäuse der Maus. Nichts gegen ihre Funktion, sie läuft einwandfrei, reagiert wunderbar auf den sanften Druck meiner Fingerspitzen, und hat auch genau die richtige Größe, um mich im normalen Mausschubs-Betrieb nicht weiter zu stören. Aber dennoch weigere ich mich, diese Scrollballfunktion zu benutzen. Weil sie mich völlig verwirrt. Denn warum zur Hölle muß sich das kleine Gummiding unter meinen Fingern wie ein Nippel anfühlen? Ist bei Euch jemand Brustwarzenfan? Seit Seid Ihr ungefickt? Oder geht Ihr davon aus, daß wir Kreativen haptische Erlebnisse grundsätzlich mit physischer Liebe verbinden? Irgend einen perfiden Hintergrund muß das täuschend echte Gefühlserlebnis unter meiner Zeigefingerkuppe ja haben. Zumindest habt Ihr es geschafft, mich mit einem Stück Gummi vollends zu irritieren. Und ich frage mich jetzt natürlich, was ihr als nächstes plant. Einen Trackball in Brustform? Einen Dildo-Gamecontroller? Was soll das? Wo ist das harte Plastik, wo sind die nicht organischen Formen, warum muß ich jetzt auch Arbeit mit Sex verbinden, und wieso ausgerechnet Nippel?

Völlig verwirrt,

Herr Shhhh.

Kurz was Privates:

Alle Nichtbetroffenen: Gezz bitt mal kurz weglesen!

Liebe Strategen von Kiss the Frog, allen voran K.H. aka “Vollprofi”,

schade, daß Ihr Euer super passwortgeschütztes “Intranet”-Forum dicht gemacht habt. Ich hatte in den letzten Wochen wirklich einen Heidenspaß, klammheimlich Euer neidzerfressenes, waschweibermässiges Gebashe in unsere/meine und diverse mir bekannte Richtungen mitzuverfolgen – ohne daß Ihr etwas davon mitbekommt. Und mich regelmässig Einzunässen, über so viel geballte Überheblichkeit, bescherte mir so manch heitere Stunde zwischen der ganzen Nasepopelei im tristen, erfolglosen Provinzalltag. Zwischenzeitlich hatte ich sogar überlegt, bei Euch zu posten. Vielleicht sowas wie “Buuuh!”, oder “Erwischt!” oder “K., willst Du in Deiner Funktion als betagter Erfolgsproduzent nicht unsere nächste Platte machen?”. Aber das hätte mir dann doch den Spaß verdorben, den ich beim Lesen hatte. Den hatten viele andere übrigens auch, denn ich hab unverschämterweise den Link zu Eurem super passwortgeschützen Forum an ganz viele Menschen weitergeleitet – auch an die, über die Ihr so viel zu mosern hattet. Ja, ich weiß, das ist so ein teeniemässiges Ding, so’n bißschen Intrigant, und normalerweise macht man sowas nicht, keine feine Art und so. Aber irgendwie war da in mir plötzlich so eine diffuse Waschweiberlaune, so eine Mischung aus Falling Downscher Rachsucht und intriganter Schulhofmentalität, mit der Ihr mich angesteckt habt. Ich musste es einfach tun, so wie ich Morgens zum Beispiel auch immer Pinkeln muß, oder generell nie auf eines Euerer Konzerte gehen würde. Oder eben auch wachweibermässiges “Bandbashing” nicht hinter vorgehaltener Hand betreiben würde. Das lässt man entweder ganz, und quittiert seinen Unmut mit einem freundlichen Lächeln, oder macht es vorne raus, direkt ins Gesicht, ohne Passwort – und nicht hinterum, und dann so tun als wenn nix wär. Ich weiß, dafür braucht man Eier, die habt ihr vielleicht nicht, aber ich kann Euch da gerne Nachhilfe geben: deshalb an dieser Stelle, mal ganz offen raus und aus vollem Herzen, und vor allem unbekannterweise, denn wirklich kennen tun wir uns nicht die Bohne: K.H., Du 180BPM-Balladenmeister, viel Erfolg für die Zukunft, auch an Deine Kollegen! Mit der Einstellung kommt man garantiert weiter, echt gezz!

Oder kurz gesagt: Fuck you!

Alles Liebe,

“Der Keyboader, oder wie man das nennt, was der da macht.”

Brief an ein Insekt.

Liebe, wahrscheinlich immer noch vollgesogen an meiner Schlafzimmerdecke hängende, und mit Sicherheit sehnsüchtig auf meine baldige Heimkehr wartende Mückendame,

ich weiß, Du kannst nicht anders. Wäre ich eine Mücke, ginge es mir wahrscheinlich ähnlich – ich müsste ständig zustechen und Blut saugen, wenn jemand wie ich Nachts fast unbekleidet, leicht verschwitzt und habltot vor sich hinschnarchend in meinem Bett liegen würde. Daß Du das jedoch innerhalb der letzten 7 Tage ganze 47 Mal gemacht hast, gibt mir wirklich zu denken. Und nein, ich mache Dir jetzt nicht zum Vorwurf, daß ich aufgrund der ständigen Juckreizbekämpfung an den unmöglichsten Stellen – und mit “unmöglich” meine ich tatsächlich “unmöglich” – aussehe, als hätte ich in den letzten Nächten ein SM-Studio für Kleintiere und Hauskatzen besucht. Nein, vielmehr Frage ich mich, was an Koffein-, Nikotin- und Alkoholgetränktem Blut so besonders sein soll? Sicher, wenn ich da mit 2kommanochwas Promille im Koma liege, macht Dir das natürlich auch Spaß, einen kleinen Schluck zu nehmen und eine Party mit Deinen kleinen, geflügelten Insektenfreunden zu feiern. Und daß ich mich in so einer Situation wehre, hast Du ja auch nicht unbedingt zu befürchten. Aber andererseits denke ich mir, daß das auch für Dich kein Dauerzustand sein kann – ständig im Rausch durch’s Zimmer fliegen, und dann Morgens Kater im Kopf und Katze auf der Zunge. Deshalb möchte ich Dich, um Deiner eigenen Gesundheit willen, an dieser Stelle höflich dazu auffordern, wenigstens heute Nacht Deinen Rüssel von mir, meinem Intimbereich und sonstigen Körperteilen, die Dir anscheinend gefallen, wegzulassen. Denn wenn ich mich morgen Früh nur wegen Deiner halbgaren Einstiche schon wieder in irgendwelchen Besprechungen vor fremden Leuten im Schritt, am Po und sonstwo kratzen muß, sehe ich mich leider dazu gezwungen, die Insektengitter wieder vom Fenster zu nehmen, und der reichhaltigen Spinnenpopulation, der ich irgendwann mal Hausverbot erteilt habe, Zutritt zu meiner Wohnung zu gewähren.

Oder Paral, und dann fliegen aber die Federn aus der Kiste.

Alles Liebe,

Herr Shhhh.

Ein offener Brief an den chemischen Prozess in meinem Körper, der durch übermässigem Verzehr von fleischlichem Grillgut und schlechttemperiertem Bier in den späten Nachtstunden eingeleitet wird.

Lieber chemische Prozess in meinem Körper, der durch übermässigem Verzehr von fleischlichem Grillgut und schlechttemperiertem Bier in den späten Nachtstunden eingeleitet wird,

ich find Dich zum kotzen. Das meine ich ernst. Ich kann trinken wie ein Specht und rauchen wie ein Schlot, und es ist nichts von Dir zu spüren. Aber wenn ich als bekennender Carnivore dann wegen dringender Überstunden in einer absoluten Stressituation völlig ausgehungert auf die Kombination von frisch zubereitetem Grillgut und warmem Bier zurückgreifen muß, tauchst Du nachts auf, und raubst mir den Schlaf. So wie gestern. Ja, ich gebe ja zu, daß es nicht gerade vernünftig von mir ist, in knapp 14 Stunden Arbeitszeit nur eine Birne, ein bisschen Knäckebrot mit Käse, eine Nuss-Frucht-Mischung und ein paar Kekse zu mir zu nehmen. Und ja, dann um 22 Uhr beim im Garten grillenden Kollegen einen prall gefüllten Teller mit Grillwaren (Wurst und Huhn) abzugreifen, das ganze relativ hastig runterzuschlingen und mit 2 oder 3, oder vielleicht auch 4 Bieren wegzuspülen ist natürlich auch nicht gerade die feine Art mit seinem Körper umzugehen. Aber ich bin der festen Überzeugung, daß ich das darf, wenn ich den ganzen Tag auf einen Monitor starre, und mich um Jobs kümmern muß, die ich vor ein paar Jahren nichtmal mit der Kneifzange angefasst hätte. Wie sang man damals so schön: Ein bisschen Spaß muß sein! Aber Deine blosse Existenz ist kein Spaß: nicht nur, daß ich mich heute wie ein drei mal gemangelter Biber auf Valium fühle, nein, ich hatte auch noch eine wirklich ekelerregende Nacht, die ich allein Dir zu verdanken habe. Die Sache mit dem Albtraum, in dem meine Eltern an einem Pokertisch sitzend mit Wolfgang Clement erst um meine Seele, und dann um mein Musikequipment zocken, und beide Partien haushoch verlieren, während dessen ich quasi mit dem Kopf aus der Tischplatte ragend einfach nur anteilnahmslos zuschauen darf, nehme ich Dir wirklich übel. Daß ich allein deshalb heute früh 2 mal aus dem Bett fiel, als mein Vater im Traum aus Wut über die Niederlage den Tisch umtrat, auch!

Allein deshalb möchte ich folgendes loswerden: Du bist ein mieser, übler, stinkender Zeitgenosse, und ich kann Dich überhaupt nicht leiden, Du Drecksau. Laß Dich hier ja nicht wieder blicken, sonst bewerfe ich Dich mit glühende Kohlen und Bohre Dir mit einem rostigen Nagel Löcher ins Knie, Du alte Scheißschnappe!

Liebe Grüße,

Herr Shhhh.

p.s. Bis nachher!